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Wie wirksam ist private Altersvorsorge? Versicherungsverband hält DIW-Kritik für „nicht haltbar“

Peter Schwark ist Mitglied der Geschäftsführung des Versicherungsverbandes GDV.
Peter Schwark ist Mitglied der Geschäftsführung des Versicherungsverbandes GDV. © GDV

Der Versicherungsverband GDV hat einer Kernaussage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) widersprochen, wonach private Altersvorsorge bei baldigen Rentnern kaum dazu beitrage, die Versorgungslücke zu schließen. Die Kritik sei „nicht haltbar“, heißt es aus Berlin. Zwar räumte der Verband ein, dass die Vorsorgeanstrengungen in vielen Fällen nicht ausreichten. Ein „Staatsfonds à la Schweden“ sei jedoch der falsche Weg.

| , aktualisiert am 18.09.2018 12:31  Drucken

Die brisanten Ergebnisse, die eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Wirksamkeit von privater Altersvorsorge ermittelte (wir berichteten), haben den Versicherungsverband GDV aufgerüttelt.

„Die Kritik an der Wirksamkeit der privaten Altersvorsorge ist nicht haltbar“, erklärte Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des GDV, in einer Stellungnahme, die Pfefferminzia vorliegt. Darin widersprach er dem Vorschlag der Studienautoren, die Riester-Förderung in Richtung eines „Staatsfonds à la Schweden“ umzuleiten. Zudem schlage „die Hauptschlussfolgerung der Studie“ fehl, so Schwark, dass eine Anhebung des Rentenniveaus das richtige Mittel sei.

Worum geht’s konkret?

Wie das DIW am Dienstag berichtete, seien 58 Prozent der Erwerbstätigen, die heute 55 bis 64 Jahre alt sind, nicht in der Lage, ihren Lebensstandard im Alter zu halten, wenn sie sich allein auf ihre Anwartschaften aus der gesetzlichen Rente oder Beamtenpensionen sowie der betrieblichen Altersversorgung verließen. Im Schnitt läge die potenzielle Versorgungslücke bei 700 Euro im Monat, wenn die Betroffenen jetzt in Rente gingen. Private Versicherungen, zu denen die DIW-Forscher auch Riester- und Rürup-Renten zählen, könne diese Lücke nur geringfügig von 58 auf 56 Prozent schmälern.

Wie reagiert der GDV auf die Ergebnisse?

Aus Sicht von GDV-Manager Peter Schwark greift die Kritik der Studienautoren zu kurz, wonach zwar Betriebsrenten durchaus einen „signifikant positiven Beitrag“ (Schwark) zur Absicherung des Lebensstandards im Alter leisteten, private Altersvorsorgeprodukte hingegen kaum. Diese Einschätzung sei nicht haltbar, hieß es.

Die Riester-Rente sei eingeführt worden, um die durch die Rentenreform entstandene Absenkung des Rentenniveaus zu kompensieren, so Schwark. Diese Aufgabe erfülle das Produkt, ergänzte der GDV-Mann, und verwies auf eine entsprechende Prognos-Studie aus 2016

Wo stimmen Versicherungswirtschaft und DIW überein?

Gleichwohl stimmte Schwark den DIW-Autoren in einigen Punkten zu. So hebe die Studie zu Recht hervor, dass die gesetzliche Rente allein nicht zur Absicherung des Lebensstandards im Alter ausreiche. Außerdem sei es richtig, dass die Vorsorgeanstrengungen in vielen Fälle nicht ausreichten. „Viele Menschen müssen mehr sparen oder Abstriche bei ihrem Konsumniveau machen“, forderte der GDV-Geschäftsführer.

Wie denkt der Verband über die Lösungsvorschläge des DIW?

Eher ablehnend. Die Hauptschlussfolgerung der Studie, das Rentenniveau anzuheben, sei falsch. „Dieses würde die Renten vor allem derjenigen erhöhen, die bereits ausreichend Rente bekommen“, sagt Schwark. Die tatsächlich Bedürftigen mit kleineren Renten würden hingegen nur „einen sehr kleinen Teil der dafür nötigen Finanzmittel bekommen“. Maßnahme allein zugunsten der Geringverdiener zu treffen, wäre demzufolge „zielgerechter und effizienter“.

Weiter spricht sich der Versicherungsverband dafür aus, die Teilnahmequoten an betrieblicher oder privater Vorsorge zu erhöhen. Unter anderem müsse dazu die Riester-Förderung an die seit 2001 gestiegenen Einkommensverhältnisse angepasst werden, so die Forderung.

Zudem macht der GDV klar, dass man eine mögliche Umleitung der Riester-Förderung in einen Staatsfonds nach schwedischem Vorbild ablehnt. „Zum einen wollen die Deutschen in der Regel nicht, dass ihre Altersvorsorge alleine am Aktienmarkt angelegt wird. Zum anderen wurde bislang immer abgelehnt, die private Vorsorge obligatorisch zu machen“, heißt es.

Der Riester-Markt biete dagegen heute unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse. Nur so habe man hierzulande eine Verbreitung von mehr als 40 Prozent erreichen können.

Dessen ungeachtet, erklärte ein Kommentar der Süddeutschen Zeitung die Riester-Rente anlässlich der DIW-Studie für „politisch gescheitert“. Denn das Vorsorgeprodukt habe es nicht vermocht, das sinkende Rentenniveau auszugleichen.

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