Versorgungslücke von 700 Euro pro Monat

Bald-Rentner steuern auf große Lücken bei der Rente zu

Über die Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen werden ihren Lebensstandard mit ihren bisher erreichten Rentenanwartschaften nicht vollständig decken können. Das hat eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben. Auch private Versicherungen können die Lücke danach nicht komplett schließen helfen.
© Pixabay
Eine Rentnerin winkt Bekannten auf einer Fähre zu: Für viele Bald-Rentner könnte das Geld im Alter nicht reichen, um den bisherigen Lebensstandard zu finanzieren.

Bei 58 Prozent der Erwerbstätigen, die 55 bis 64 Jahre alt sind, würden die gesetzliche Rente und aufgebaute Anwartschaften aus Betriebsrenten nicht ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Im Schnitt läge die potenzielle Versorgungslücke bei 700 Euro im Monat, wenn die Betroffenen jetzt in Rente gingen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet.

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Private Versicherungen wie die Riester- und Rürup-Rente würden den Anteil der 55- bis 64-Jährigen mit einer potenziellen Versorgungslücke nur um rund 2 Prozentpunkte senken, so ein weiteres Ergebnis der Forscher. Und auch wenn sie zusätzlich ihr privates Vermögen einsetzten, könnten gut 40 Prozent ihren aktuellen Konsum nicht decken.

„Gut die Hälfte der Personen aus diesen rentennahen Jahrgängen müsste im Ruhestand ihren privaten Konsum einschränken, da ihre Rentenanwartschaften nicht ausreichen würden, den aktuellen Konsum zu finanzieren“, so Studienautor Markus M. Grabka.

Diejenigen ohne Zusatz-Vorsorge besonders betroffen

„Eine potenzielle Versorgungslücke haben vor allem diejenigen, die nur Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben: 69 Prozent wären nicht in der Lage, ihren aktuellen Konsum vollständig zu decken. Bestehen auch Ansprüche aus Betriebsrenten, so sinkt dieser Anteil auf 50 Prozent“, ergänzt Studienautorin Anita Tiefensee. Beamte und Beamtinnen seien nicht so sehr betroffen. Ihr Anteil liege bei weniger als einem Fünftel. „Das Versorgungsniveau der Pensionen ist überdurchschnittlich“, so Tiefensee.

Besteht eine potenzielle Versorgungslücke, liegt diese im Schnitt bei rund 44 Prozent oder 700 Euro im Monat. Private Versicherungen wie Lebens- und Rentenversicherungen können die Lücke immerhin auf rund 650 Euro im Monat senken. Aber: „Die untersuchten Jahrgänge haben häufig ihre Versicherungen noch zu Zeiten mit einer hohen Verzinsung abgeschlossen. Für die späteren Kohorten sind die Aussichten schlechter“, sagt Studienautor Timm Bönke.

Berechnet haben die Forscher auch, was herauskäme, wenn die untersuchten Jahrgänge nicht sofort in den Ruhestand gingen, sondern noch bis zum durchschnittlichen Rentenzugangsalter von 64 Jahren weiterarbeiten würden. Ergebnis: Der Anteil der Rentner mit einer potenziellen Versorgungslücke würde um 8 Prozentpunkte sinken. Statt 58 könnten nur noch 50 Prozent ihren Konsum nicht decken.

Im Ergebnis kommen die Studienautoren zu dem Schluss, dass „das System der Alterssicherung weiter reformiert werden müsste, damit mehr Menschen ihren Lebensstandard auch im Alter halten können.“

Riester-Zuschüsse in Zusatzrente umleiten

Dir Forscher schlagen vor, hier vor allem den Fokus auf die gesetzliche Rentenversicherung zu legen. Der Gesetzgeber solle vor allem über die „Aufweichung des strikten Äquivalenzprinzips“ nachdenken, womit die Höhe der Rentenleistungen nicht mehr eins zu eins an die Einzahlungsbeiträge gekoppelt wäre wie bisher. „Gerade Geringverdienenden sollten dann höhere Leistungen zugutekommen, während die Beitragsbemessungsgrenze für die oberen Einkommensgruppen aufgehoben werden sollte“, empfiehlt Studienautor Grabka.

Außerdem müssten bessere Anreize zur Bildung privaten Vermögens gesetzt werden, so die Studienautoren. Sie schlagen dabei die „Umleitung der staatlichen Zuschüsse für Riester-Renten in Richtung einer kapitalgedeckten Zusatzrente nach dem schwedischen Fondsmodell“ vor.

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