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„Warum ist es nötig, mit Krankheit horrendes Geld zu verdienen?“ Krankenschwester appelliert an Gesundheitsminister Spahn

Streikende Pflegerinnen und Pfleger protestieren im September 2017 in Berlin vor der Charité. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Pfleger an der Charité zu einem mehrtägigen Streik auf. Die Gewerkschaft fordert Verbesserungen im Tarifvertrag für mehr Pflegepersonal.
Streikende Pflegerinnen und Pfleger protestieren im September 2017 in Berlin vor der Charité. Die Gewerkschaft Verdi ruft die Pfleger an der Charité zu einem mehrtägigen Streik auf. Die Gewerkschaft fordert Verbesserungen im Tarifvertrag für mehr Pflegepersonal. © dpa/picture alliance

In einem Willkommensgruß der etwas anderen Art hat eine Krankenschwester ihren Frust über das Gesundheitssystem an Neuminister Jens Spahn (CDU) ausgelassen: „Tausende meiner Kollegen und ich erwarten eine Umkehr in diesem System“, fordert sie in einem offen Brief an den Gesundheitsminister – darin fragt sie auch, warum es nötig sei, „mit Krankheit horrendes Geld zu verdienen“?

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Da hat sich einiges angestaut: Krankenschwester Jana Langer erlebt die Probleme im Gesundheitswesen täglich hautnah und nun hat sie in einem offenen Brief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das „menschenunwürdige System“ angeprangert.

Die Wortwahl der Autorin ist deftig, freundlichen Förmlichkeiten sind nicht ihre Sache: „Bevor mir der Kragen platzt, bekommt erst mal Herr Spahn einen Brief“, legt Langer gleich zu Beginn los – und weiter: „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Amt, in das Sie, wie auch immer, berufen wurden.“

Ihr Brief richtet sich einerseits gegen die tägliche Überforderung des Pflegepersonals in den Krankenhäusern, andererseits gegen die jüngsten Äußerungen Spahns wonach ein Leben mit Hartz IV nicht Armut bedeuten müsse.

„Nach Ihren Aussagen der letzten Wochen, denke ich, können Sie sich nicht hineinversetzen, was es bedeutet, qualifizierte pflegerische Leistungen zu erbringen, vor allem nicht zu den derzeitigen Bedingungen!“, schreibt sie und stellt dem Minister unbequeme Fragen: „Warum ist es nötig, mit Krankheit horrendes Geld zu verdienen? Warum werden die Privatisierungen immer mehr vorangetrieben? Nutznießer in diesem System sind Aktionäre und Einrichtungsleiter, weder Patienten noch Heimbewohner profitieren von dieser Politik.“

Seit Einführung der Fallpauschalen würden immer mehr Probleme auftreten

Deutschland sei, obwohl medizinisch gesehen „ganz vorne“, in der Versorgung der Kranken und alten Menschen „weit abgehängt von den restlichen Staaten um ums herum“, berichtet sie weiter.

Seit der Einführung der DRGs (Fallpauschalen in der stationären Versorgung) würden immer mehr Probleme auftreten, so sei vor allem die pflegerische Versorgung schlecht. Zudem richteten sich Behandlungen nicht mehr nach der jeweiligen Krankheit, sondern nach dem Geldbeutel, sprich dem Finanzbedarf der Einrichtung, so der Vorwurf.

„Dies alles geschieht nur, weil man nicht mutig genug ist, sich von einem System abzuwenden, das in anderen Ländern bereits nach kurzer Zeit abgeschafft wurde, da die Probleme schnell erkannt wurden“, berichtet Langer.

In den sozialen Medien wurde der emotionale Brief der Krankenschwester (hier im Wortlaut) bereits mehr als 25.000 Mal geteilt. Eine Antwort von Jens Spahn steht noch aus.

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