Umfrage bei Wohngebäudeversicherern Sanierung der Branche zeigt noch nicht die erhoffte Wirkung

Ein Flachdach des Nachbarhauses liegt in einem Innenhof: In Nordrhein-Westfalen wütete in den vergangenen Tagen ein Unwetter. Es kam sogar zu einem Tornado.
Ein Flachdach des Nachbarhauses liegt in einem Innenhof: In Nordrhein-Westfalen wütete in den vergangenen Tagen ein Unwetter. Es kam sogar zu einem Tornado. © dpa/picture alliance

Rund 90 Prozent der Wohngebäudeversicherer setzten in den vergangenen Jahren auf neue Tarifmodelle und hofften so, die Erträge in diesem Bereich steigern zu können. Erste Erfolge sind sichtbar, doch doch es gibt noch einiges zu tun.

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Auch wenn sie sich einen Sprint gewünscht haben – die deutschen Wohngebäudeversicherer scheinen geahnt zu haben, dass sich die Sanierung der Sparte zu einem Marathon entwickeln wird. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens 67rockwell. Die Analyse der Geschäftszahlen von 23 der großen Wohngebäudeversicherer zeigt zwar, dass sich die Anstrengungen durchaus lohnen: Die Durchschnittsbeiträge der vergangenen Jahre sind signifikant gestiegen und die Schadenquoten konnten für die vergangenen zwei Geschäftsjahre im Vergleich zum langfristigen Schnitt gesenkt werden. „Allerdings kann sich die Branche noch nicht in Sicherheit wiegen“, so Ralph Elfgen von 67rockwell Consulting. „Die strukturellen Probleme sind in der Breite des Marktes noch nicht gelöst, 70 Prozent der befragten Versicherer weisen auch 2015 noch versicherungstechnische Verluste auf.“



Überdurchschnittlich viele große Naturschäden führten bei der letzten Umfrage 2014 dazu, dass die Branche Tarife neu kalkulieren musste. 90 Prozent der Anbieter nutzen seitdem differenzierte Tarifmodelle. Bei der Sanierung bestehender Verträge setzt man auf Bestandssicherung. Dabei werden zunehmend Kundenwertmodelle für eine nachhaltig wirksame Ertragssteigerung eingesetzt. Das schließt auch die Anpassung von Bestandsprämien ein und „hilft, Storni weitestgehend zu vermeiden“, sagt Elfgen.

Steigende Bedeutung im Vergleich zu 2014 bekommt die schadenbedingte Einzelfallsanierung. 70 Prozent der befragten Versicherer planen mit dem Einsatz eigener Regulierer die Schadensteuerung für den Kunden zu übernehmen, um den Aufwand so zu reduzieren.

Trotz aller Anstrengung wird das Sanierungsthema die Branche noch weitere Jahre beschäftigen, ergab die Befragung. Vor allem die schrittweise Aktualisierung der bestandswirksamen Bedingungswerke und nachfolgende Beitragserhöhungen dauern ihre Zeit. Ebenso versucht man sich von nicht profitablen Beständen zu trennen. Doch auch das dauert: 42 Prozent weisen noch hohe Bestände an Altverträgen aus, die sie nur schleppend reduzieren können.

Über 80 Prozent der Versicherer betrachten den Markt als „hart“ und gehen von einem geringeren Preis- und somit Verdrängungswettbewerb im Privatkundenmarkt aus. rockwell67 erwartet daher weitere Beitragsanpassungen. Elfgen sagt: „Die Zeit, in der Versicherer die Sparte mit offensiver Preisgestaltung als Schlüssel zur Gewinnung neuer und ausbaubarerer Kundenbeziehungen nutzten, scheint der Vergangenheit anzugehören.“

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