Nicht einmal jedes dritte (28 Prozent) kleine oder mittelständische Unternehmen (KMUs) schätzt allgemeine Haftungsrisiken als existenzbedrohend ein. Deutlich häufiger werden Tod oder Krankheit des Inhabers beziehungsweise von Schlüsselpersonen als existenzbedrohendes Risiko angesehen.
Das ergab eine Studie, auf die der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) am Donnerstag in einer Mitteilung hingewiesen hat. Die Studie wurde vom Verein Kubi (Konzeptionsentwicklungs- und Beratungs/Innovationswerkstatt der Assekuranz und Finanzdienstleister) beauftragt und von der Fachhochschule Dortmund erstellt. Sie basiert auf einer Onlinebefragung von 521 KMUs durch das Marktforschungsunternehmen Yougov im November 2019.
Demnach werde der Ausfall von Schlüsselpersonen als größtes Risiko für die Existenz des eigenen Betriebs wahrgenommen, jedoch besitzen beispielsweise nur 11 Prozent eine Risikolebensversicherung für diese Personengruppe. Ebenso mangelt es an Haftpflichtversicherungen.
Weniger als jedes zweite Unternehmen mit Haftpflichtschutz
„Wir waren sehr erstaunt, dass nur 45 Prozent der Befragten angeben, eine Betriebs- oder Berufshaftpflichtversicherung zu besitzen. Das kann man nur als grob fahrlässig bezeichnen“, stellt Studienautor Matthias Beenken, Professor im Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund fest.
Lediglich knapp ein Viertel der befragten Unternehmen besitze ein eigenständiges Risikomanagement. Der Grund: Sie seien meist zu klein, um sich entsprechendes Fachpersonal leisten zu können. Umso wichtiger sei die Unterstützung durch Versicherungsvermittler, so das Fazit der Autoren.
Und: Nur die Hälfte der befragten Unternehmen greife jedoch auf Versicherungsvermittler als Berater in Risikofragen zurück – der Rest gibt demnach an, Versicherungen direkt beim Versicherer einzukaufen, oder gar ganz darauf zu verzichten.

Versicherungsvermittler betreuen Unternehmen intensiv
„Aus unserer Sicht zeigt sich, dass Versicherungsvermittler dringend gebraucht werden, um das Risikobewusstsein bei KMUs zu verbessern und adäquaten Versicherungsschutz zu beschaffen“, sagt Ulrich Zander, Vorstandsvorsitzender des Vereins Kubi und Vizepräsident des BVK.
Versicherungsvermittler würden KMU sehr intensiv betreuen. Mehr als vier von fünf Unternehmen geben an, mindestens einmal oder häufiger im Jahr im Kontakt zu ihrem Vermittler zu stehen. Allerdings nehmen den Studienautoren zufolge viele KMUs den Versicherungsvermittler bisher nur als Beschaffer von Versicherungsprodukten und weniger als Berater und Begleiter beim betrieblichen beziehungsweise beruflichen Risikomanagement wahr. Das Versicherungsportfolio wird allerdings überwiegend sehr gut oder gut beurteilt.
„Die Studie zeigt auch, dass Versicherungsvermittler noch stärker als Risikobegleiter und nicht nur als Produktverkäufer wahrgenommen werden sollten. Vermittler selbst können ihr Profil stärken und die KMUs dabei unterstützen, ein eigenes Risikomanagement zu entwickeln“, ergänzt BVK-Experte Andreas Vollmer.
Zum Hintergrund der Befragung
Als kleine und mittelständische Unternehmen in dieser Studie wurden Freiberufler, Unternehmen und Handwerker verstanden, die weniger als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen sowie bis maximal 50 Millionen Euro Umsatz erzielen. Befragt wurden 521 kleine und mittelständische Unternehmen der Branchen Dienstleistungen (48 Prozent), Freie Berufe (23 Prozent), Handel (14 Prozent), Handwerk (8 Prozent) und produzierendes Gewerbe (7 Prozent).
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