Wachtendorf legt nach Reich mit Geiss: Was ich Ihnen noch sagen wollte, Herr Förtsch …

Carmen und Robert Geiss.
Carmen und Robert Geiss. © Getty Images

Der Hype um einen von Fernseh-Millionär Robert Geiss beworbenen Aktienfonds hat zwar noch nicht die Ausmaße der Stinkefinger-Affäre um den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis angenommen, schlägt aber weiter Wellen. Auch DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf fallen dazu noch ein paar Dinge ein.

| , aktualisiert um 18:26  Drucken
Vergangene Woche schrieb Egon Wachtendorf, Chefredakteur unseres Schwestermagazins DER FONDS, einen offenen Brief an Robert Geiss, weil dieser unter dem Slogan „Reich mit Geiss“ Werbung für einen Fonds macht. Zitat: „Vielleicht rufen Sie mich einmal an, ich könnte Ihnen aus dem Stand ein Dutzend vergleichbarer Produkte nennen, mit denen Sie wesentlich günstiger fahren würden.“ Jetzt hat Wachtendorf noch einmal nachgelegt.

Um es vorwegzunehmen: Nein, Robert Geiss hat nicht angerufen. Aber mein Angebot, dem für die Finanzen zuständigen Oberhaupt der RTL-Fernsehfamilie Die Geissens ein paar grundlegende Dinge zum Thema Investmentsparen zu erklären und ihm bei Bedarf auch den einen oder anderen kostengünstigen Anbieter von Dividendenfonds zu nennen, besteht selbstverständlich weiter.

Zu Wort gemeldet in der Diskussion um den von Geiss beworbenen Aktienfonds Patriarch Classic Dividende 4 Plus hat sich allerdings vergangene Woche dessen Initiator Bernd Förtsch. In einem Kommentar in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Der Aktionär“ amüsiert sich der Kulmbacher Verleger darüber, dass „sämtliche Konkurrenzmedien reflexartig und voneinander abschreibend“ auf das Thema angesprungen sind.

Klar, dass er sich am Schluss artig für die dadurch erlangte Aufmerksamkeit bedankt. Bitte sehr, Herr Förtsch, manches bleibt nicht aus, und in einem Punkt muss ich Ihnen sogar – leider – Recht geben: Es mutet in der Tat etwas befremdlich an, dass fast alle Kommentatoren die für den Patriarch Classic Dividende 4 Plus erhobene Managementgebühr in Höhe von 2,15 Prozent pro Jahr zum Kern ihrer Kritik machen. Die ist zwar wirklich ziemlich happig, aber – zweites leider – bei Fonds längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie viele aktiv verwaltete Produkte mittlerweile bei der Kosten-Kennzahl TER eine Zwei vor dem Komma tragen. Da muss sich die Branche etwas einfallen lassen, wenn sie auf Dauer gegen die ungleich günstigere Konkurrenz ETF bestehen will.

Aber, Herr Förtsch: Wenn Sie meinen Brief an Herrn Geiss gelesen haben sollten, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass ich ihm und seinen Fans nicht in erster Linie wegen der Kosten vom Patriarch Classic Dividende 4 Plus abgeraten habe. Sondern vor allem deshalb, weil Sie hinter diesem Fonds stehen. Ich beobachte von Ihnen lancierte und betreute Produkte seit mehr als 15 Jahren und auch wenn Sie sich mit AMF-Capital-Gründer Johannes Führ einen Manager an die Seite geholt haben, der in der Vergangenheit ein glücklicheres Händchen in Börsenabschwüngen an den Tag gelegt hat als Sie, fehlt mir der Glaube, dass Sie Ihrem Anspruch, ein Millionenpublikum auf unterhaltsame, unkomplizierte und konservative Weise „fit für die Börse“ zu machen, auf Dauer gerecht werden können. Vielleicht täusche ich mich da, aber wir werden ja sehen.

Ach ja, vergangene Woche ebenfalls zu Wort gemeldet hat sich die für den Patriarch Classic Dividende 4 Plus zuständige Depotbank Hauck & Aufhäuser. Der ist die von AMF Capital initiierte Werbung mit dem schrägen Millionär so peinlich, dass sie sich sogar mit einer offiziellen Pressemitteilung davon distanziert hat. Bleibt nur die Frage, warum sich Hauck & Aufhäuser überhaupt immer wieder mit einem Promoter wie Förtsch einlässt: Der ganze Ärger um die schrittweise Auflösung der ursprünglich elf Produkte umfassenden DAC-Fondsfamilie und die langfristig mehr als schwache Wertentwicklung des seit Jahren bei einem Volumen von unter 10 Millionen Euro dahindümpelnden Vermögensaufbau-Fonds HAIG hätten Warnung genug sein können. Oder sind zweifelhafte Werbeaussagen und damit geköderte Kunden immer erst dann peinlich, wenn sie breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden?
Pfefferminzia HIGHNOON