Studie der Universität St. Gallen Marktvolumen von ILS wird sich verdoppeln

Ausbruch des Mount Sinabung am 25. Juni 2015 auf Sumatra: Katastrophenrisiken wie Vulkanausbrüche, Hurrikane oder Flutwellen sind bislang die am häufigsten per ILS gehandelten Versicherungsrisiken.
Ausbruch des Mount Sinabung am 25. Juni 2015 auf Sumatra: Katastrophenrisiken wie Vulkanausbrüche, Hurrikane oder Flutwellen sind bislang die am häufigsten per ILS gehandelten Versicherungsrisiken. © Getty Images

Die Universität St. Gallen hat eine Studie zu Bekanntheit, Marktanteil und zukünftiger Entwicklung von Insurance Linked Securities veröffentlicht. Fazit: Der Handel mit verbrieften Versicherungsrisiken ist rasant auf dem Vormarsch und hält für Investoren interessante Möglichkeiten parat.

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Sogenannte Insurance Linked Securities (ILS) sind festverzinsliche Wertpapiere, die Versicherungsrisiken verbriefen. Versicherungen verkaufen auf diese Weise Teile ihrer Risiken, um sich zu refinanzieren.

Insurance Linked Securities sind eine hoch spezialisierte Anlageklasse und fristen ihr Dasein bislang eher als Nischen-Anlage. Einige wenige Spezialisten dominieren den Markt. In Zeiten der allgemeinen Zinsflaute entdecken allerdings immer mehr Investoren die Vorteile dieser Assetklasse für sich: Sie verspricht hohe Erträge und ist dazu vom Restmarkt weitgehend unabhängig.

Die Universität St. Gallen hat jetzt eine Studie zum Thema herausgegeben: „Insurance Linked Securities: Trends, Herausforderungen und Marktchancen“. Die Studie testete das Wissen potenzieller Investoren über ILS und bat sie um eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung. Außerdem untersuchte sie die genauen Summen, die Investoren in diesem Bereich angelegt haben. Die Studienleiter erhofften sich auf diese Weise belastbare Prognosen zur weiteren Marktentwicklung von ILS.

Asset-Klasse ILS auf dem Vormarsch

Das Marktvolumen von ILS wird sich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln, sagten die befragten Investoren voraus – von zurzeit geschätzten 44,7 auf dann 87,3 Milliarden US-Dollar. ILS gewönnen für Anleger an Attraktivität, da sie hohe Renditen in Aussicht stellten.

Aktuell haben zwei Drittel der Befragungsteilnehmer in ILS investiert oder planen ein Investment in naher Zukunft. Durchschnittlich 1,7 Milliarden Dollar hatte ein durchschnittliches Portfolio hier bereits angelegt. Tendenz steigend: Alle Befragten gaben an, ihr Engagement in ILS zukünftig noch ausbauen zu wollen. Zusammen streben sie eine Steigerung der Investitionssumme um 9,5 Prozent auf dann 1,9 Milliarden Dolllar je Portfolio an.

Die Studie benennt allerdings auch einen Hemmschuh bei ILS-Investitionen: Die Produkte sind in Aufbau und Bewertung sehr komplex. Hier fehlt es Investoren mitunter an Wissen. Hohe Transaktionskosten und regulatorische Unsicherheiten stellen ein zusätzliches Hemmnis dar.

Weitere Marktchancen

Das Feld der Risiken, die per ILS bislang gehandelt werden, ist relativ schmal. Das Hauptgewicht liegt auf der Absicherung von Risiken durch Großkatastrophen, wie eine Grafik der Studie eindrucksvoll zeigt:

Diese Risiken berücksichtigten ILS-Emissionen 1994 - 2013 (Volumen: 59,2 Milliarden US-Dollar)


Quelle: Clear Path (2014)

Es gibt zahlreiche Risiken, die bislang noch gar nicht berücksichtigt wurden und die sich ebenso für die Verbriefung eignen würden, gibt die Studie einen Ausblick auf eine mögliche Weiterentwicklung des Marktsegments. Großes Potenzial sehen Experten beispielsweise in den Bereichen „Run-off“ und „High Frequency“.

Top-Trends für ILS

Für die nächsten fünf Jahre hat die Studie mehrere Trends identifiziert: Sie sieht die Zahl von ILS-Investmentfonds ansteigen. Die Fonds werden zukünftig vermutlich schlankere Strukturen haben und immer stärker in Konkurrenz zu den traditionellen Rückversicherungen treten. Der Preiswettkampf in diesem Sektor wird zunehmen, sagen die Experten voraus.

Für die Studie wurden 56 potenzielle Investoren aus 15 Ländern befragt. Sie kommen vor allem aus den Bereichen Hedge-Fonds, ILS-Fonds, Pensionsfonds und Vermögensverwaltung.
Pfefferminzia HIGHNOON