D&O-Studie Insolvenz größtes Haftungsrisiko für Manager

Vorstände und Geschäftsführer können laut Studie für vielfältige Entscheidungen im Vorfeld einer Insolvenz zur Rechenschaft gezogen werden.
Vorstände und Geschäftsführer können laut Studie für vielfältige Entscheidungen im Vorfeld einer Insolvenz zur Rechenschaft gezogen werden. © dpa/picture alliance

Die Firma ist pleite und der Geschäftsführer muss sich den unangenehmen Fragen des Insolvenzverwalters stellen – ein Szenario, dass viele Manager in Deutschland fürchten. Die Mehrheit (57 Prozent) von ihnen ist laut einer aktuellen Umfrage der Ansicht, dass heute die meisten Schadensfälle durch Managementfehler auf Ansprüche von Insolvenzverwaltern zurückgehen. Trotzdem treffen viele Unternehmen keine Vorkehrungen.

03.04.2017 12:42  Drucken

Dass heutzutage die meisten D&O-Schadensfälle auf Ansprüche von Insolvenzverwaltern zurückgehen, meinen 57 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer in Deutschland – 2015 sagten das in einer vergleichbaren Umfrage nur 51 Prozent der Manager – das berichtet zumindest der Kölner D&O-Versicherer VOV, der 200 Geschäftsführer deutscher Unternehmen zum Thema „Managerhaftung 2017“ befragen ließ.

Andere Gründe für D&O-Haftungsfälle werden demnach deutlich seltener genannt, beispielsweise dienstvertragliche Auseinandersetzungen (44 Prozent), Unternehmensschaden durch Kalkulationsfehler (33 Prozent), Nichtbeachtung von Compliance-Vorschriften (28 Prozent) oder Ansprüche im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen (26 Prozent).

Pflichtverletzung von Managern unter der Lupe

„Im Laufe der letzten Jahre ist es zur Gewohnheit geworden, bei Insolvenzen grundsätzlich eine Pflichtverletzung der Manager und damit ihre persönliche Haftung anzunehmen", sagt Diederik Sutorius, Geschäftsführer von VOV. Unternehmen müssten sich zudem darauf einstellen, dass Haftungsansprüche von Gläubigern gegen das Top-Management immer häufiger juristisch durchgesetzt würden, so Sutorius. „Gegebenenfalls auch die Haftung der Manager mit ihrem Privatvermögen“, warnt der VOV-Geschäftsführer.

Vorstände und Geschäftsführer könnten demnach „für vielfältige Entscheidungen im Vorfeld einer Insolvenz zur Rechenschaft gezogen werden“, heißt es seitens des D&O-Versicherers. Der Haftungsfall könne beispielsweise eintreten, wenn verantwortliche Manager noch Rechnungen bezahlten, obwohl das Unternehmen bereits insolvenzreif sei.

Frühwarnsystem nur in knapp jedem dritten Unternehmen vorhanden

Zugleich haben der Studie zufolge viele Unternehmen bisher keine Vorkehrungen zur Insolvenzvermeidung getroffen. Ein Notfallplan existiert demnach in 44 Prozent der Unternehmen, ein Frühwarnsystem ist noch seltener anzutreffen (31 Prozent). 26 Prozent der Befragten vertrauen laut Studie darauf, dass sie rechtzeitig von ihrem Steuerberater gewarnt werden. Fast genauso viele Manager (24 Prozent) sind sicher, dass ihre Bank sie „nicht fallen lassen“ würde.

Die Mehrheit der Geschäftsführer sei dabei grundsätzlich bereit, Risiken in Kauf zu nehmen: 60 Prozent würden sich auch künftig bei einer geschäftlichen Entscheidung von den wirtschaftlichen Chancen für ihr Unternehmen leiten lassen. Dafür wären sie auch bereit, Compliance-Vorschriften zurückzustellen. Allerdings hat die Risikobereitschaft laut VOV etwas abgenommen. 2015 hatten noch 66 Prozent der Manager diese Aussage gemacht.

Pfefferminzia HIGHNOON