Zwei Freundinnen unterschiedlicher Generationen gehen spazieren: Dem Kapitalmarkt entgeht viel Geld, weil Frauen laut eigenen Angaben nicht das nötige Selbstvertrauen besitzen. © Pixabay
  • Von Juliana Demski
  • 11.10.2019 um 12:35
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Frauen in Europa besitzen ein angespartes Kapital in Höhe von rund 200 Milliarden Euro. 45 Milliarden davon entfallen auf Deutschland und Österreich. Dennoch ist die Mehrzahl der Damen laut einer aktuellen Umfrage nach wie vor zögerlich, wenn es um Anlagen an den Finanzmärkten geht. Hier erfahren Sie, warum das so ist.

Nur eine von fünf Frauen in Europa bezeichnet sich selbst als sachkundig beim Thema Finanz- und Anlagekenntnisse. Diese Denke ist einer der Gründe dafür, dass dem europäischen Finanzmarkt ein Kapital von rund 200 Milliarden Euro an weiblichem Vermögen entgeht. 45 Milliarden davon haben allein die Frauen in Deutschland und Österreich inne. Im Rahmen einer Umfrage hat der Finanzdienstleister J.P. Morgan Asset Management nachgefragt: Warum legen nach wie vor mehr Männer als Frauen ihr Geld an den Finanzmärkten an?

Weitere Gründe, die die Umfrageteilnehmerinnen nannten, waren laut Umfrage fehlendes finanzielles Selbstbewusstsein, Zeitmangel und Alltagshektik. Interessant ist auch: Frauen, die schon einmal investiert haben, bewerten ihr Selbstbewusstsein höher als Frauen, die noch nicht investieren. 51 Prozent der bereits investierenden Frauen waren zudem überzeugt davon, die richtige Vorsorge für die Zukunft gewählt zu haben. 

„Unsere Befragung zeigt, dass die Finanzbranche Frauen viel stärker einbinden könnte, damit sie ihr Vermögen vermehren und ihre Anlageziele besser erreichen“, so Pia Bradtmöller von J.P. Morgan Asset Management. „Wir können mehr tun, um Frauen Informationen anzubieten, die einfach zugänglich und ansprechend sind. Dann können Frauen aktiver werden, wenn es darum geht, ihr Erspartes zu vermehren und die Kontrolle über ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen.“ 

Um die Anforderungen von Sparerinnen und Anlegerinnen in Europa besser verstehen zu können, haben die Umfrageleiter auf Basis ihrer Studie acht verschiedene Typen von Anlegerinnen ermittelt und diese in zwei Überkategorien unterteilt: in Frauen, die investieren wollen, und in Frauen, die sparen möchten.

Frauen mit einer größeren Tendenz zum Investieren: 

  1. Selbstsicher und kontrolliert: ernsthafte und engagierte Anlegerinnen, für die finanzielle Sicherheit und ein sorgenfreier Ruhestand Priorität haben (16 Prozent).
  2. Im Hier und Jetzt: stark auf die Gegenwart fixiert, Investitionen als eine Chance für die Zukunft (13 Prozent).
  3. Aktiv und zielgerichtet: wohlhabende und optimistische Frauen auf Suche nach Vermögenswachstum, die für eine sichere und komfortable Zukunft vorgesorgt haben (12 Prozent).
  4. Wachsendes Selbstbewusstsein: Abwägung kurz- und langfristiger Interessen, aber mit Erwartungen hinsichtlich eines Vermögenswachstums und einer positiven Sicht auf die Zukunft (7 Prozent).
  5. Junge Überfliegerin: ehrgeizige, selbstbewusste Frauen mit wenig Zeit, die sich für Investitionen begeistern und sich sowohl online als auch offline beraten lassen (5 Prozent).

Frauen mit einer größeren Tendenz zum Sparen:

  1. Vorsichtige Zweiflerin: ängstliche Frauen mit Sicherheitsbedürfnis, die sich finanziell eingeschränkt fühlen, aber mehr Auswahlmöglichkeiten wünschen (16 Prozent).
  2. Passive Behüterin: finanziell nicht engagierte Frauen mit Sicherheitsbedürfnis, deren Verlustangst größer ist als die Aussicht auf künftige Gewinne (19 Prozent).
  3. Erklärte Traditionalistin: Die Bewahrung ihrer Lebensweise und Finanzen hat Priorität. Sie sind nicht bereit, ihre Komfortzone zu verlassen und möchten keine Risiken eingehen (12 Prozent).

Den Umfrageautoren fielen dabei vor allem regionale Unterschiede auf: 

Beispielsweise waren „Passive Behüterinnen“, die größte Gruppe, mit fast 30 Prozent besonders in Schweden konzentriert. In Österreich und Deutschland lag der Wert bei nur 15 Prozent. Für diese Gruppe war Sicherheit wichtiger als höhere Erträge.

Die zweitgrößte Gruppe, „Vorsichtige Zweiflerin“, waren in Großbritannien (24 Prozent), Frankreich (20 Prozent) und Spanien sowie Portugal (20 Prozent) gleichmäßiger verteilt. Schweden wies in dieser Gruppe den geringsten Anteil auf (7 Prozent). Zwar ist sich diese Gruppe der Bedeutung finanzieller Unabhängigkeit bewusst, jedoch fühlt sie sich durch verschiedene Faktoren, wie fehlendes Selbstvertrauen und begrenzte Anlagekenntnisse, eingeschränkt.

Die drittgrößte Gruppe, „Selbstsicher und kontrolliert“, wies die höchste Konzentration in Österreich und Deutschland auf (fast 30 Prozent). Mehr als die Hälfte dieser Gruppe war über 50 Jahre alt und kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand. 

„Da so viele Frauen über Bareinlagen und Sparprodukte verfügen, bietet sich ein enormes Wachstumspotenzial, wenn man sie darin bekräftigt, langfristig mehr aus ihrem Geld zu machen“, kommentiert Christoph Bergweiler, Leiter Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland bei J.P. Morgan Asset Management, die Umfrageergebnisse.

Und weiter: „Zweifelsohne sind mit dem Engagement in Wertpapieren auch Risiken verbunden. Wer allerdings gar nicht investiert, riskiert langfristige finanzielle Ziele nicht zu erreichen. Wir wissen alle nur zu gut, dass die Zinserträge aus Sparprodukten im Grunde nicht mehr vorhanden sind und dass die Renditen von Staatsanleihen an vielen Märkten im negativen Bereich liegen.“ 

Weitere Infos zur Studie:

Die Autoren befragten zwischen dem 8. und dem 31. Juli 2019 rund 3.000 Frauen im Alter von 30 bis 65 Jahren, die in Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden sowie in Deutschland, Österreich, Spanien und Portugal leben und entweder Kapitalanlagen oder Ersparnisse besitzen und über ein persönliches Mindesteinkommen verfügen (die Höhe des Einkommens war dabei länderabhängig). 

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Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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