Dennis Wittkamp ist Fachkoordinator Schaden- und Unfallversicherungen bei der Ratingagentur Assekurata. © Assekurata
  • Von Lorenz Klein
  • 16.03.2020 um 12:29
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Die Wohngebäudeversicherer in Deutschland konnten im vergangenen Jahr endlich wieder einen kleinen Gewinn erzielen – doch viel mehr als eine kurze Atempause ist wohl nicht drin. „Aus unserer Sicht sind marktweit weitere Sanierungsbemühungen unausweichlich“, sagt Schaden- und Unfallexperte Dennis Wittkamp von der Ratingagentur Assekurata im Interview mit Pfefferminzia.

Pfefferminzia: Wie hat sich die Wohngebäudeversicherung im Jahr 2019 aus Sicht von Assekurata entwickelt – was läuft gut und wo stellen sich noch Herausforderungen für die Branche?

Dennis Wittkamp: Nach den aktuellen GDV-Hochrechnungen hat sich die Ergebnissituation in der Wohngebäudeversicherung 2019 leicht verbessert. Die von 104,2 Prozent auf 96 Prozent gefallene Combined Ratio zeigt einen kleinen Gewinn an. Hierbei profitierten die Versicherer schadenseitig von einer vergleichsweise moderaten Elementarschadenbelastung – die Leistungsausgaben gingen um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück – während im Gegenzug das Prämienaufkommen kräftig um 7,5 Prozent wuchs. Letzteres dürfte analog zu den vergangenen Jahren jedoch deutlich auf Beitragserhöhungen zurückzuführen sein.

Und wie verhält es sich mit den Herausforderungen für die Wohngebäudeversicherer?

Angesichts tendenziell eher zunehmender Elementarschadenereignisse und dem steigenden Anteil von Policen mit Elementarschadendeckung erwarten wir, dass die durchschnittliche Schadenbelastung aus Elementarereignissen in den kommenden Jahren weiter wächst. Zur bekannten Thematik der Leitungswasserschäden kommen steigende Handwerkerpreise hinzu, die bereits seit Jahren für eine dauerhaft hohe Schadenbelastung sorgen und zugleich die Schadenkosten von Jahr zu Jahr deutlich schneller anziehen lassen, als es durch die allgemeine Inflation zu erwarten wäre.

„Haus­eigentümer ärgern sich“, berichtete die Stiftung Warentest Ende 2018. „Viele werden gekündigt oder erhalten eine drastische Preis­erhöhung. Die Preise für Haus­versicherungen gehen durch die Decke. In zehn Jahren haben sie um rund die Hälfte zugelegt. Das geht durch die gesamte Branche, wie Zuschriften von Finanztest-Lesern zeigen“, heißt es. Wie kommentieren Sie dieses Stimmungsbild?

Aus unserer Sicht sind marktweit weitere Sanierungsbemühungen, also Prämienanhebungen, seitens der Versicherer unausweichlich, um eine nachhaltige Gesundung des Zweiges zu erreichen.

Auf Einzelunternehmensbasis war bereits in der Vergangenheit zu sehen, dass in der Wohngebäudeversicherung marktweit eine hohe Heterogenität hinsichtlich der Profitabilität besteht. Somit ist davon auszugehen, dass auch 2019 weiterhin ein signifikanter Anteil des Marktes Verluste in diesem Zweig geschrieben hat oder sich nur knapp oberhalb der Verlustzone bewegte. Weitere Prämienanhebungen sind somit unabdingbar.

Welche Chancen bieten sich in Zukunft für die Wohngebäudeversicherer, um konstant schwarzen Zahlen schreiben zu können?

Abhilfe auf der Schadenseite ist kurz- bis mittelfristig nicht in Sicht. Langfristig bietet die Digitalisierung und die stärkere Vernetzung von Gebäuden – Stichwort „Smart Home“ beziehungsweise „Domotics“ – hier Möglichkeiten. Hiermit dürften sich Schäden eher verhindern lassen und die Schadenhöhen durch schnelles Reagieren positiv beeinflussen. Im speziellen Fall der Leitungswasserschäden stehen insbesondere die Möglichkeiten neuer Techniken, wie beispielsweise smarte Wasseruhren, im Fokus. Bei einem Druckverlust, etwa durch Rohrbruch, lässt sich dadurch die Wasserzufuhr unterbrechen. Der Schaden kann damit verhindert oder zumindest deutlich verringern werden. Die flächendeckende Verbreitung dieser Systeme scheitert bislang allerdings an den hohen Kosten und der Frage, ob diese der Versicherer oder der Kunde tragen soll.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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