HDI bAV-Expertenforum 2024

„Die Lebenserwartung wird nicht weiter steigen wie bisher“

Auf dem diesjährigen HDI bAV-Expertenforum gaben sich hochkarätige Redner die Klinke in die Hand. Pfefferminzia war dabei und hat die Veranstaltung für Sie zusammengefasst.
© HDI
Fabian von Löbbecke, HDI, mit Moderatorin Silke Leinweber.

Hochkarätige Gäste und interessante Inhalte erwarteten die Besucher beim diesjährigen HDI bAV-Expertenforum. Zum ersten Mal fand das Forum als hybride Veranstaltung statt, nachdem es die Jahre vor der Pandemie eine reine Präsenzveranstaltung war und in den vergangenen vier Jahren rein virtuell übertragen wurde. Veranstaltungsort war das „Wasserturm Hotel Cologne”. Pfefferminzia ist langjähriger Medienpartner der Veranstaltung und liefert Ihnen in dieser kleinen Bilderstrecke eine Zusammenfassung der Inhalte.

Nach der Begrüßung der Gäste hielt Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), den ersten Vortrag. In seiner gewohnt launigen Art berichtete er von der Arbeit seines Verbands in Brüssel, wo sich der BVK für die Interessen der deutschen Vermittlerinnen und Vermittlern einsetzt.

„Wer die Axt an den Berufsstand der Vermittler anlegt, legt die Axt an den Sozialstaat“, sagte Heinz in Bezug auf die Pläne mancher Parteien, den Vermittlern an die Provisionen gehen zu wollen. Vermittler hätten eine sozialpolitische Aufgabe. Eine betriebliche Altersversorgung ohne Vermittler an den Mann, die Frau oder den Unternehmer zu bringen, sei praktisch unmöglich.

Bestimmte Versicherungsprodukte könne man sicherlich ohne Beratung „aus dem Automaten ziehen“, so Heinz. Das Thema Altersvorsorge gehöre aber definitiv nicht dazu. Dort brauche es das Vertrauensverhältnis zwischen Vermittler und Kunde. Deshalb solle immer der Kunde entscheiden, wie er den Vermittler vergüten wolle.

„Seit 80 Jahren funktioniert unser Berufsstand gut. Wir brauchen diese Regulierungswut aus Brüssel nicht“, sagte Heinz weiter. Eine Verpflichtung zu 40 Stunden jährlicher Weiterbildungszeit lehnt der Verband aus diesem Grund ebenfalls ab. Ein grundsätzliches Problem sei, dass die Politiker in Berlin und Brüssel einfach zu wenig über den Berufsstand des Vermittlers wüssten. Weshalb Heinz jedes Jahr in der politischen Sommerpause Abgeordnete in BVK-Vermittlerbetriebe mitnimmt, um ihnen zu zeigen, wie die Arbeit tatsächlich funktioniert.

Dass das Provisionsverbot auf Europa-Ebene erst einmal vom Tisch ist, begrüßte Heinz. Allerdings sprach er „deutliche Verwerfungen im Vermittlermarkt an“. Bestimmte Player schössen immer wieder übers Ziel hinaus. Die Bafin habe einen sehr genauen Blick darauf. „Von höchster Stelle wurde mir gesagt: Ich guck mir das noch eine Weile hier in Deutschland an. Und dann entscheide ich“, so Heinz. Die Branche tue also gut daran, Exzesse zu vermeiden, so Heinz‘ Empfehlung.

Als nächstes übernahm Volker Ars, Leiter Recht und Grundsatzfragen HDI Pensionsmanagement, das Rednerpult und berichtete über Neuerungen und Herausforderungen im bAV-Arbeitsrecht.

Ars ging unter anderem auf eine geplante Änderung des Nachweisgesetzes ein. Das Gesetz gibt es bereits seit den neunziger Jahren und verpflichtet Arbeitgeber dazu, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden schriftlich festzuhalten, zu unterschreiben und den Beschäftigten auszuhändigen. Es bedarf also der Schriftform. „Bis 2022 war das Gesetz ein zahnloser Tiger, weil es keine Sanktionen gab, wenn der Arbeitgeber das nicht gemacht hat“, so Ars. 2022 kam die Verschärfung und es wurde eine Geldbuße von bis zu 2.000 Euro eingeführt.

Nun gebe es eine neue Gesetzgebungsinitiative des Bundesjustizministeriums, das vorschlägt, die Informationen über die wesentlichen Arbeitsbedingungen auch digital zur Verfügung zu stellen. „Es würde also künftig die Textform reichen“, so Ars. Und die Dokumente könnten per Email oder Download-Portal an den Beschäftigten übermittelt werden. „Das wäre eine erfreuliche Entwicklung“ so Ars.

