Der Wal ist ja immer ein schönes Beispiel dafür, dass man immer auch eine Alternative hat. Wenn ich selbst zu schwer werde, kann ich entweder abnehmen oder meinen Lebensraum verändern, damit ich nicht abnehmen muss.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung löst im Moment auch nicht so richtig die Probleme, die sie hat, sondern macht sich für den nichtrauchenden, hobbylosen, normalgewichtigen Akademiker hübsch. Dazu basteln die Gesellschaften immer mehr Bausteine an das Produkt, die in erster Linie den Akademikern helfen.
Denn das größte Problem, das Akademiker haben dürften, ist der Nachweis der BU im Leistungsfall. Körperliche Einschränkungen führen hier nicht so eindeutig zum Leistungsfall, wie das bei körperlich Tätigen wäre. Verliert der Akademiker mit 100 Prozent Bürotätigkeit beide Beine, wäre er berufsunfähig. Aber vermutlich nur, bis alles abgeheilt und die Reha abgeschlossen ist. Im Rollstuhl kann er schon wieder arbeiten.
Damit er nicht alle Formulare befüllen muss, die notwendig sind, um eine Leistung aus der BUV zu beantragen, gibt es eine Rollstuhl-Klausel, die in diesem Fall über den vereinfachten Nachweis leisten würde, dass ich eben einen Rollstuhl brauche. In die gleiche Kerbe schlägt auch die Krebs-Klausel oder sogar die AU-Klausel. Ich könnte in den meisten Fällen auch eine Berufsunfähigkeit nachweisen, aber es wäre viel komplizierter.
Da diese Klauseln alle prozentual zur Prämie der BU-Versicherung berechnet werden, sind sie auch noch sehr günstig für die Akademiker zu kaufen. Für Handwerker, die von diesen Klauseln weniger stark profitieren, sind sie wegen der hohen Grundprämie auch noch viel teurer.
Für alle, die weniger gebildet sind als Akademiker, körperlicher arbeiten, rauchen oder vielleicht sogar Vorerkrankungen haben, ist die BU-Versicherung nur schwierig erreichbar oder finanziell weniger sinnvoll. Deswegen läge hier auch großes vertriebliches Potential. Dazu müsste ich aber die tatsächlichen Probleme der Berufsunfähigkeitsversicherung lösen.
Zum einen ist das Leistungsversprechen der BU-Versicherung größer, als es der eigentliche Bedarf des Kunden ist. Nur die allerwenigsten Leistungsfälle dauern länger als vier Jahre. Normalerweise schult der Versicherte um, wenn er in seinem Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann.
Daraus folgt dann logischerweise, dass Leistungsfälle, die länger als vier Jahre andauern, höchstwahrscheinlich sogar erwerbsunfähig sind. Nicht alle, aber die meisten. Die BU-Versicherung ist also entweder in der Leistungsdauer oder im Leistungsumfang höher als der Bedarf.
Und zum anderen haben die Versicherten große Angst, im Leistungsfall übervorteilt zu werden, weil sie keine genaue Ahnung haben, wie sie Berufsunfähigkeit nachweisen müssen. Was auch verständlich ist.
Um die Berufe unterhalb der Akademiker abzusichern, braucht es also Produkte, die einen verstehbaren Auslöser haben, schnell und kurz leisten, aber im schlimmsten Fall auch länger leisten. Dann müssten sich auch nicht alle Versicherer um die Akademiker prügeln, sondern könnten neue Märkte erobern. Aber solange es noch läuft, ändert sich da wahrscheinlich nix.
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