Milch gehört noch gar nicht so lange zur menschlichen Ernährung dazu. Zumindest für die Kuhmilch gilt das. Schafs- und Ziegenmilch haben unsere Vorfahren schon vor vielen tausend Jahren getrunken. Vermutlich begann dies, als die Menschen vor rund 12.000 Jahren in einigen Regionen der Welt sesshaft wurden, die Landwirtschaft und die Viehzucht entwickelten. In Europa etablierte sich das alles viel später. Erst im Mittelalter wurde Kuhmilch hier relevant. So gesehen ist Kuhmilch für unseren Körper noch ein relativ neues und ungewohntes Nahrungsmittel. Kommen daher vielleicht die Verdauungsprobleme bis hin zu Allergien, mit denen manche Menschen auf Kuhmilch reagieren?
Betrachten wir zunächst einmal den Klassiker der Milchunverträglichkeiten – die Laktoseintoleranz. Milch enthält Milchzucker, die Laktose. Damit wir diesen Zucker aufspalten können, benötigen wir das Enzym Laktase. Kinder verfügen weltweit über dieses Enzym, da auch die Muttermilch Laktose enthält und sonst nicht vom Säugling verdaut werden könnte. Je älter wir werden, desto mehr kann der Spiegel dieses Enzyms im Körper zurückgehen. Damit wird die Milch für einen erwachsenen Menschen nicht gleich giftig. Er kann lediglich den Milchzucker immer schlechter aufspalten.
Über diesen freuen sich dann bestimmte Darmbakterien, die sich für die Fütterung mit reichlich Darmwinden bedanken. Die Folgen sind Magengrummeln und Blähungen. In Deutschland sind etwa 15 Prozent der Erwachsenen davon betroffen, während die meisten anderen bis ins höhere Alter Milch zumindest in bestimmten Mengen sehr gut vertragen. Je nördlicher wir nach Europa kommen und je länger die Vorfahren eines Nordeuropäers dort gelebt haben, desto besser wird Kuhmilch vertragen.
In einigen Regionen der Welt kommen jedoch Erwachsene ganzer Volksgruppen damit nicht gut zurecht. Beispielsweise in Asien, bis auf die Mongolen. Das hatte übrigens auch geschichtliche Relevanz. Die Mongolen konnten nur deshalb so weit bis nach Europa vordringen, da sie nicht auf Nahrungsnachschub aus dem Hinterland angewiesen waren. Sie hatten ihre Nahrung mit dabei. Das Fleisch ihrer Pferde und die Milch der Stuten, auf denen sie ritten. An der Laktoseintoleranz kann es also zumindest im nördlichen Europa nicht liegen, das Milch so viel Kritik erfährt.
Das wichtigste Pro-Argument der Milchwirtschaft für den regelmäßigen Konsum des weißen Eutersafts ist, dass hier reichlich Calcium enthalten sei. Das ist schließlich wichtig für unsere Knochen und bietet damit einen guten Schutz vor Osteoporose. Vollmilch liefert etwa 120 Milligramm Calcium pro 100 Milliliter. Das ist zwar relativ viel, jedoch haben Kichererbsen mit rund 124 Milligramm mehr zu bieten. Auch Gemüse wie Brokkoli (108 Milligramm) und Spinat (121 Milligramm) müssen sich hier nicht verstecken. Wobei die Bioverfügbarkeit bei Spinat und einigen anderen Gemüsen, mit hohen Oxalsäureanteil, eher schlecht ist. Anders bei den Kohlarten. Den Calcium-Turbo schaltet der heimische Grünkohl ein. Er liefert satte 196 Milligramm Calcium pro 100 Gramm. Wann haben Sie das letzte Mal in der Werbung gehört „Der Grünkohl macht‘s“? Verdient hätte er es.
