Beratung, Verbände-Freundschaft und Trompeten

34 Jahre AfW: Die wichtigsten Botschaften des Jubiläumsabends

Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW hat in Berlin seinen 34. Geburtstag gefeiert. Dabei ging es auch um Verbandsarbeit und Themen wie die Beratung der Zukunft.
Einige Eindrücke des 34-Jahr-Feier des AfW.
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Einige Eindrücke des 34-Jahr-Feier des AfW.

Am 18. Juni feierte der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sein 34-jähriges Bestehen. Im traditionsreiche Kultkino „Colosseum“ in Berlin-Prenzlauer Berg kam die Branche zusammen und lauschte Vorträgen, netzwerkte und feierte zusammen. Wir zeigen Ihnen ein paar Eindrücke des Events.

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Die AfW-Vorstände Frank Rottenbacher, Franziska Geusen und Norman Wirth (v.l.) eröffnen die Veranstaltung.

Das Motto der Veranstaltung lautete „Wir feiern das Heute. Und gestalten das Morgen“. Es war ein Rücklick auf die Verbandsarbeit im Sinne der Versicherungsvermittler und eine Einladung, aktiv Teil der Zukunft zu sein. „Paragraf 34 Gewerbeordnung prägt unsere Branche wie kein anderer Paragraf. Für uns ist die 34 deshalb mehr als eine Zahl – sie ist Identität“, sagt AfW-Vorständin Franziska Geusen. „Dieses Jubiläum gehört allen, die unabhängige Beratung möglich machen. Und genau das wollen wir gemeinsam feiern.“

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Der Kino-Saal war gut gefüllt. Das Publikum schön durchmischt. Es waren Vermittlerinnen und Vermittler dabei, Vertreter von Verbänden, Maklerpools und Versicherern und Fachpresse.

Vor Ort hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eigene Statements zur Zukunft der unabhängigen Beratung abzugeben und professionell aufnehmen zu lassen. Diese Botschaften aus der Branche für die Branche soll das Image verbessern und die Bedeutung der unabhängigen Beratung verdeutlichen.

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Gründer und Ehrenpräsident des AfW, Jens Wüstenbecker, war auch vor Ort und blickte auf 34 Jahre wichtiger Verbandsarbeit zurück.

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Zeit zum Netzwerken gab es zum Beispiel in den Pausen. Hier spricht Versicherungsmakler Bastian Kunkel (links, Versicherungen mit Kopf) mit einem Gast.

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Eine Diskussionsrunde drehte sich um das Thema „Beratung der Zukunft“. Darüber sprachen (v.l.) Finanzexperte Andreas Beys (Sauren), Versicherungsmaklerin Fiona Jasmut (Kassenkompass), Franziska Geusen (AfW), Maklerin Doreen Gossert (Finas) und Digitalexperte Robin Kiera (Digitalscouting).

Wo erreicht man junge Menschen, bevor das Bewusstsein für Finanzthemen überhaupt entsteht? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Diskussionsrunde. Der AfW hatte dazu Stimmen von 20- bis 25-Jährigen zum Thema Beratung und Vorsorge eingefangen, die für eine eher nüchterne Bestandsaufnahme sorgten: Die meisten informieren sich online oder fragen ihre Eltern – professionelle Beraterinnen und Berater spielen dabei kaum eine Rolle.

Für Digitalexperte Robin Kiera liegt das Problem auf der Hand: „Man muss dahin gehen, wo die Leute auch sind.“ Sein Rat: Sichtbarkeit durch authentische Inhalte auf den Plattformen, auf denen die Zielgruppe tatsächlich aktiv ist (Tiktok & Co.) – und dabei ruhig mit Humor arbeiten.

Dass digitale Präsenz und niedrigschwelliger Mehrwert funktionieren, zeigt die Erfahrung von Fiona Jasmut mit Kassenkompass. Wer kostenlose Inhalte und echten Nutzen anbiete, gewinne zunächst Vertrauen – und daraus entstehe langfristig auch die Bereitschaft für kostenpflichtige Beratung. Dass dabei die Grundlagen stimmen müssen, betont sie ebenfalls: „Get the basics right“ – von der pünktlichen Terminbestätigung bis hin zur passenden Ansprache.

Maklerin Doreen Gossert plädiert dafür, die gute tägliche Arbeit sichtbar zu machen: „Meine Oma hat immer früher gesagt: Tu Gutes und rede drüber. Weil sonst weiß ja keiner, was du machst.“ Gleichzeitig müsse die Branche von der Produktsprache wegkommen: „Kein Mensch weiß, was ein Betriebsbrems- und Bruchschaden ist oder was eine BU ist.“

Andreas Beys ergänzte die strukturelle Dimension: Der Nachwuchsmangel – die Branche liegt im Durchschnitt bei 55 Jahren – sei „mit Abstand das größte Problem“. Wer keine jüngeren Kollegen einbinde, könne auch junge Kunden nicht authentisch erreichen. Künstliche Intelligenz (KI) werde dabei als Konkurrent unterschätzt: „Je mehr du damit arbeitest, desto eher entsteht auch da ein Vertrauensverhältnis“ – und das werde sich in zehn Jahren noch deutlich verstärken.

