Umstrittenes Urteil Kontaktdaten dürfen nicht ohne Zustimmung an WhatsApp gehen

Whatsapp auf einem Smartphone: Ohne Zustimmung darf kein Nutzer der App die Kontaktdaten anderer an den Nachrichtendienst weiterleiten.
Whatsapp auf einem Smartphone: Ohne Zustimmung darf kein Nutzer der App die Kontaktdaten anderer an den Nachrichtendienst weiterleiten. © dpa/picture alliance

Fast jeder nutzt heutzutage WhatsApp. Der Nachrichtendienst hat nach dem Herunterladen Zugang zur Kontaktliste eines jeden Nutzers. Was viele nicht wissen: Ohne Zustimmung jedes Kontakts ist diese Weitergabe rechtswidrig. So urteilte nun das Amtsgericht Bad Hersfeld.

28.06.2017 14:08  Drucken

Was ist geschehen?

Ein elfjähriger Junge bekommt ein Smartphone zum Geburtstag und nutzt damit auch WhatsApp. Dort speichert er 20 Kontakte ab, darunter Familienangehörige, Mitschüler, Freunde und Nachbarskinder.

Der Nachrichtendienst greift nach dem Herunterladen auf sämtliche Kontakte zu, was viele Menschen nicht wissen.

Das Urteil

Die Richter des Amtsgerichts Bad Hersfeld entscheiden, dass es in diesem Fall Aufgabe der Mutter ist, auf ihren Sohn und die richtige Nutzung von Apps seinerseits zu achten. Es sei ein Rechtsverstoß, WhatsApp Zugang zu allen Kontaktdaten anderer Personen in der Adressliste Zugang zu ermöglichen – zumindest ohne deren Zustimmung (Aktenzeichen F 120/17 EASO).

Im Urteil heißt es: „Wer durch seine Nutzung von WhatsApp diese andauernde Datenweitergabe zulässt, ohne zuvor von seinen Kontaktpersonen aus dem eigenen Telefon-Adressbuch hierfür jeweils eine Erlaubnis eingeholt zu haben, begeht gegenüber diesen Personen eine deliktische Handlung und begibt sich in die Gefahr, von den betroffenen Personen kostenpflichtig abgemahnt zu werden.“

Gegen dieses Urteil kommt nun Kritik von allen Seiten. So heißt es etwa auf der Webseite des Digitalmagazins T3N: „Der Argumentation im Urteil zufolge bricht jeder WhatsApp-Nutzer das Gesetz, nicht nur der Sohn. Wenn aber jeder mit der Installation von WhatsApp gegen geltendes Recht verstößt, sind es eigentlich in erster Linie die Bedingungen des Messengers, die das Gericht angehen müsste.“ Weiter heißt es dort, dass wenn sich diese Ansicht durchsetzte, „dann können viele WhatsApper schon mal vorsorglich Privatinsolvenz anmelden.“

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