„My first Million Game“ im Test

Wie ich versuchte, eine Million zu verdienen

„My first Million Game“, heißt ein Spiel, das zwei österreichische Finanzberater erfunden haben. Jetzt soll es auch in einer Online-Variante nach Deutschland kommen, und wir von Pfefferminzia sind dabei. Unser Redakteur Andreas Harms versuchte sich daran, warf eiserne Prinzipien über Bord – und beging dadurch längst totgeglaubte Fehler.
Andreas Harms, Redakteur bei Pfefferminzia
© Pfefferminzia
Andreas Harms, Redakteur bei Pfefferminzia: „Pfeif drauf! Ist ja nur ein Spiel“

Nur noch ein paar Minuten. Ich stehe gar nicht so schlecht da. Die Aktien liegen weit im Gewinn, die Börse läuft. Doch ich bin nur im Mittelfeld, andere sind weiter vorn. Steige ich aus? Sichere ich, was ich habe, und hoffe auf einen Crash für die anderen? Oder gehe ich rein mit allem was ich habe? Oder was?

Ach pfeif drauf! Ist ja nur ein Spiel. Und ich entscheide mich …

Was davor geschah

Wolfgang Tritsch und Alexander Oberenzer arbeiten in Wien als Berater bei dem Finanzdienstleister Finum. Der ist nicht gerade klein, hat neben der Hauptstadt noch Standorte in Graz, Innsbruck und … ähem … Dornbirn, einer 50.000-Seelen-Kleinstadt südöstlich vom Bodensee.

Vor einigen Jahren haben die beiden das Spiel „My first Million Game“ erfunden und inzwischen vom Brett- in ein Online-Spiel verwandelt. Jetzt wollen sie es breiter ausrollen – auch nach Deutschland. Mit Standard Life und Pfefferminzia sitzen bereits ein Versicherer und ein Medienhaus mit im Boot, die das alles begleiten.

Damit ist es Zeit für den Selbstversuch

Christian Nuschele und Oliver Höflich von Standard Life sind dabei, ebenso wie Hero Harder und meine Wenigkeit aus unserem Haus. Jeder kriegt 100.000 Euro Startguthaben. Tritsch ist Spielleiter. Es gibt Aktien, Immobilien und neu gegründete Unternehmen, sogenannte Startups. Im Laufe des Spiels werde ich mein Geld in einen Hundefutterhersteller, einen Eisladen und einen digitalen Marathon-Trainer stecken. Mit wechselndem Erfolg.

Doch gleich am Anfang gehen die Probleme schon los. Ich rufe mir Anlegerregeln ins Gedächtnis, die ich mir über die Jahre zusammengeschustert habe: Immer irgendwie investiert sein, aber immer auch handlungsfähig bleiben. Und so steige ich erst einmal ein. In zwei Branchen, die mir eine Zukunft zu haben scheinen. Aber mit gebremstem Schaum. Immobilienangebote lasse ich sausen, ich will bei Aktien bleiben.

Und dann kommt’s. Rumms, die Kurse brechen ein. Hab ich’s doch gewusst. Zum Glück habe ich noch gut Cash, bin handlungsfähig. Kaufe ich schon nach? Grübel, grübel. Ach ja, klar, zweistellige Verluste sind meistens eine gute Gelegenheit. Und etwas später weiß ich: Stimmt.

Es weht zweifellos ein altehrwürdiger Hauch von Monopoly durch die 90 Minuten. Kaufen, halten, verkaufen? Die Unternehmen zahlen mir Dividende. Die Immobilien (der anderen) werfen Mieten ab und steigen im Preis. Später gönne ich mir (gezwungenermaßen) einen Lehrgang, zack, mehrere tausend Euro weg. Ein Startup geht in die Grütze, ein anderes rechnet sich hervorragend. Wie das Investorenleben eben so spielt.

Verflixte Testfragen

Aber dann immer diese Testfragen zwischendurch. Wer richtig liegt, kann zusätzliches Geld gewinnen. Wenige Fragen sind einfach, einige gar richtig schwierig. Bei „Wer wird Millionär“ könnten sie glatt eine halbe Million wert sein. 10 von 17 habe ich am Ende richtig. Willkommen auf dem Boden der Tatsachen.

Seite 2: Wenn der Gegner vorn liegt …

Das Spiel läuft nach Zeit. 90 Minuten hat unser Spielleiter vorgesehen. Jede Runde steht für ein Jahr, 17 Jahre schaffen wir. Kurz vor Ende wird es Zeit für harte Entscheidungen.

Nur noch ein paar Minuten. Ich stehe gar nicht so schlecht da. Aber Christian Nuschele liegt deutlich vor mir. Er hatte einige gute Immobiliengeschäfte gemacht und mit Startups viel verdient. Hatte ich mich zuweilen selbst schon als enorm anlagefreudig eingestuft, stellte Nuschele das locker in den Schatten. Zwischenzeitlich hatte er eine deutlich geringere Cash-Quote als ich. Sicher kein Nachteil, wenn der Aktienmarkt brummt. Wenn er denn brummt.

Ich entscheide mich und verkaufe alles. Ich hoffe auf einen Crash in einem Ausmaß, sodass er mir helfen würde. Doch seit wann kommt ein Crash, wenn man ihn braucht? Am Ende hat Christian Nuschele über 920.000 Euro. Ich bringe es auf nicht ganz 550.000 Euro. Platz 2. Ich ärgere mich trotzdem ein bisschen, weil ich meine eigene Börsenregel missachtet habe. Ich bin komplett ausgestiegen, privat mache ich das nie. Entsprechend sind mir die Kurse weggelaufen. Die Hausse hat mich bestraft.

Am Ende gibt es keine Verlierer

Dabei kennt unsere Spielrunde eigentlich gar keine Verlierer. Jeder von uns fünf hat sein Startgeld kräftig vermehrt. Das ist nicht der Stoff, aus dem Niederlagen sind.

Und es ist ein Stoff, aus dem prima Spiele sind: Wer analytisch an Aktien geht und Kennzahlen, Charts und Börsengeruch intensiv auswerten will, der wird das zwar hier nicht können. Auch die Umstände der Immobilienanlagen sind zu vage, um die Entscheidungen komplett durchdenken zu können.

Es geht aber um etwas ganz anderes, wie die beiden Macher erklären. Sie wollen ihr berufliches Netzwerk ausbauen, neue Kunden gewinnen und für Finanzbildung sorgen. Tatsächlich haben sie und ihre Kollegen beobachtet, dass ihre Kunden allein durch das Spiel entscheidungsfreudiger werden und ihr Gefühl für Finanzen deutlich verbessern. Dazu trügen nicht zuletzt die Testfragen bei, die schon für den einen oder anderen Aha-Effekt gesorgt haben. Stichworte: Zinseszinseffekt und Inflation. Hinzu kommt ein wirklicher Eindruck davon, welche Renditen mit Geldanlagen machbar sind. Denn alle unterstellten Aktienbewegungen haben mit tatsächlichen Szenarien zu tun. Bildungsauftrag erfüllt. Eins mit Sternchen.

Und ich? Ich bleibe natürlich investiert. Was denn sonst?

P.S.: Wer das Spiel spannend findet und sich um den Pfefferminzia-Cup bewerben will, findet das Anmeldeformular hier.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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