In seinem Buch „Heilen mit der Kraft der Natur“ schreibt Professor Andreas Michalsen sogar, dass Milch unterm Strich eine negative Calcium-Bilanz habe. Der Grund dafür sei, dass die Säure, die bei der Verstoffwechselung von Milch im Körper entstehe, mehr körperliches Puffer-Calcium zum Ausgleich verbrauche, als die Milch liefere. Milch böte damit keinen Osteoporose-Schutz, sondern würde bei erhöhtem Konsum das menschliche Säure-Puffer-System negativ belasten. Um den Säure-Basen-Haushalt wieder herstellen zu können, greife der Körper zur Not auf seine größten Calciumspeicher zurück. Und der befindet sich eben genau in den Knochen, die das Calcium der Milch eigentlich schützen soll. Milch als Calciumquelle kann also nicht das Hauptargument für hohen Milchkonsum sein.
Hinzu kommt, dass Calcium nur dann gut in die Knochen eingebaut werden kann, wenn wir unter anderem mit ausreichend Vitamin D und K2 versorgt sind. Gerade in den Monaten Oktober bis mindestens April ist die Vitamin-D-Versorgung in Europa bei vielen Menschen zu niedrig, sofern nicht supplementiert wird.
Wer Anti-Koagulanzen, sogenannte Blutverdünner, nimmt, kann mit der Zeit an einem Vitamin-K-Mangel leiden. Denn Vitamin-K-Antagonisten, wie beispielsweise Warfarin, setzen genau hier an: Sie verringern den Vitamin-K-Status, da dieses Vitamin auch an der Blutgerinnung beteiligt ist. Ist der Calcium-Spiegel hoch, die Vitamin-K-Versorgung (speziell K2) jedoch zu gering, kommt das Calcium nicht in die Knochen, sondern erhöht den Blutspiegel. Liegen weitere Risikofaktoren vor, kann dies eine mögliche Atherosklerose verstärken.
Weiterhin liefert Milch wertvolles Eiweiß. Gerade dieses Eiweiß kann jedoch zu Problemen führen, die man nicht unbedingt gleich dem Milchgenuss zuordnen wird. Das primär in der Milch vorkommende Eiweiß ist Casein. Hier ist zu unterscheiden zwischen Alpha-1- und Alpha-2-Casein. Alpha 1 kommt primär in der Milch der buntgefleckten Kühe Holsteiner Art vor. Das ist die Kuh, die gerade in der Massentierhaltung häufig anzutreffen ist.
Alpha 2 findet sich in der Milch der bräunlichen Jersey-Kuh und auch bei Schafen und Ziegen. Die braune Kuh sieht man häufig in südlicheren Ländern wie Italien und in den Bergen, da sie mit dem geringeren Sauerstoffanteil der Höhenluft besser zurechtkommt. Gut für alle, die Parmesankäse mögen. Der wird aus der Milch der braunen Kühe hergestellt. Alpha-1-Casein wird im Körper in Beta-Casomorphin umgewandelt. Dies hat eine morphinähnliche Wirkung.
Liegt ein Leaky Gut vor, können unverdaute Milcheiweiße in die Blutbahn geraten und dort das Immunsystem aktivieren. Dieses erkennt nun die fremden Eiweiße und bildet Antikörper. Problematisch wird es, wenn die Eiweiße, gegen die Antikörper gebildet wurden, eine ähnliche Struktur wie körpereigenes Gewebe haben. Beispielsweise jenes der Schilddrüse. Die Antikörper erkennen eine Ähnlichkeit, was dazu führen kann, dass das eigene Gewebe vom Immunsystem angegriffen wird. Eine Autoimmunerkrankung hat sich nun manifestiert. Dies wird beispielsweise bei der Hashimoto Thyreoiditis in Zusammenhang gebracht.
