Die Bronzeplastiken von Bulle und Bär stehen vor dem Gebäude der Frankfurter Börse: Kapitalanleger glauben mehrheitlich an die finanzielle Corona-Unterstützung der Regierung. © picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
  • Von Juliana Demski
  • 15.07.2020 um 13:27
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Ein Großteil der deutschen Kapitalanleger glaubt, dass das Corona-Hilfspaket der Bundesregierung für die Wirtschaft eine große Hilfe sein wird. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Analysehauses Assekurata. Das ändert aber nichts daran, dass die Stimmung der Befragten im Zuge der Pandemie einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Und auch für die Versicherer sind die Aussichten nicht sonderlich rosig.

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft abzubremsen, hat die Bundesregierung ein Hilfspaket in Höhe von mehr als 350 Milliarden Euro beschlossen – und das sorgt für Hoffnung in Kapitalanlegerkreisen. Laut einer Umfrage des Analysehauses Assekurata sagen 69 Prozent von ihnen eine hohe und weitere 10 Prozent eine sehr hohe Wirkung der Maßnahmen voraus. Keiner der Befragten geht von einer geringen oder einer sehr geringen Wirkung aus.

Mit Blick auf die Aktienmärkte trifft diese Einschätzung bislang tatsächlich zu:

Denn in den vergangenen Monaten ging es an den Börsen sogar bergauf. So notierte der Dax rund vier Monate nach dem coronabedingten Absturz am 13. Juli mit 12.800 Punkten nur noch 1.000 Punkte – damit lag er weniger als 10 Prozent unterhalb seines Allzeithochs im Februar. Und auch der Eurostoxx hat seine Verluste laut Assekurata zwischenzeitlich wieder fast wettgemacht.

Weniger rosig sieht es in der Versicherungswelt aus:

Hier entfaltet die Erholung an den Aktienmärkten nur wenig Wirkung, da die Aktienquoten in allen Sparten im unteren einstelligen Prozentbereich liegen. In den Kapitalanlagebeständen dominieren festverzinsliche Anlagen, die bei den Personenversicherern jenseits der 80-Prozentmarke notieren. Selbst in der Schaden-und Unfallversicherung überwiegen festverzinsliche Wertpapiere in den Portfolien der Versicherer.

Auch in der Neuanlage spielen festverzinsliche Wertpapiere nach wie vor eine bedeutende Rolle. „Während in der vergleichsweise kurzlaufenden Schaden- und Unfallversicherung jedes Jahr knapp 10 Prozent des Kapitalanlagebestands fällig wird und zum aktuellen Marktzinsniveau neu angelegt werden muss, liegt dieser Anteil bei den von uns gerateten Lebens- und Krankenversicherern bei etwa 3 Prozent“, heißt es im Assekurata-Studientext.

In der Lebensversicherung dürften die tatsächlichen Neuanlageanteile wegen der Zinszusatzreserve jedoch höher ausfallen. Um diese zu finanzieren, realisieren die meisten Unternehmen Bewertungsreserven, indem sie Festverzinser veräußern. Diese freiwerdenden Mittel müssen die Gesellschaften dann zu einem geringeren Marktzins wieder anlegen.

Ähnlich problematisch steht es um die Zinsmärkte:

So fiel der 10-Jahres-Swap von 0,21 Prozent am Jahresanfang auf Minus 0,39 Prozent – laut Assekurata ist das ein neuer „Allzeit-Negativ-Rekord“. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten konnten die Zinsmärkte jedoch im Anschluss nicht mit einer Aufwärtsrallye aufholen. Vielmehr haben sich die Zinsen hier auf dem Krisen-Niveau eingependelt. So lag der 10-Jahres-Swap-Satz am 13. Juli mit minus 0,19 Prozent nur geringfügig oberhalb seines absoluten Tiefpunkts.

Nicht verwunderlich ist daher auch die miese Stimmung der Kapitalanleger:

Wenngleich die Zinsen auch im vergangenen Jahr einen damaligen Tiefpunkt erreicht hatten, ist die Stimmung im aktuellen Jahr noch einmal deutlich tiefer gesunken. Während 23 Prozent die Aussage, dass 2020 unter Kapitalanlagegesichtspunkten ein gutes Jahr wird, immerhin neutral bewerten, stimmen insgesamt 77 Prozent der Aussage eher nicht oder sogar überhaupt nicht zu. Im vergangenen Jahr lag der Anteil an Pessimisten noch bei 35 Prozent – und etwa ein Drittel der Befragten hatte eine neutrale Einstellung.

Zwar bringen die Hilfsprogramme frisches Geld in den Umlauf und stützen so die Wirtschaft, gleichzeitig steigt aber, vor allem durch das Anleihenkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program) der Eurpäischen Zentralbank (EZB), auch die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren. Dieses hat die EZB im Zuge der Corona-Krise gestartet, um zusätzlich zum regulären Anleihenkaufprogramm, Wertpapiere im Wert von bis zu 1.350 Milliarden Euro aufkaufen zu können.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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