Den zweiten Teil der Veranstaltung eröffnete nach der Mittagspause Fabian von Löbbecke (hier im Bild mit Moderatorin Silke Leinweber), im Vorstand der HDI Lebensversicherung verantwortlich für den Bereich Neugeschäft Leben und betriebliche Altersversorgung. Er sprach zum Thema „Vertriebliche bAV-Strategien in volatilen Zeiten: Zielgruppen fokussieren und Chancen nutzen“.

Er ging dabei unter anderem auf eine Umfrage von HDI unter Rentnern ein, die der Marktforscher Yougov jüngst durchgeführt hatte. Danach muss sich mehr als die Hälfte der deutschen Rentnerinnen und Rentner zwischen 63 und 70 Jahren im Alter deutlich einschränken. Sie können sich finanziell nicht leisten, was sie sich für den Ruhestand vorgenommen hatten: 38 Prozent können den gewohnten Lebensstandard überhaupt nicht mehr halten, 17 Prozent können das nur, wenn sie größere Abstriche in Kauf nehmen.

Entsprechend kritisch blicken die Befragten zurück: Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent würde im Nachhinein mehr privat vorsorgen, knapp ein Drittel (32 Prozent) sogar deutlich mehr. Dem „früheren Ich“ würden sie vor allem den frühzeitigen Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung, vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers sowie eine professionelle Beratung empfehlen.

Die Antwort von HDI darauf ist die fondsgebundene bAV. Dabei muss die Rentenphase per Gesetz sicher sein. Bei einer Rentenbezugsdauer von mehr als 20 Jahren ein bisschen zu langweilig, findet von Löbbecke. Beim Tarif Safe Invest für die Unterstützungskasse hat sich der Versicherer daher etwas einfallen lassen. Neben klassischen Auszahlvarianten gibt es noch zwei weitere. Erstens: Die Unterstützungskassenleistung, die frei wird, zahlt HDI auf Wunsch des Kunden erst ein Jahr später aus. Zweitens gibt es eine Ratenoption. Hierbei kann der Kunde entscheiden, ob er die Leistung in einem Zeitraum von einem bis zu zehn Jahre ausbezahlt haben will. „Bei der Ratenzahlung werden die nicht abgerufenen Raten weiter verzinst. Und mit der letzten Rate wird dann ein Zinsbonus ausgezahlt“, sagt von Löbbecke. Gleichzeitig habe man auch die freie Vererbbarkeit sichergestellt: „Ausstehende Raten können im Todesfall frei vererbt werden“, so von Löbbecke weiter.

Lars Dormann, Leiter Aktuariat Leben bei HDI Deutschland, bot interessante Einsichten bei seinem Vortrag: „Von A wie Arbitrage bis Z wie Zinszusatzreserve – ein Aktuar packt aus“ und ging dabei auf verschiedene Produkte von HDI Deutschland ein.

Aktuariell ging es auch beim Schlussvortrag des HDI bAV-Expertenforums weiter. Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm berichtete von der „Zukunft der Lebenserwartung: Ewiges Leben oder Ende der Fahnenstange?“.

Seit 180 Jahren steige die Lebenserwartung für Neugeborene um 2,5 Jahre pro Jahrzehnt, berichtete er. Allerdings spreche nichts dafür, dass es genauso linear weitergehe. Das liege etwa am Klimawandel, Feinstaub in der Luft und so weiter. Künftig werde die Lebenserwartung vor allem dadurch weiter steigen, dass man die Sterblichkeit von Senioren hinauszögere. Für jeden Kunden der anwesenden Vermittler steige durch den vorherigen Anstieg der Lebenserwartung trotzdem die Chance, über 100 Jahre alt zu werden. Daher sei eine lebenslange Rente so wichtig, betonte Ruß.

Der Versicherungsmathematiker ging dann auf die aktuelle Forschung zum Thema Alterung der Menschheit ein, und stellte interessante Projekte vor, die diese verhindern sollen. Dabei ging es etwa um Medikamente, die Alterungsprozesse verlangsamen sollen.

Für die Versicherer gehe es künftig daher stärker darum, wie sie das Langlebigkeitsrisiko behandeln wollen, erzählte Ruß weiter. Das hänge aber sehr stark von der individuellen Situation des Versicherers ab. Eines sei aber klar: Der Job des Vermittlers, den Menschen eine gute Altersvorsorge zu vermitteln, werde immer wichtiger.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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