Wegen des Niedrigzinsniveaus Ein Drittel der Mittelständler überlegt, die bAV einzustellen

Arbeiter in einer Fahrrad-Fabrik: Viele Mittelständler haben wegen des Nullzinses Probleme mit der bAV.
Arbeiter in einer Fahrrad-Fabrik: Viele Mittelständler haben wegen des Nullzinses Probleme mit der bAV. © Getty Images

Die anhaltende Zinsflaute zwingt Mittelständler dazu, ihr Betriebsrenten-Angebot zu überdenken. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson zeigt, dass über ein Drittel der Unternehmen dabei sogar überlegt, Versorgungswerke ganz zu schließen.

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Mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen überdenkt die strategische Ausrichtung ihrer Pensionswerke: Bei 47 Prozent steht die Veränderung der Pensionszusagen, bei 36 Prozent vielleicht sogar die Schließung der Versorgungswerke zur Diskussion. Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Towers Watson unter 147 mittelständischen Unternehmen zahlreicher Branchen.

„Die Niedrigzinsphase betrifft alle Mittelständler mit nennenswerten Pensionsverpflichtungen. Welche Folgen daraus für jedes einzelne Unternehmen entstehen, hängt maßgeblich von der Gestaltung der betrieblichen Altersvorsorge, bAV, ab. Sofern ein Pensionsplan zeitgemäß aufgebaut ist, geht von ihm aber keine Gefahr für das Unternehmen aus“, erklärt Heiko Gradehandt, Bereichsleiter Mittelstand bei Towers Watson. „Das muss betont werden, weil knapp ein Fünftel der Mittelständler darüber nachdenkt, die eigenen Pensionswerke zu schließen. Im Hinblick auf schrumpfende Rentenprognosen und die Bedeutung der bAV zur Mitarbeiterbindung wäre das ein dramatisches Signal“, so Gradehandt weiter.

Sein Rat: Unternehmen sollten regelmäßig analysieren, welche bilanziellen Auswirkungen sie durch ihre Pensionswerke erwarten. So würden Nachfinanzierungen vermieden, die schlimmstenfalls zu einer Überschuldung führen könnten.

Rücklagen für die bAV im Mittelstand nicht weit verbreitet

Gut die Hälfte der mittelständischen Unternehmen vertraut darauf, die Pensionszusagen aus dem laufenden Geschäft finanzieren zu können: 58 Prozent bilden keine Rücklagen zur Absicherung der Pensionsversprechen. Bei den 42 Prozent der Unternehmen, die Vermögen für die bAV reservieren, sind die Rücklagen jedoch meist gering: In etwa einem Drittel der Fälle liegen die reservierten Mittel unter 25 Prozent des Verpflichtungsvermögens, nicht einmal ein Viertel weist komfortable Deckungsquoten von über 75 Prozent auf. Zukünftig ziehen – wohl aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase – aber nur 20 Prozent der befragten Mittelständler in Erwägung, Rücklagen zu bilden.

„Insbesondere die Pensionsverpflichtungen von Unternehmen, die verkauft werden sollen, weil kein Nachfolger bereit steht, sollten eine Deckungsquote von 100 Prozent anstreben“, empfiehlt Gradehandt. Denn alles andere drückt den Verkaufspreis deutlich. Standard ist heute zudem, dass sich Unternehmen zur Einzahlung einer bestimmten Summe verpflichten. Anders noch bis Ende der 90er Jahre, als sich Pensionsversprechen auf die Auszahlung einer bestimmten Summe im Rentenalter bezogen haben.
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