„Uns geht's ja noch gold“, betitelte der Schriftsteller Walter Kempowski seinen autobiographischen Familienroman, der im Nachkriegsdeutschland von 1945 das von Umbruch und Unsicherheit geprägte Leben in seiner Heimatstadt Rostock beschreibt.  

Gemessen daran, geht es der sogenannten Generation Mitte im heutigen Deutschland so gut, dass jeder Vergleich absurd erscheinen würde. Und doch haben natürlich auch die derzeit 30- bis 59-jährigen Bundesbürger, die ausschließlich friedliche Zeiten kennen, Sorgen und Nöte – diese sind allerdings nicht per se materiell geprägt, sondern vor allem von als unsicher empfundenen Zeiten.

Massiver Vertrauensverlust in politische Stabilität Deutschlands

Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen drücken auf die Stimmung der Generation Mitte – so lautet eine wesentliche Erkenntnis der Autoren einer aktuellen Allensbach-Studie, die sich näher mit dem Denken und Handeln dieser Altersgruppe auseinandergesetzt hat.  

„Trotz der materiellen Zufriedenheit ist die Generation Mitte durch die weltweiten Krisen, den Verlust an politischer Stabilität in Deutschland und die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas zutiefst verunsichert“, sagte Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin. Die Studie wird bereits seit 2013 jedes Jahr vom Versicherungsverband GDV in Auftrag gegeben.

Innerhalb von drei Jahren sei das Sicherheitsvertrauen in die politische Stabilität in Deutschland von 49 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 27 Prozent erodiert, berichten die Autoren.

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach 

Glückliche Zeiten? Naja...

Darüber hinaus halten zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) den gesellschaftlichen Zusammenhalt für schwach oder sehr schwach – eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2016, wie die Autoren bemerken: Damals hatten bereits 56 Prozent einen schwachen Zusammenhalt diagnostiziert. Die Generation Mitte ist demnach der Meinung, dass die Gesellschaft „materialistischer, egoistischer und intoleranter“ wird. Nur ein Drittel der 30- bis 59-Jährigen ist überzeugt, heute in einer glücklichen Zeit zu leben. 42 Prozent halten die Zeiten sogar für ausgesprochen schwierig.