Verglichen mit der betrieblichen Altersversorgung (bAV) führe die noch recht junge bKV-Sparte bislang ein „Nischendasein“ in Deutschland, berichtet das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Heute und Morgen auf Basis einer Umfrage unter 300 Unternehmensverantwortlichen aus kleinen, mittleren und großen Betrieben. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem auf betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) spezialisierten Beratungsunternehmen Schedding durchgeführt.

42 Prozent der Betriebe wissen laut der Umfrage bis heute nicht einmal von der Existenz der betrieblichen Krankenversicherung. Immerhin können sich aber rund 40 Prozent der Unternehmen, die bisher noch keine bKV anbieten, zumindest vorstellen, eine entsprechendes Konzept einzuführen; 8 Prozent planen dies sogar konkret binnen der kommenden zwölf Monate. Besonders abschlussaffin seien vor allem Unternehmen, die im Bereich Gesundheitsmanagement „bereits nachhaltig aktiv sind“ und unter betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) „mehr als nur ‚Salatbar‘ oder ‚Obstkorb‘ verstehen“, berichten die Studienautoren.

Zuwächse konnten den Angaben zufolge vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen sowie speziell in solchen Unternehmen erzielt werden, die bereits ein systematisches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) etabliert haben. Auch die Mitarbeiter in den Unternehmen zeigen laut Heute und Morgen „hohes Interesse an der bKV“ – gleichwohl sei auch hier der Kenntnisstand bisher allerdings „noch gering“.

„Beratungskompetenzen und Angebote in den Bereichen BGM und BGF aufzubauen, erscheint für die Versicherer ein zukunftsweisender Vertriebsansatz, der dann auch als Türöffner für die bKV zu nutzen ist“, kommentiert Tanja Höllger, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen, die Studienergebnisse. Noch würden die Potenziale hier deutlich unterschätzt, findet Höllger.

Bei psychischen Erkrankungen ansetzen

Die Marktforscherin empfiehlt den Versicherern dabei, dass „isolierte und kleinteilige Verkaufsargumentationen“ zur bKV der Vergangenheit angehören sollten. „Vergleichbar mit manchen Pharmafirmen sollten Krankenversicherer und Vertrieb stärker auf integrierte Gesundheitsberatung und Gesundheitsdienstleistungen statt auf reinen Produktverkauf setzen“, so Höllger.

Gerade vor dem Hintergrund der „deutlichen Zunahme krankheitsbedingter Fehlzeiten aufgrund psychischer Überlastungen und Erkrankungen“ sei ein großes und akutes Handlungsfeld entstanden, das in seiner Entwicklung und Umsetzung noch „in den Kinderschuhen“ stecke. Generell bestehen laut der Autoren in den Unternehmen deutliche Defizite in puncto Sensibilität und Umsetzung von Maßnahmen, um psychische Belastungen zu reduzieren; nur 16 Prozent böten solche bisher aktiv an.