Die Deutschen im Alter von 30 bis 59 Jahren, also die sogenannte Generation Mitte, schaut trotz Corona-Pandemie recht optimistisch in die Zukunft. 37 Prozent geben das an in einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Branchenverbands GDV an. ergab. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei nur 22 Prozent.
Aber natürlich hinterlässt Corona trotzdem seine Spuren bei den Befragten. Zwar sind sie bisher materiell überwiegend gut durch die Pandemie gekommen. Die Menschen fühlen sich aber zunehmend gestresst. So hatte sich im vergangenen Jahr jeder Dritte häufig gestresst gefühlt, jetzt liegt der Anteil bei 39 Prozent.
Sorgen machen sich zum Beispiel die Eltern aus der Generation Mitte darum, dass sich die eigenen Kinder mit dem Corona-Virus infizieren könnten. Auch das seit Anfang des Jahres stark steigende Preisniveau, insbesondere für Energie und Lebensmittel, und die Erwartung von steigenden Steuern oder Abgaben treiben die Bürgerinnen und Bürger um. Zwei Drittel von ihnen belasten die steigenden Preise stark.

„Die vierte Corona-Welle trifft die ‚Generation Mitte‘ genau wie die Politik in ihrer enormen Intensität unerwartet“, sagt die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher. „Die Pandemie und die stark steigenden Preise belasten die Menschen und ziehen zurzeit auch die Aufmerksamkeit von den großen langfristigen Herausforderungen ab, wie beispielsweise der Bewältigung des Klimawandels.“
Noch keine Aufbruchstimmung durch neue Regierung
Mit Blick auf die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP kann die große Mehrheit der mittleren Generation bisher noch keine Aufbruchstimmung erkennen. Immerhin 40 Prozent sehen der neuen Führungstruppe aber mit Hoffnungen entgegen, 44 Prozent dagegen mit Skepsis oder sogar ausgeprägten Befürchtungen. Deutlich positiver fällt das Urteil derjenigen aus, die sich große Sorgen über den Klimawandel machen. Von ihnen blicken 54 Prozent der neuen Regierung mit Hoffnungen entgegen.
Was die Modernisierungs- und Digitalisierungspläne der Regierung angeht, ist die Mehrheit der mittleren Generation zurzeit noch skeptisch. „Lediglich jeder Fünfte rechnet damit, dass die Modernisierung des Landes rasch angepackt wird. Wohl unter anderem wegen des Corona-Krisenmanagements sehen die 30- bis 59-Jährigen beim Staat und seinen Institutionen im Vergleich zur Wirtschaft erhebliche Effizienzdefizite“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Gleichzeitig hält die mittlere Generation eine Digitalisierung und Modernisierung für dringend. „Auch bei der Digitalisierung geht es aus Sicht der ‚Generation Mitte‘ vor allem in vom Staat verantworteten Bereichen langsam voran.“ Das gelte insbesondere für die kommunale Verwaltung (78 Prozent), Schulen (76 Prozent) und Ämter und Behörden (73 Prozent).
In der politischen Agenda der mittleren Generation zählt Klimaschutz zwar zu den wichtigsten Aufgaben, die der neuen Bundesregierung zugewiesen werden. Große Sorgen über den Klimawandel macht sich zurzeit aber nur eine Minderheit von 42 Prozent. Das hat auch damit zu tun, dass der Klimawandel eher auf mittlere und längere Sicht als Gefahr empfunden wird.
Klimawandel als ferne Bedrohung
So fühlen sich nur 26 Prozent der mittleren Generation persönlich durch den Klimawandel und seine Auswirkungen bedroht, gleichzeitig sehen jedoch 69 Prozent eine Bedrohung für die nächste Generation, also die Generation der Kinder der mittleren Generation.
Die Flutkatastrophe dieses Jahres hat vielen aber verdeutlicht, dass derartige Gefahren zunehmen. 76 Prozent der mittleren Generation gehen davon aus, dass es in Zukunft häufiger zu katastrophalen Überschwemmungen kommen wird, wie im Sommer im Ahrtal. Die Ereignisse haben auch bewusst gemacht, dass Deutschland für solche Katastrophen unzureichend gerüstet ist. So fordern drei Viertel der mittleren Generation, dass Deutschland in diesem Bereich nachrüsten muss.

Das gilt auch für die Information der Bürger. Gerade Personen aus Risikogebieten fühlen sich unzureichend über mögliche Naturgefahren in ihrer eigenen Region und deren mögliche Folgen informiert.
„Die Umfrage zeigt, dass wir alle bei dem Thema mehr tun müssen – Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Ganz praktisch heißt das zum Beispiel, beim Wiederaufbau im Ahrtal den gleichen Fehler kein zweites Mal zu machen und nicht erneut in hochwassergefährdeten Gebieten zu bauen“, so Asmussens Fazit.