Jörg Arnold führt die deutsche Niederlassung des Versicherungs- und Finanzberatungskonzerns Swiss Life. © Swiss Life
  • Von Lorenz Klein
  • 14.11.2022 um 16:22
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Nur noch 56 Prozent der Deutschen fühlen sich grundsätzlich selbstbestimmt im Leben – 2020 empfanden dies noch 63 Prozent so. Wenn es um ihre aktuellen Finanzen geht, nehmen sich sogar nur noch 47 Prozent der Bundesbürger als selbstbestimmt wahr. Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen hätten Spuren hinterlassen, schlussfolgern die Umfragen-Macher von Swiss Life.

Der Selbstbestimmungswert, den sich die Deutschen selbst geben, ist im Angesicht der jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen gesunken: Nur 56 Prozent der Bundesbürger fühlen sich grundsätzlich selbstbestimmt im Leben ­(siehe Grafik) – 2021 sahen das noch 59 Prozent so, 2020 waren es sogar 63 Prozent. Gleichwohl liegt der aktuelle Wert immerhin zwei Prozentpunkte über dem Wert des Vor-Corona-Jahres 2019 (54 Prozent).

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Versicherungs- und Finanzberatungskonzerns Swiss Life im Rahmen des „Swiss Life-Selbstbestimmungsbarometer“. Die bevölkerungsrepräsentative Befragung erfolgt seit 2019 durch das Meinungsforschungsinstitut Bilendi und ist nun zum vierten Mal erschienen.

„Die Zeit während der Corona-Pandemie hatte trotz aller Einschränkungen einen positiven Einfluss auf die gefühlte Selbstbestimmung. Dieser Effekt wird mittlerweile durch wirtschaftliche Herausforderungen wie Lieferkettenprobleme, Fachkräftemangel, steigende Preise und nicht zuletzt den Ukrainekrieg überschattet“, kommentiert Jörg Arnold, Chef von Swiss Life Deutschland, die jüngste Entwicklung. Selbst die Vorteile mobiler Arbeit und die höhere Flexibilität im Berufsumfeld könnten „diese negativen Einflüsse auf die persönliche Unabhängigkeit und finanzielle Selbstbestimmung nicht abfedern“, so Arnold.

Vor allem wenn es um ihre aktuellen Finanzen geht, fühlen sich Swiss Life zufolge nur noch 47 Prozent der Deutschen selbstbestimmt. Dabei seien Selbstbestimmung und Unabhängigkeit für die große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) ein „elementares Bedürfnis“. Für 44 Prozent sei dieses Bedürfnis in den vergangenen Monaten sogar noch wichtiger geworden – vor allem für die Frauen in Deutschland (46 Prozent), während Männer dies etwas weniger bejahen (42 Prozent).

Die Zuversicht ist nicht verschwunden

Für über die Hälfte der befragten Personen ist das Kriterium „Entscheidungsfreiheit“ relevant für ein selbstbestimmtes Leben und mehr als ein Drittel will „frei von Einschränkungen und finanziell unabhängig“ sein. Die Mehrheit befürchtet jedoch, dass ihre persönliche Selbstbestimmung gefährdet sein könnte – insbesondere durch eine schwere Krankheit, eine Pflegebedürftigkeit oder eine eingeschränkte Entscheidungsfreiheit. „Der Anstieg der Lebenserhaltungskosten und die vielen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen verstärken diese Sorgen noch“, teilen die Experten von Swiss Life mit.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen zwölf Monate haben demnach Spuren hinterlassen: Für jede fünfte Person (20 Prozent) hat sich die Selbstbestimmung spürbar verschlechtert. „Diese Entwicklung könnte sich aufgrund der Energiekrise und steigender finanzieller Belastungen weiter zuspitzen“, so die Studienautoren ­– zumal lediglich 37 Prozent der Befragten ihren Haushalt als finanziell gut abgesichert bewerteten.

Ungeachtet der angespannten Situation blickt knapp ein Drittel (29 Prozent) der Befragten mit uneingeschränktem Optimismus in die Zukunft (2021: 24 Prozent, 2020: 29 Prozent, 2019: 22 Prozent). „Die leichte Verbesserung zum Vorjahr verdeutlicht, dass die Menschen in Deutschland an ihrer zuversichtlichen Einstellung festhalten – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und dem Krieg in unmittelbarer Nähe“, heißt es zur Erklärung.

Die Frauen seien bei ihren Zukunftsprognosen allerdings noch immer skeptischer als Männer: Eine knappe Mehrheit der Studienteilnehmerinnen (51 Prozent) sind besorgt, dass ihre finanzielle Situation ihr selbstbestimmtes Leben in Zukunft einschränken könnten. Diese Sorge teilten 43 Prozent der männlichen Studienteilnehmer.

Gut vorbereitet für die Rente? Hm…

Auf die Frage, wie zuversichtlich die Befragten auf ihre Altersvorsorge blicken, gab lediglich ein Drittel der Personen an, dass sie ihren Ruhestand finanziell gut geplant haben (34 Prozent). Mit den getroffenen Vorsorgemaßnehmen – gesetzlich, privat und betrieblich – hätten sie ausreichend vorgesorgt, um im Alter selbstbestimmt leben zu können – dieser Meinung sind 32 Prozent. Mit Blick auf ihre Altersvorsorge spürten aktuell nur 42 Prozent ein Gefühl von Selbstbestimmung. 45 Prozent vertrauen darauf, dass eine gut geplante Vorsorge grundsätzlich ein unbeschwertes Leben ermöglicht.

„Die Studienergebnisse machen uns wieder einmal bewusst, dass Altersvorsorge in Deutschland neu belebt werden muss“, fordert Jörg Arnold. Eine Reform sei aufgrund der demografischen Entwicklung und der steigenden Staatsausgaben „unabdingbar“. Mehr denn je sollten wir die Kräfte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündeln, um den Menschen Perspektiven aufzuzeigen und neues Vertrauen in die Alterssicherung in Deutschland zu stiften, so der Appell des Managers.

Quelle: Swiss Life

 

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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