In seinem Buch „Fit mit Zucker“ beschreibt der Biologe Johannes F. Coy, was Zucker wie etwa Glukose und Fruktose mit Formaldehyd gemeinsam haben. Formaldehyd enthält in der Molekülstruktur eine Aldehydkette. Diese kann mit menschlichem Eiweiß reagieren und diese dadurch zerstören.
Auch bestimmte Zucker weisen eine entsprechende Struktur auf. Glukose reagiert hier zwar aufgrund der Ringstruktur bedeutend geringer, jedoch kann diese Struktur immer wieder einmal aufbrechen.
Wenn Eiweiße verkleben
Wenn Zucker mit Eiweiß reagiert, spricht man von Glykierung. Das kann auch bei menschlichen Proteinen passieren. Die Eiweiße verkleben und werden damit funktionsunfähig. Je mehr entsprechende Zuckerarten konsumiert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verklebungen kommt. Die dabei entstehenden Stoffe nennt man Advanced Glycation Endproducts – kurz AGEs.
Biochemisch gesehen wird hier von der Maillard-Reaktion gesprochen. Die kennen auch Köche. Man nutzt das beispielsweise beim Braten. Wird der Braten im Ofen regelmäßig mit einer süßen, also zuckerhaltigen Soße übergossen, so reagiert das Fleisch (Eiweiß) mit dem Zucker. Der Braten färbt sich braun, wird knusprig, Röstaromen entstehen. Das ist lecker und optisch ansprechend beim Braten – aber ungünstig, wenn das im menschlichen Körper passiert.
AGEs und Zivilisationskrankheiten
Die AGEs sind an der Entwicklung verschiedener chronischer Entzündungsgeschehen beteiligt wie Diabetes Typ I und Typ II, Gefäßerkrankungen wie Atherosklerose und Arthritis. Grundsätzlich stehen sie im Verdacht, bei der Entstehung von Krankheiten beteiligt zu sein, die durch chronische Entzündungsprozesse hervorgerufen werden.
Die Zuckerendprodukte können sich im Gewebe ablagern und dort die Alterung von Organen und Gelenken beschleunigen. Kollagen und Knorpel verlieren ihre Elastizität, werden hart und spröde, was unter anderem zu einer beschleunigten Hautalterung führen kann. Auch die, gerade von Frauen, so gefürchtete Orangenhaut wird ebenfalls durch diese Prozesse gefördert. Viele Männer kennen diesen Effekt jedoch auch. Vor allem, wenn sie übergewichtig waren und anschließend wieder abnehmen.
AGEs und Autoimmunerkrankungen
Bestimmte Immunzellen werden durch Bindung der AGEs an Rezeptoren (RAGE) angeregt, pro-entzündliche Zytokine auszuschütten. Dazu gehören beispielsweise Interleukin-1, Interleukin-6, Tumornekrosefaktor (TNF). Diese Stoffe nutzt das Immunsystem bei der Abwehr von Erregern. Im Zusammenhang mit AGEs werden diese pro-entzündlichen Stoffe jedoch aktiv, obwohl gar keine Erreger abzuwehren sind. Im Laufe der Zeit entstehen so stille Entzündungen, welche den Körper und das Immunsystem durchgehend belasten.
Durch die Glykierung kann auch das Myelin der Nervenzellen angegriffen werden. Das ist die fetthaltige Isolierschicht, die dafür sorgt, dass die Nervenreize korrekt von Zelle zu Zelle übertragen werden können. Das ist vergleichbar mit einem Elektrokabel. Ist hier die Isolierschicht beschädigt, kann es zu einem Kurzschluss kommen. Wird diese Myelin-Schicht zu stark beschädigt, können Neuropathien entstehen, wie beispielsweise Multiple Sklerose. Hier gibt es auch Zusammenhänge mit Diabetes und Alzheimer.
AGEs kommen auch in Lebensmitteln vor
Die Zuckerendprodukte werden jedoch nicht nur durch den Körper selbst gebildet. Wir nehmen diese auch mit Lebensmitteln zu uns. Je stärker industriell verarbeitet ein Produkt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit AGEs belastet ist. Wenn Lebensmittel ihre braune oder dunkle Farbe durch Erhitzen erhalten, Zucker und Eiweiß enthalten, können diese Stoffe entstehen.
In seinem Buch „Heilen mit der Kraft der Natur“ erläutert Professor Andreas Michalsen, dass diese industriell erzeugten AGEs so komplex seien, dass sie der Körper nicht mehr mit den üblichen Reinigungsmechanismen entsorgen könne. Weiterhin wird eine Studie einer japanischen Arbeitsgruppe erwähnt, welche den Hinweis gibt, dass AGEs beim Fasten mit dem Urin ausgeschieden werden können. Abschließend erforscht sei dieses Thema jedoch noch nicht.
Es geht um mehr, als nur um Gewichtsmanagement
Insgesamt bedeuten AGEs eine beschleunigte Alterung der Zellen mit allen damit unerwünschten Effekten. Beim Thema „reduzierter Zuckerkonsum“ geht es also nicht nur um Gewichtsmanagement oder Karies. Es geht primär um Gesundheit. Viele Ausdauersportler konsumieren einen hohen Anteil an Kohlenhydraten, welche Zucker enthalten, die an der Entstehung von AGEs beteiligt sind. Selbst wenn Sportler bei hohem Zuckerkonsum nicht an Gewicht zulegen, weil sie auch sehr viel Zucker verbrennen, riskieren sie dennoch, deutlich mehr AGEs im Körper zu produzieren.
Normalerweise dauert die Entstehung von AGEs eine längere Zeit. Bei erhöhter Temperatur (Kochen, Braten, Grillen) oder bei erhöhtem Zuckerkonsum in Verbindung mit oxidativem Stress, kann das innerhalb von Stunden gehen. Der oxidative Stress entsteht zum Beispiel auch beim Sport. Übertreibt man es nicht, ist dies förderlich für den Körper und das Immunsystem.
In Kombination mit einem hohen Zuckerangebot fördert dieser oxidative Stress jedoch die Entstehung der AGEs. Ein weiterer Grund, weshalb der Autor zwar gerne Sport macht, dabei aber möglichst auf seinen Fettstoffwechsel als Energiequelle zurückgreift. Das kann man trainieren. Damit müssen auch bei längeren Einheiten kein Zucker oder sonstige schnelle Kohlenhydrate „nachgeladen“ werden. Auch Pasta-Partys sind unnötig. Seine bisher längste nüchtern gelaufene Distanz am Stück waren 30 Kilometer. Dabei hatte er nur Wasser. Das klappt jedoch nur, wenn man im aeroben Pulsbereich bleibt.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.