Walter Riester zur Riester-Kritik „Da kann ich zum Stier werden“

Der SPD-Politiker Walter Riester ist von der aktuellen Riester-Kritik genervt.
Der SPD-Politiker Walter Riester ist von der aktuellen Riester-Kritik genervt. © dpa/picture alliance

Die Kritik an der Riester-Rente reißt dieser Tage nicht ab. Verschiedene Politiker fordern die Abschaffung des staatlich geförderten Produkts. Jetzt hat sich der Urheber der Rente, Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester, zu Wort gemeldet. Und er ist richtig sauer.

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„Was kann man schon von etwas halten, das von Horst Seehofer kommt?“ So reagiert Ex-Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) im Interview mit der Euro am Sonntag auf die Frage, ob ihn die aktuelle Riester-Kritik trifft. CSU-Chef Horst Seehofer hatte zuvor die Riester-Rente als gescheitert erklärt und forderte ihre Abschaffung. Riester rechnet mit dem generellen Vorgehen Seehofers ab: „Er stürzt sich mit voller Kraft auf Themen, von denen er meint, eine Mehrheit zu bekommen – ohne sich möglicherweise umfassend inhaltlich damit auseinandergesetzt zu haben.“



Auf die Kritik von SPD-Parteikollege Ralf Stegner, dass sich viele die Riester-Rente nicht leisten könnten, reagiert Riester ähnlich streng. Laut Zahlen der Zulagenstelle hätten knapp zwei Drittel der betrachteten Zulagenempfänger ein Bruttojahreseinkommen von weniger als 30.000 Euro, gut ein Viertel sogar unter 10.000 Euro. Riester: „Es wäre eine Leichtigkeit für die Mitarbeiter von Ralf Stegner gewesen, diese Zahlen zu finden. Das wird aber nicht wahrgenommen, da kann ich zum Stier werden.“

Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern bekomme 754 Euro an Zulagen, wenn sie 60 Euro im Jahr einzahle. Aber es gebe eine Entwicklung, die tatsächlich schwierig sei. Nämlich die höhere Zahl an Teilzeitbeschäftigten. 2001 waren es noch 15 bis 20 Prozent, mittlerweile seien es 35 bis 40 Prozent. Und diese Leute hätten tatsächlich oft weniger Mittel, um Rücklagen zu bilden.

Keiner wisse, ob man später mal auf Grundsicherung angewiesen sei

Auch die Debatte um die Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung nervt Riester sehr: „Wenn ich so etwas höre, werde ich fast verrückt. Denn wer so argumentiert, müsste auch die Geringverdiener auffordern, nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.“ Wer arbeite, wisse schlicht nicht, ob er im Rentenalter später mal auf Grundsicherung angewiesen sei.

Die Förderung weiter zu erhöhen, davon hält Walter Riester übrigens nichts. Es sei vielmehr wichtig, dass die Sparer ihre Zulagen auch tatsächlich abrufen und ausschöpfen. „Außerdem sollten Selbstständige und Freiberufler mit reingenommen werden. Das geht ja derzeit nur, wenn es einen Partner gibt, der riesterfähig ist“, so Riester.

Wenn Sie erfahren wollen, was Walter Riester etwa zum Vorschlag der Deutschland-Rente sagt und warum er selbst keine Riester-Rente hat, geht es hier zum kompletten Interview mit der Euro am Sonntag.
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