Steht im Zentrum der Kritik der Deutschen Aktuarvereinigung: Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa, hier die Zentrale in Frankfurt. © dpa/picture alliance
  • Von Lorenz Klein
  • 17.11.2020 um 20:53
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Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat sich kritisch zum Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) geäußert. Die Auswirkungen des Programms auf den Kapitalmarkt sollten näher untersucht werden, fordert die DAV im Zuge der Überprüfung des EU-Aufsichtsregime Solvency II – und tadelt zugleich die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa.

Solvency II, das europäische Aufsichtsregime für Versicherer, soll demnächst im Rahmen eines „Reviews“ überprüft und gegebenenfalls nachjustiert werden. Vor dem Hintergrund der anstehenden Untersuchungen hat sich nun die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) mit kritischen Worten an die europäische Versicherungsaufsicht (Eiopa) und die EU-Kommission gewandt – der DAV geht es dabei im Kern um das umstrittene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB).

Konkret fordern die deutschen Aktuare am Dienstag in einer Mitteilung, „die Auswirkungen der EZB-Anleihenankaufprogramme auf die Funktionsweise des Kapitalmarktes beim Review des europäischen Aufsichtsregimes Solvency II eingehend zu untersuchen“.

Der Appell geht einher mit deutlicher Kritik an der europäischen Versicherungsaufsicht:

„Bislang hat die Eiopa die seit geraumer Zeit zu beobachtenden Kapitalmarktverwerfungen in ihrem Konsultationspapier komplett außer Acht gelassen und geht weiterhin von einem freien, funktionierenden Markt aus“, wird der stellvertretende DAV-Vorstandsvorsitzende, Herbert Schneidemann, in der Mitteilung zitiert.

Dieser Einschätzung seitens Eiopa widerspreche die DAV, heißt es, da die EZB „als übermächtiger Käufer am Markt agiere und dadurch die anerkannten Kapitalmarkttheorien außer Kraft setze“.

Sorge vor „grundlegend falschen Annahmen“

Damit werde Solvency II „teilweise das Fundament entzogen und künftige Prognoserechnungen beruhen auf grundlegend falschen Annahmen“, kritisiert Schneidemann. So würde durch die billionenschweren EZB-Ankaufprogramme die wichtige Zinsstrukturkurve auf Dauer „künstlich nach unten gezogen“, obwohl die Programme bereits in einigen Jahren auslaufen sollen.

Solvency II gehe aber davon aus, so Schneidemann weiter, dass die EZB in den kommenden 50 Jahren diese Politik aufrechterhalte. Entsprechend müssten die Versicherungen deutlich höhere Rückstellungen als nötig bilden – mit negativen Auswirkungen auf die Solvenzquoten. Diese „systemwidrige Verzerrung der Marktlage“ könne weder im Interesse der Politik noch der Kunden sein, für die die Solvenzquoten wichtige Indikatoren seien, führt der DAV-Chef aus.

DAV warnt vor Vertrauensverlust in Solvency II

Vor diesem Hintergrund spreche sich die DAV dafür aus, die Auswirkungen der EZB-Politik im Review von Solvency II „genau zu untersuchen und Sondereffekte auch gesondert zu bewerten“. Ansonsten drohe das Vertrauen in das „seit 2016 sehr gut funktionierende Aufsichtsregime verloren zu gehen“, warnt Schneidemann.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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