Versicherungsmakler und Biometrie-Experte Philip Wenzel. © privat
  • Von Philip Wenzel
  • 18.11.2020 um 12:47
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Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist heutzutage vor allem etwas für den nichtrauchenden, hobbylosen, normalgewichtigen Akademiker. Das ist zu wenig, findet Versicherungsmakler Philip Wenzel. Zwei Probleme müssten die Versicherer seiner Ansicht nach vor allem lösen, um das Produkt für eine größere Zielgruppe zugänglich zu machen.

Der Wal ist ja immer ein schönes Beispiel dafür, dass man immer auch eine Alternative hat. Wenn ich selbst zu schwer werde, kann ich entweder abnehmen oder meinen Lebensraum verändern, damit ich nicht abnehmen muss.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung löst im Moment auch nicht so richtig die Probleme, die sie hat, sondern macht sich für den nichtrauchenden, hobbylosen, normalgewichtigen Akademiker hübsch. Dazu basteln die Gesellschaften immer mehr Bausteine an das Produkt, die in erster Linie den Akademikern helfen.

Denn das größte Problem, das Akademiker haben dürften, ist der Nachweis der BU im Leistungsfall. Körperliche Einschränkungen führen hier nicht so eindeutig zum Leistungsfall, wie das bei körperlich Tätigen wäre. Verliert der Akademiker mit 100 Prozent Bürotätigkeit beide Beine, wäre er berufsunfähig. Aber vermutlich nur, bis alles abgeheilt und die Reha abgeschlossen ist. Im Rollstuhl kann er schon wieder arbeiten.

Damit er nicht alle Formulare befüllen muss, die notwendig sind, um eine Leistung aus der BUV zu beantragen, gibt es eine Rollstuhl-Klausel, die in diesem Fall über den vereinfachten Nachweis leisten würde, dass ich eben einen Rollstuhl brauche. In die gleiche Kerbe schlägt auch die Krebs-Klausel oder sogar die AU-Klausel. Ich könnte in den meisten Fällen auch eine Berufsunfähigkeit nachweisen, aber es wäre viel komplizierter.

Großes vertriebliches Potenzial

Da diese Klauseln alle prozentual zur Prämie der BU-Versicherung berechnet werden, sind sie auch noch sehr günstig für die Akademiker zu kaufen. Für Handwerker, die von diesen Klauseln weniger stark profitieren, sind sie wegen der hohen Grundprämie auch noch viel teurer.

Für alle, die weniger gebildet sind als Akademiker, körperlicher arbeiten, rauchen oder vielleicht sogar Vorerkrankungen haben, ist die BU-Versicherung nur schwierig erreichbar oder finanziell weniger sinnvoll. Deswegen läge hier auch großes vertriebliches Potential. Dazu müsste ich aber die tatsächlichen Probleme der Berufsunfähigkeitsversicherung lösen.

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Philip Wenzel

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und Experte für biometrische Risiken. Er ist außerdem als Autor tätig. Regelmäßige Blog-Beiträge finden Sie beispielsweise hier: https://bsc-gmbh.com/philipwenzel/ oder hier https://www.worksurance.de/.

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