Die Finanzaufsicht Bafin hat den Altersvorsorgemarkt gehörig aufgerüttelt. Das verdeutlicht Versicherungsaufseherin Julia Wiens in einer Rede auf dem Versicherungsrechtlichen Jour Fixe an der Universität Köln.
Wörtlich sagt sie: „Wir haben bereits einiges erreicht. Einige Produkte wurden vom Markt genommen. Weil sie keinen angemessenen Kundennutzen boten.“ In anderen Fällen hätten Anbieter die Kosten im Bestand gesenkt und sogar rückwirkend ausgeglichen.
Auf dem Gebiet der fondsgebundenen Rentenversicherungen (Fondspolicen) gegen laufenden Beitrag beobachtet die Bafin, dass die Effektivkosten deutlich gesunken seien. Namen von Anbietern nennt Wiens (wie üblich) nicht.
Vor allem im teuersten Viertel des Angebots und im Median seien die Kosten zurückgegangen, so die Bafin-Frau weiter. Zum Teil ging es um 40 Basispunkte, also 0,4 Prozentpunkte im Jahr hinab. Das ist zweifellos einiges.
Um mehr Gefühl für die Maßstäbe zu vermitteln, nennt sie eine weitere Zahl: „Für das teuerste Viertel der Branche lagen die Effektivkosten bei einem Eintrittsalter von 37 Jahren und einer Ansparphase von 30 Jahren bei 1,9 Prozent oder mehr.“
Außerdem habe die Bafin bei Anbietern abgefragt, wie hoch die Effektivkosten seien, nachdem erst die Hälfte der Ansparphase abgelaufen ist. „Dort ergaben sich deutlich höhere Werte“, sagt Wiens und kündigt zugleich an: „Wir werden hier weiter dranbleiben. Sie können sich darauf verlassen: Wir werden uns auch künftig mit den Kosten kapitalbildender Lebensversicherungen befassen.“
Hintergrund ist der Umstand, dass die Bafin seit einigen Jahren beobachtet, welchen Nutzen kapitalbildende Lebensversicherungen den Kunden bringen. Dazu hat sie 2023 ein Merkblatt zu wohlverhaltensaufsichtlichen Aspekten veröffentlicht (mehr dazu hier).
Seitdem überwacht die Bafin insbesondere die Kosten solcher Produkte. Und weil ein beträchtlicher Teil der Kunden Verträge vorzeitig kündigt, spielen auch die bis dahin aufgelaufenen Kostenquoten eine Rolle.
Immer wieder und auch in diesem Vortrag erwähnt Julia Wiens, dass manche Produkte unter solchen Umständen auf Effektivkosten von über 4 Prozent pro Jahr kommen. Dann fragt sie: „Würden Sie Ihrer Familie oder in Ihrem Freundeskreis so ein Produkt empfehlen?“ Die Antwort dürfte klar sein.
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