Vor allem Mittelständler wollen es nicht wahrhaben: die Betrüger sitzen oft im eigenen Unternehmen. © freepik
  • Von Anette Bierbaum
  • 29.06.2020 um 08:10
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Betrug, Untreue, Unterschlagung: Laut Branchenverband GDV entstehen deutschen Unternehmen jährlich 225 Millionen Euro Schaden – drei Viertel davon gehen auf das Konto durch Täter im eigenen Haus. Der Bedarf an Vertrauensschadenversicherungen ist entsprechend groß, gerade Mittelständler wähnen sich aber in trügerischer Sicherheit.

Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen trauen ihren Mitarbeitern oft nicht zu, dass diese betrügen oder dem Unternehmen auf andere Art und Weise absichtlich schaden wollen. Das ist aber ein Trugschluss, weiß Rechtsanwalt Martin Gewe, Experte für Vertrauensschaden-versicherung bei der Zurich Gruppe Deutschland: „Der Vertrauensbonus in die eigenen Mitarbeiter ist oft enorm. Viele überschätzen aber auch ihre bereits eingesetzten Kontrollmaßnahmen. Dabei ist keine Kontrolle so gut, dass sie nicht umgangen werden könnte. Und wer sollte Sicherheitslücken im Unternehmen besser kennen, als die eigenen Mitarbeiter.“

Das bestätigt auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit aktuellen Zahlen: Pro Jahr werden 5 bis 10 Prozent aller deutschen Firmen von eigenen Mitarbeitern betrogen. 25 Prozent aller internen Straftaten entstehen, weil sich gerade die Gelegenheit bietet. Weitere Faktoren für Diebstähle oder Betrugsfälle innerhalb der Firma sind persönliche und berufliche Krisen der Mitarbeiter, etwa finanzielle Nöte oder das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein.

Je besser das Betriebsklima ist, umso geringer ist demnach die Wahrscheinlichkeit, von einem aus Trotz handelnden Mitarbeiter betrogen zu werden. Daneben gäbe es eine weitere Täter-Gruppe mit einem wirtschaftskriminologischen Belastungssyndrom, die aktiv nach Tatgelegenheiten suche oder sie sich selbst schaffe. Hierbei handle es sich nicht selten um Quereinsteiger mit schillernden Lebensläufen und gebrochenen Erwerbsbiografien. Bevor sie auffliegen, bringen kriminelle Angestellte ihre Arbeitgeber durchschnittlich um knapp 115.000 Euro.

„Wer die unternehmensinternen Kontrollmechanismen ergänzen möchte, ist mit einem individuellen Konzept einer Vertrauensschadenversicherungen auf der sicheren Seite“, sagt Grewe, und richtet sich speziell an Mittelständler: „Kriminelle Energie entsteht auch da, wo niemand sie vermutet –  sogar in kleinen Unternehmen wie Handwerksbetrieben mit zwei, drei Mitarbeitern. Hier ist auch die Zusammenarbeit mit Dritten ein unterschätztes Sicherheitsrisiko. Selbst wenn ein Delikt aufgedeckt wird: In den meisten Fällen ist der Schaden längst eingetreten. Dann sind Gelder oft auf Nimmerwiedersehen verschwunden.“

Sicherungsmaßnahmen und ihre Schwachstellen

Der Rechtsanwalt rät, das Unternehmen sowohl mit präventiven Maßnahmen als auch mit einer Vertrauensschadenversicherung zu schützen. Beispielsweise könne das „Vier Augen“-Prinzip bei Zahlungsvorgängen sowie laufende Rentabilitäts- und Liquiditätsbetrachtungen helfen, unübliche Geldabflüsse aufzudecken. „Sie haben aber auch Schwachstellen. Gerade langjährige Mitarbeiter finden hier Wege, solche Hürden zu umgehen oder für sich zu nutzen.“

Eine Vertrauensschadenversicherung fängt daher Vermögensschäden auf, die trotz aller Sicherungsmaßnahmen durch kriminelle Handlungen von internen und externen Vertrauenspersonen entstehen und erhält so die Liquidität des Unternehmens. Außerdem beteiligt sich die Versicherung im Fall eines Image-Schadens an den PR-Kosten.

Und was heute noch wichtiger ist: Eine gute Vertrauensschadenversicherung fängt auch Kosten auf, die durch Computer-Missbrauch entstehen. Das betrifft insbesondere Finanzoperationen und den Geldverkehr, aber auch sonstige Vermögensschäden durch Computer- oder Software-Manipulationen.

Am 17.07.2020 bietet Zurich zu dem Thema Vertrauensschadenversicherung ein Webinar an.

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Anette

Anette Bierbaum

Anette Bierbaum schreibt seit 2015 als freie Redakteurin für Pfefferminzia. Darüber hinaus unterstützt die gelernte PR-Fachfrau seit über zehn Jahren Medienhäuser, PR-Agenturen und redaktionell geprägte Content-Plattformen.

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