Pfefferminzia: Wie stehen Sie konkret zum Provisionsdeckel?
Peter Schwark: Wir sind grundsätzlich gegen den Provisionsdeckel. Aber gleichzeitig kommen wir als professioneller Verband nicht umhin, uns auch um Gestaltungsfragen zu kümmern. Letztlich geht es darum, dass wir den Vermittlern auch künftig eine auskömmliche Provision gewähren wollen. Qualitätskriterien sind denkbar, aber nicht in dem Maß und in der bürokratischen Ausgestaltung, wie sie derzeit vorgesehen sind.
Wo hakt es dabei?
Grundsätzlich ist es positiv, dass jedes Unternehmen, bezogen auf seine Vertriebswege, eigene Qualitätskriterien festlegen kann. Aber dass das im Prinzip immer notwendig ist, um auch nur eine marktdurchschnittliche Provision zu zahlen, führt zu einer absolut überflüssigen Bürokratie. Hier liegt das Problem in der praktischen Ausgestaltung.
Ist die Branche ausreichend reguliert oder muss man nachjustieren, eventuell auch Dinge zurückdrehen?
Wir haben mittlerweile ein Stadium der Überregulierung erreicht. Die Regulierung ist zudem nicht überall konsistent. Nehmen Sie als Beispiel die Produktinformation: Wir haben auf der einen Seite die Regulierung zu PRIIPs-– Packaged Retail Investment and Insurance Products – aus Europa. Auf der anderen Seite haben wir Informationsblätter bei den Riester-Verträgen über eine Produktinformationsstelle – beide verfolgen unterschiedliche Ansätze. Wir sind auf Basis der gegenwärtigen Regulatorik noch nicht einmal in der Lage, geförderte und nicht-geförderte Produkte vernünftig zu vergleichen. Es ist notwendig, diese Informationsvorschriften auf das notwendige Maß zurückzuschneiden.
Hieße das eine Entscheidung zwischen „Berliner“ Variante und „Brüsseler“ Variante?
Man sollte das Beste aus beiden Welten vereinen. Ein Beispiel: PRIIPs sieht vor, dass man die realistischen Kosten nimmt. Die Produktinformationsstelle Altersvorsorge fordert dagegen, dass auch fiktive Kosten angesetzt werden müssen, also das, was theoretisch an Kosten maximal anfallen kann. Beide Ansätze sind an der Stelle nicht konsistent. Man sollte die tatsächlichen Kosten verwenden. Das ist eine vermittelnde Lösung.
Was sollte man konzeptionell an der Riester- Rente ändern, damit sich die Verbreitung erhöht?
Wir haben seit 2001 insgesamt 16 Millionen Riester-Verträge und 8 Millionen zusätzliche Verträge in der Entgeltumwandlung gewonnen. Daher können wir mit der Verbreitung der privaten Altersvorsorge insgesamt zufrieden sein. Wir sind aber unzufrieden damit, dass die Zahl der Riester-Verträge jetzt stagniert. Das Verfahren ist überbürokratisiert. Wir haben ein Problem, was die Zulagenstelle anbetrifft: Dort wird erst ausgezahlt und dann geprüft – allein im Jahr 2017 hatten wir ungefähr 800.000 Rückforderungen von Zulagen. Das verärgert Kunden und Vermittler und verbrennt Geld. Unser Vorschlag: erst prüfen, dann auszahlen und gleichzeitig die Hauptursachen für Rückforderungen bekämpfen. Das ist zum Beispiel der förderberechtigte Personenkreis. Warum sagen wir demjenigen, der sich selbstständig macht, sein Vertrag kann nicht weiter gefördert werden? Das muss man jetzt endlich ändern.
Warum verstehen viele Menschen die Förderung nicht?
Die Förderung ist zwar sehr attraktiv, aber nicht unmittelbar eingängig. Wir haben folgende Idee entwickelt: Warum führt der Gesetzgeber nicht eine Form der Mindestförderung ein? Gegenwärtig kommt im Durchschnitt ein Drittel des Gesamtbeitrags auf den Riester-Vertrag aus der Förderung. Warum können wir dem Kunden nicht garantieren: Für jeden Euro, den du einzahlst, kriegst du diese 50 Prozent vom Staat on top? Das versteht jeder und die Attraktivität ist unbestreitbar. Dann würden wir richtigen Rückenwind in diesem Geschäft bekommen.
Was halten Sie von einer Art Verpflichtung zur Altersvorsorge mit Opt-out-Modell?
Die meisten Kunden haben schon Vorsorge-Entscheidungen getroffen. Analysen zeigen, dass es in 80 Prozent der Haushalte Formen zusätzlicher Vorsorge gibt. Mit einem Obligatorium zu kommen, macht die Welt nur komplizierter. Das ist nicht zielführend. Wer kein Geld hat, wird rausoptieren, wie 82 Prozent der Minijobber aus der Rentenversicherungspflicht. Wir müssen mit Anreizen und an der Attraktivität arbeiten. Und wir brauchen die Vermittler, damit sie die Kunden identifizieren und motivieren, die noch nicht vorgesorgt haben – auch diejenigen, die erst ins Berufsleben eintreten. Da gibt es viele Anknüpfungspunkte in der Praxis – sei es im Gespräch über Berufsunfähigkeit, über die Hausrat- oder Kfz-Police. Diese Menschen müssen wir gewinnen.