Verbraucherschützer Axel Kleinlein „Als sich die Riester-Rente nicht richtig verkaufte, wurden eben die Provisionen erhöht“

Axel Kleinlein ist Chef des Bunds der Versicherten.
Axel Kleinlein ist Chef des Bunds der Versicherten. © BdV

Mal stark untertrieben, mal maßlos übertrieben: Bei Diskussionen um die Riester-Rente scheiden sich die Geister. Axel Kleinlein, Chef der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV), bezieht Position.

| , aktualisiert um 12:12  Drucken
Kennen Sie ihn auch? Den Riester-Reflex? Das ist der Reflex, der genau dann einsetzt, wenn in einer ansonsten eher langweiligen Altersvorsorgedebatte jemand das Gespräch auf die Riester-Rente bringt. Da wird dann aus einem eher ruhigen Disputanten ein leidenschaftlicher Redner. Und ansonsten gelangweilte Zuhörer bringen sich empathisch ein. Und das gilt heute noch genauso auf diversen Konferenzen und Veranstaltungen wie schon vor knapp 15 Jahren. Nur, dass heute dann auf einmal auch von Eichhörnchen die Rede ist. Aber immer der Reihe nach.

Hitzige Riester-Debatte

Es wäre vermessen, wenn ich jetzt so täte, als hätte ich keinen Anteil an der hitzigen Riester-Debatte. Selbstverständlich habe ich die Diskussion befeuert. Aber eben auch wegen des Riester-Reflexes. Lange Zeit habe ich versucht, die Politik und die Medien für bestimmte Missstände in der Lebensversicherung zu interessieren. Geklappt hat das meist eher schlecht als recht. Schnell habe ich aber erkannt: Wenn ich statt „Lebensversicherung“ nur „Riester-Rente“ sage, dann wird mir mehr zugehört. Und fachlich falsch ist das nicht, denn die Riester-Rente ist ja nur eine Spielart der anderen Angebote der Lebensversicherer.

Der überragende Nimbus der Riester-Rente liegt in den ungeheuren Erwartungen, die damals in sie gesteckt wurden. Die Idee von Walter Riester war ja gar nicht schlecht, wenn man auf Kapitaldeckung setzen möchte. Der Ansatz, bestimmten Bevölkerungsgruppen eine Unterstützung zu geben, klingt auch erst mal nicht falsch. Und dann auch bestimmte Mindestanforderungen für die Tarife zu erzwingen, ist zudem kein Holzweg. Was ging also schief?

Idee war gut, was ging schief?

Zweierlei: Zum einen wurden die Mindestanforderungen aufgeweicht. Und zum anderen taten Politiker und Versicherer so, als wäre die Riester-Rente die großartigste Erfindung seit der warmen Dusche. Beide Akteure hatten große Erwartungen und haben diese dann auch noch geschürt! Die Politiker erhofften, endlich die leidige Altersvorsorgedebatte los zu sein. Die Versicherer erwarteten durch die Riester-Rente einen Ersatz für die abgehalfterte Kapitallebensversicherung. Und der Vertrieb wähnte in der Riester-Rente einen Selbstläufer, einen Tarif, der sich ganz von selbst verkauft.

Wer damals in einer Diskussion „Riester“ sagte, der blickte in leuchtende Augen. Und wer womöglich kritisch sprach, der wurde als Spielverderber beschimpft. Die Riester-Rente galt zuweilen als sakrosankt. Und als sie sich nicht so richtig verkaufte, wurden eben erst mal die Provisionen für die Vermittler erhöht. Und nebenbei wurde die Riester-Rente immer komplizierter, die ansonsten erfolgten Verschlechterungen in der Lebensversicherung schwappten auch auf die Riester-Rente über. Die Folge war: Die Intransparenz nahm zu und immer weniger Menschen verstanden die Produkte. Dennoch hielt sich der Glaube bei vielen Politikern, dass die Riester-Rente etwas ganz Tolles sei. Die Versicherer wussten dann zwar schon, dass es nicht ganz rund läuft. Gesagt haben sie es aber nicht.

Und dann kamen immer mehr kritische Stimmen und schließlich kam da ein Versicherungsmathematiker aus Berlin, der mit einem Forschungsinstitut eine Studie zur Riester-Rente auflegte. Die provozierende These: Steckt das Geld besser ins Kopfkissen als in eine Riester-Rente.

Das Eichhörnchen als neues Leitbild der Altersvorsorge

Das Kopfkissen als Alternative? Den heiligen Zinseszinseffekt einfach wegleugnen? Unterstellen, dass die Kosten die Zinsen und Förderungen auffressen würden? Ein Sakrileg für alle, die an die großen Vorzüge der kapitalgedeckten Vorsorge glauben und zu ihr beten.

Und jetzt? Wenige Jahre später? Da höre ich auf einer Veranstaltung, dass die Bürger sich doch jetzt ein Beispiel an einem Eichhörnchen nehmen sollen. Das würde ja in den guten Zeiten die Nüsse verstecken um in schlechten Zeiten davon zehren zu können. Nach über einem Jahrzehnt des Riester-Jubels nun das Eichhörnchen als neues Leitbild der Altersvorsorge!

Das Eichhörnchen gilt ja allgemein nicht als das cleverste aller Tiere. Es mag zwar Nüsse verstecken. Aber es findet die einmal vergrabene Nuss oft nicht mehr wieder. Und noch schlimmer: Es merkt davon noch nicht einmal etwas. Sollen sich so die Sparer verhalten? Den Versicherern die Spargroschen geben und dann vergessen, dass sie da mal was gezahlt haben? Oder sollen sie von vornherein darauf verzichten wenigstens das zurück zu bekommen, was eingezahlt wurde? Davon kann man keine Sparer überzeugen.

Das Eichhörnchen mag Nüsse ansparen. Aber eben immer nur mit einer Negativrendite. Es hat am Schluss weniger Nüsse gegessen als es ursprünglich mal hatte. Würde es alle Nüsse in ein Kopfkissen stecken, dann ginge wenigstens keine Nuss verloren. Stellt man sich aber ein Eichhörnchen vor, das seine Nüsse in ein Kopfkissen steckt, dann merkt man schnell, dass dieses Bild totaler Unfug ist. Sparer sind eben keine Eichhörnchen.

PS: Und eine alte Bauernweisheit nicht vergessen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen

Der Artikel wurde freundlicherweise vom BdV zur Verfügung gestellt. Das Original finden Sie auf der BdV-Homepage in der Kolumne „Kleinleins Klartext" oder unter diesem Link.
Pfefferminzia HIGHNOON