Die Prämien aus den gewerblichen Sachversicherungen reichen nicht aus, um die Verluste durch die Lockdowns zu decken, so die Sicht einer Schweizer Studie. © picture alliance/ SvenSimon/ Frank Hoermann
  • Von Manila Klafack
  • 29.10.2020 um 12:31
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Die weltweiten Kosten einer Pandemie sind für Sach- und Haftpflichtversicherungen klassischer Prägung nicht zu schultern. Wie eine Studie aus der Schweiz zeigt, stehen den extrem hohen Aufwänden vergleichsweise geringe Einnahmen für entsprechende Policen gegenüber. Regierungen und Versicherer seien gefragt, Lösungen zu finden, so die Autoren.

Während Lebens- und Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit einer Pandemie, wie derzeit, versicherbar sind, sieht das bei Sach- und Haftpflichtversicherungen ganz anders aus. Um die prognostizierten weltweiten Verluste aufgrund der Corona-Pandemie allein für das Jahr 2020 zu bewältigen, müssten 150 Jahre lang Prämien für die Betriebsunterbrechungspolice (business interruption police) gezahlt werden.

Zu dieser Schlussfolgerung gelangt die Studie „Eine Untersuchung zur Versicherbarkeit des Pandemierisikos“ (An Investigation into the Insurability of Pandemic Risk) der Schweizer Geneva Association in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen.

Demnach wird die Pandemie die Volkswirtschaften weltweit voraussichtlich mehr als 4 Billionen US-Dollar kosten. Die jährliche Prämie von allen Sach- und Haftpflichtversicherungen weltweit betrage gerade einmal 1,6 Billionen US-Dollar und nur 30 Milliarden entfallen auf die Betriebsunterbrechungsversicherung.

Nachhaltige Lösungen finden

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Pandemie eine massive Deckungslücke bei den Risiken für die Geschäftskontinuität aufgedeckt hat“, stellt Jad Ariss, Geschäftsführer der Geneva Association, fest. „Wir müssen nachhaltige Lösungen finden, die die potenziellen Beiträge der Branche erschließen und gleichzeitig ihre Zahlungsfähigkeit und Rentabilität aufrechterhalten.“ 

„Pandemiebedingte Geschäftsverluste sind nicht mit den grundlegenden, allgemein anerkannten Kriterien für die Versicherbarkeit vereinbar. Anders als Risiken wie zum Beispiel Naturkatastrophen treten sie weltweit auf und sind daher nicht diversifizierbar“, ergänzt Kai-Uwe Schanz, Forschungsleiter bei der Geneva Association und Hauptautor des Berichts. Regierungen und Versicherungen müssten demnach dringend die richtigen Modalitäten ihrer Zusammenarbeit konzipieren, um sich auf extreme Risiken wie Pandemien einzustellen, so der Appell der Wissenschaftler.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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