Volkswirt Reinhold Schnabel Angst vor Altersarmut „vollkommen übertrieben“

Reinhold Schnabel, Volkswirtschafts-Professor von der Universität Duisburg-Essen.
Reinhold Schnabel, Volkswirtschafts-Professor von der Universität Duisburg-Essen. © dpa/picture alliance

Die Angst vor Altersarmut sei „vollkommen übertrieben“, findet der Volkswirtschafts-Professor Reinhold Schnabel. Denn dieses Schicksal treffe nur wenige Rentner. Wirkliche Sorgen müssten sich nur drei Personenkreise machen, sagt Schnabel. Welche Bevölkerungsgruppen der Wissenschaftler meint und inwiefern die Riester-Rente den Betroffenen helfen kann, erfahren Sie hier.

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Von Umfragen, die mit „Horrorzahlen“ die Ängste unter Senioren schürten, im Alter zu verarmen, hält der Volkswirtschafts-Professor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen gar nichts. Der Wissenschaftler vertritt die These, dass die Angst in Deutschland vor Altersarmut „vollkommen übertrieben" sei. So kämen bei vielen Bürgern als Rentner „mehrere Einkommen zusammen, beispielsweise aus Lebensversicherungen“, erläutert Schnabel in einem Interview im Fernsehsender 3sat über das Focus Online berichtet hat. Oft könne auch der Partner Geld zum gemeinsamen Haushalt beisteuern, so Schnabel.

Folglich treffe das Schicksal der Altersarmut nur wenige Rentner. Gleichwohl räumt der Rentenexperte ein, dass es auch Rentner gebe, deren Geld nicht zum Leben reiche. So hätten insgesamt drei Prozent der Ruheständler Anspruch auf „bedarfsorientierte staatliche Hilfen zur Sicherung des Lebensunterhalts“, das heißt Grundsicherung. Nach Ansicht Schneiders sei diese Zahl allerdings ausgesprochen niedrig – und verweist darauf, dass 15 Prozent der Kinder in Deutschland auf Hartz IV angewiesen seien.

Drei Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet

Schnabel zufolge sind drei Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet, im Alter unter Geldmangel zu leiden. Das seien zum einen „Menschen, die erwerbsgemindert sind und deshalb weniger Rente haben“, so der Wissenschaftler. Des Weiteren „Geschiedene Frauen, die niedrige eigene Rentenansprüche haben“ sowie „Menschen aus den neuen Bundesländern, die nach der Wende arbeitslos wurden und lange Jahre am Arbeitsmarkt keinen Anschluss mehr gefunden haben“.

Um diesen Personen zu helfen, schlägt der Volkswirt unter anderem vor, dass Leistungen aus der privaten Altersvorsorge, darunter auch Riester-Renten, nicht auf die gesetzlichen Renten angerechnet werden sollten. Nur dann könne ein Arbeitnehmer mit geringem Lebenseinkommen aus der Altersarmut herauskommen, findet Schnabel. Rechne man ihre Eigen-Vorsorge mit staatlichen Leistungen gegen, so der Wissenschaftler, werde dieser Personenkreis „weiter demotiviert“ Altersvorsorge zu betreiben.

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