Die abschließenden Empfehlungen der Runde fallen knapp, aber prägnant aus: Robin Kiera rät dazu, einen Tiktok-Kanal zu starten. Am besten gestern. Andreas Beys setzt auf die Zusammenarbeit mit den richtigen Menschen. Fiona Jasmut empfiehlt, viel auszuprobieren. Und Doreen Gossert bringt es auf eine menschliche Formel: „Wir müssen einfach so sein, wie die uns auch wollen.“

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AfW-Vorstand Frank Rottenbacher hat Spaß mit den Gästen, war dann aber auch mit der Moderation einer spannenden Runde dran.

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Hier saßen die Vertreter mehrerer Verbände nebeneinander (v.l.): Frank Rottenbacher (AfW Bundesverband Finanzdienstleistung), Helge Lach (Bundesverband Deutscher Vermögensberater, BDV), Julie Schellack (Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler, BDVM), Martin Klein (Votum Verband unabhängiger Finanzdienstleister), Kai Schulze (BVI Bundesverband Investment und Asset Management) und Norman Wirth (AfW).

Dass die deutschen Vermittlerverbände häufiger an einem Strang ziehen, als es nach außen sichtbar wird, machte Norman Wirth gleich zu Beginn deutlich: „Wir arbeiten viel mehr zusammen, als das nach außen sichtbar ist.“ Ob beim Geldwäschegesetz, bei der DIN-Norm für Finanzberatung oder in der europäischen Interessenvertretung – hinter den Kulissen funktioniert die Abstimmung zwischen den Verbänden besser als ihr Ruf. Einigkeit besteht vor allem dort, wo politischer Druck droht: beim Thema Provisionsverbot, Altersvorsorge und dem Stellenwert der Beratung insgesamt.

Genau dieser Stellenwert steht aktuell unter Beschuss. Julie Schellack beschrieb den schleichenden Bedeutungsverlust in der Wahrnehmung der Politik: „Wir merken, dass die digitale Abschlussstrecke das Mittel der Wahl ist.“ Sie kritisierte, dass das Altersvorsorgereformgesetz beispielsweise für das Altersvorsorgedepot gar keine Beratungspflicht vorsieht.

Martin Klein verwies auf praktische Tücken, die Neobroker beim Altersvorsorgedepot unterschätzen dürften – und nannte als Beispiel den Versorgungsausgleich bei Scheidung: „Die kriegen einen Kunden, der schließt einen Vertrag ab, macht da seine 150 Euro im Monat – und nach fünf Jahren Ansparphase lässt er sich scheiden. Jetzt muss ein Versorgungsausgleich gemacht werden.“ Das Produkt müsse in zwei Verträge zerlegt werden, zum Beispiel 40 zu 60 Prozent. Eine zweite Policierung brauche es auch. Und Klein weiter: „Teile mir, lieber Neobroker, jetzt bitte auch die Zulage entsprechend auf – und zwar rückwirkend und nach vorne gerichtet. Viel Spaß.“

Kai Schulze vom BVI versuchte, das Bild zu differenzieren: „Wir sind weg von der 100-Prozent-Garantie – das war für die Verbraucherschützer immer das schöne Argument, die Kosten als zu hoch darzustellen. Da steuert man jetzt in die Richtung.“ Das Altersvorsorgedepot biete Beratern eine große Chance: „Jetzt gibt es wieder einen Anlass – man kann auf die Kundinnen und Kunden zugehen und das erklären.“

Helge Lach rief derweil in Erinnerung, wie wenig zu den Formalitäten des Altersvorsorgedepots eigentlich schon bekannt ist. Es müssten Vergütungsfragen, Zulagenanschluss und Ausführungsbestimmungen verbindlich geklärt sein. „Wir haben noch keine Ausführungsbestimmungen zum Gesetz. Viele Fragen kann die Politik überhaupt noch nicht beantworten.“

Beim Blick auf die Regulatorik der nächsten Jahre zeigte sich die Runde einig in einem Punkt: Der stärkste Treiber kommt nicht aus Brüssel, sondern aus der Technologie. Klein sah in KI und Digitalisierung den „stärkeren Veränderungstreiber als die Regulatorik“ – und Schulze ergänzte, dass die Fondsbranche sich bereits frage, wo künftig noch Geld zu verdienen sei, wenn ETF-Kosten gegen null tendierten: „Die Produkte werden kommen, die einen Mehrwert bieten – und das ist auch die Chance, in dieser Welt irgendwie stattzufinden.“

Wirth warnte, dass KI-Anbieter aus dem amerikanischen Raum schon heute Produktempfehlungen geben, ohne regulatorische Anforderungen erfüllen zu müssen: „Es kann nicht sein, dass für den einen Zulässigkeitsfragen eine Rolle spielen und für die anderen eben nicht.“ Lach rief die Anwesenden auf, die Chancen des neuen Altersvorsorge-Rahmens offensiv zu nutzen – auch weil die Politik in fünf Jahren genau hinschauen werde, ob die private Finanzwirtschaft das Thema in die Bevölkerung getragen hat: „Wenn die Politik dann feststellt, dass wir es nicht geschafft haben, dann wird sie mit staatlichen Lösungen kommen, mit Obligatorien, mit echten Staatsfonds. Das ist ganz sicher.“

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Nach dem Ende des formellen Programms folgte ein Foto der AfW-Vorstände mit dem Publikum.

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Dann konnte zum gemütlichen Teil übergegangen werden. Es gab leckeres Essen, feine Getränke, eine Tanzfläche – und Jazz-Musik. Dabei zeigte Martin Stenger von Franklin Templeton sein musikalisches Talent und begleitete die Musiker gekonnt mit seiner Trompete.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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