Millionenbetrag ergaunert? Anti-Betrugs-Experte der Allianz unter Betrugsverdacht

Das Logo der Allianz-Versicherungen leuchtet über dem Haupteingang der Niederlassung in Frankfurt: Beim größten deutschen Versicherer wurde ein Experte für Versicherungsbetrugsfälle anscheinend selbst zum Betrüger.
Das Logo der Allianz-Versicherungen leuchtet über dem Haupteingang der Niederlassung in Frankfurt: Beim größten deutschen Versicherer wurde ein Experte für Versicherungsbetrugsfälle anscheinend selbst zum Betrüger. © dpa/picture alliance

Ein Anti-Betrugs-Experte der Allianz steht unter Verdacht, das eigene Unternehmen betrogen zu haben. Über Jahre hinweg soll der Fachmann für Versicherungsbetrug juristische Anfragen erfunden und dadurch einen Millionenbetrag ergaunert haben. Hier kommen die Hintergründe.

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Wenn ein Experte für Versicherungsbetrug selbst zum Betrüger wird, kann das für einen Versicherer teuer werden. So geschehen bei der Allianz, wie ein Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) nahe legt. Demnach soll ein Anti-Betrugs-Spezialist einen Millionenbetrag bei seinem damaligen Arbeitgeber ergaunert haben. Nach Informationen von WDR und SZ sitzt der Experte nun wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft. Die Höhe der Summe stehe noch nicht fest, es könne sich aber um 2 bis 3 Millionen Euro handeln, heißt es.

Der angesehene Fachmann nutzte für seine Taten laut dem Bericht sein Know-how über die beiden IT-Systeme, die die Allianz für ihre Betrugsabwehr verwendet. Sein Vorteil: Das ältere der beiden System kannte außer ihm wohl kaum jemand im Unternehmen. Darin lagern viele Altfälle, darunter Versicherungsverträge, Schadenmeldungen und eventuelle Zahlungsvorgänge.

Kleine Beträge über viele Jahre hinweg

Dies habe es ihm offenbar erleichtert, mindestens sieben Jahre mit seiner Betrugsmasche durchzukommen, wie die SZ berichtet. Und so ging der Verdächtige mutmaßlich vor: Bei Versicherungsfällen, die er bearbeitete, soll er juristische Anfragen erfunden haben – und die entsprechenden Anwälte und Kanzleien gleich mit.

Die wohl fingierten Rechnungen seien stets unauffälliger Natur gewesen, berichtet der WDR über den Fall. „Mal soll es um 500 Euro gegangen sein, mal waren es 1.200 Euro. Kleckerbeträge, die sich über die Jahre aber zu Millionen summierten“, wie es heißt. Ganz bewusst soll er dabei nie mehr als 5.000 Euro in Rechnung gestellt haben – denn andernfalls hätte ein weiterer Kollege die Rechnungen nochmals prüfen müssen. Die Zahlungen für die Anfragen soll er auf diverse Konten geleitet haben, zu denen er Zugriff hatte.

Einem Kollegen fielen Unregelmäßigkeiten auf

Aufgeflogen ist das vermeintlich jahrelange Treiben durch einen Kollegen, dem irgendwann doch Unregelmäßigkeiten bei der Prüfung eines Altfalls auffielen. Er schaltete daraufhin die interne Revision ein, der Verdächtige wurde fristlos entlassen und die Sache landete bei der Staatsanwaltschaft.

Das der mutmaßliche Betrug so lange unentdeckt blieb, habe auch daran gelegen, dass die Arbeit des Experten kaum hinterfragt worden sei. „Dabei hätte wohl schon eine Google-Suche nach den angeblichen Anwälten so eine Masche entlarven können“, berichtet der WDR.

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