Bei der Milch ist zu unterscheiden zwischen der Laktoseintoleranz, also der eingangs beschriebenen Unverträglichkeit gegenüber dem Milchzucker, und der echten allergischen Reaktion gegen Milchweiß. Diese ist IgE vermittelt. Davon zu unterscheiden ist wiederum die IgG vermittelte Unverträglichkeit gegenüber dem Milchweiß. Während bei IgE die Symptome praktisch unmittelbar auftreten, können sie bei der Unverträglichkeit (IgG) erst Stunden, oder Tage später auftreten. Oftmals stellt man selbst dann keinen Bezug zum Milchkonsum mehr her.
Die IgG-Antikörper kommen vor allem beim Leaky Gut vor und können im ganzen Körper stille Entzündungen. befeuern. Im Falle einer IgE ausgelösten Allergie kann es zu Juckreiz, Ekzemen, Neurodermitis und Akne kommen. Im Bereich der Atmungsorgane können sich die Bronchien verengen, Asthma verstärkt werden, die Nase laufen, oder verstopfen.
Bei IgG bedingten Unverträglichkeiten, also den zeitlich verzögerten Reaktionen, können chronische Entzündungen an Gelenken, Nerven und Muskeln auftreten. Hinzu kommt ein möglicher Zusammenhang zum oben beschriebenen Hashimoto. Wer denkt schon bei entzündungsbedingten Gelenkschmerzen an den Milchkonsum von vor ein paar Tagen?
Wer auf Nummer sich gehen will, kann entsprechende Diagnostik betreiben. Die Laktoseintoleranz kann mit einem Wasserstoff-Atemtest nachgewiesen werden. Darüber hinaus gibt es auch Laktoseintoleranz-Gentests. Diese sind jedoch nur geeignet, um die angeborene Laktoseintoleranz festzustellen. Wie oben bereits erwähnt, bilden Kinder und junge Menschen noch ausreichend Laktase, um den Milchzucker aufspalten zu können. Erst wenn man älter wird, kann diese Produktion soweit zurückgehen, dass es zur Laktoseintoleranz kommen. In diesem Fällen nutzt der Gentest jedoch nichts.
Bei der IgE vermittelten Milcheiweißallergie kann getestet werden, auf welche Stoffe der Milch allergisch reagiert werden. Primär zu nennen sind hier Alpha-Lactalbumin, Beta-Lactoglubulin und Casein. Die folgende Tabelle hilft zu erkennen, was im Falle einer positiven Diagnostik noch vertragen werden kann, oder weggelassen werden muss.
| IgE Antikörper gegen Alpha-Lactalbumin | IgE Antikörper gegen Beta-Lactoglobulin | IgE-Antikörper gegen Casein | |
| Weglassen | Nicht erhitzte Milch | Jegliche Milch aller Säugetiere, egal ob erhitzt, oder nicht | Jegliche Milch aller Säugetiere |
| Vertragen werden eventuell | Erhitzte Milch, z.B. Kondensmilch, Alpha-Lactalbumin ist hitzeempfindlich | Pflanzliche Alternativen | Pflanzliche Alternativen |
Wichtig: Nur auf diese Thematik spezialisierte Ärzte und/oder Heilpraktiker sind in diesem Bereich erfahren und können Ihnen bei der Diagnostik, als auch bei einer eventuell anschließend notwendigen Ernährungsumstellung unterstützen.
Der Mensch muss nicht unbedingt Milch trinken, um mit ausreichend Eiweiß, geschweige denn Calcium versorgt zu sein. Wer weder an einer Laktoseintoleranz leidet, noch an der Milcheiweißallergie (IgE) und auch keinen löchrigen Darm hat, der kann jedoch weiterhin seinen Schuss Milch im Kaffee genießen.
Wer eine Unverträglichkeit hat, für den kann A2-Kuhmilch, Ziegen- oder Schafsmilch und entsprechende Milchprodukte daraus eine Alternative sein. Weiterhin stehen noch die pflanzlichen Milchalternativen wie Hafer- und Mandelmilch zur Verfügung.
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