GDV-Präsident Wolfgang Weiler, hier im Januar 2019 bei der Jahrespressekonferenz des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). © picture alliance/dpa | Christoph Soeder
  • Von Lorenz Klein
  • 02.03.2022 um 16:46
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Kühl und nicht empathisch – bei vielen Menschen stieß die erste Stellungnahme des Versicherungsverbands GDV zur russischen Invasion in der Ukraine auf Unverständnis. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen drückte darüber sein Bedauern aus – und Verbandspräsident Wolfgang Weiler betont nun, dass die Hilfsaktionen der Branche „vielfältig und umfangreich“ seien.

„Die russische Armee hat das Nachbarland Ukraine angegriffen. Die Invasion bedeutet Krieg mitten in Europa, Leid für die Bevölkerung und zieht zahlreiche Sanktionen des Westens sich. Für die Versicherungsbranche gilt: We #standwithUkraine“ – mit diesen deutlichen Worten hat sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf seiner Website zum völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine geäußert.

Zur ganzen Geschichte gehört allerdings, dass die Verurteilung des russischen Einmarsches durch den GDV in der ersten Stellungnahme gegenüber der Presse noch nicht auftauchte. So lautete die Mail, die Pfefferminzia am 24. Februar um 12:05 Uhr über den Medienverteiler des GDV erhielt, so:

Zur Eskalation in der Ukraine erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer (GDV), in einer ersten Einschätzung:

Der Krieg in der Ukraine hat für die deutschen Versicherer nur geringe direkte wirtschaftliche Auswirkungen, da sie kaum in der Ukraine und in Russland engagiert sind. Die Auswirkungen von Kriegen auf die internationalen Kapitalmärkte sind kurzfristig oft stark, aber selten langfristiger Natur. Abzuwarten bleiben die Auswirkungen durch die absehbaren Wirtschafts- und insbesondere Finanzsektorsanktionen. Gesamtwirtschaftlich und damit auch indirekt auf die deutschen Versicherungen wirken die erhöhten geopolitischen Unsicherheiten und höheren Energie- und Nahrungsmittelpreise belastend.“

Asmussen verbreitete diese nüchtern aufgeschriebene Stellungnahme am Tag des Kriegsbeginns auch auf Twitter (siehe unten) – und erntete dafür umgehend Kritik: „Glauben Sie ernsthaft, das interessiert jetzt jemanden? Es ist stillos!“, entgegnete ein Nutzer der Plattform. Ein anderer schrieb: „Diese Stellungnahme des Verbandes schockiert mich und macht mich fassungslos.“ Dass der Tweet „beschämend unempathisch“ sei, kritisierte ein dritter Nutzer.

Auf der Netzwerk-Plattform LinkedIn (nicht jedoch über Twitter) drückte Asmussen am Freitag schließlich sein Bedauern aus:

Lessons learned. Ich und damit der GDV als großer Wirtschaftsverband wurden gestern kritisiert, wie wir uns zu den ökonomischen Folgen des Ukraine-Kriegs geäußert haben. Zu der vorläufigen Kurzanalyse stehe ich weiterhin. Aber was in diesem Statement nicht deutlich wurde wir verurteilen diesen Angriffskrieg und unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine. Das hätten wir deutlicher sagen müssen. Ich bedaure, dass ein falscher Eindruck entstanden ist.“

„Zahlreiche Initiativen an Hilfsaktionen für die Menschen in der Ukraine“

Dass der Verband tatsächlich aus dieser Kommunikations-Panne gelernt zu haben scheint, zeigt eine aktuelle Stellungnahme, die GDV-Präsident Wolfgang Weiler am Mittwoch auf der Verbands-Website abgab:

Die Invasion der russischen Armee in der Ukraine bezeichnete Weiler danach als „schockierend“, sie stelle eine „Zäsur für Europa“ dar. Und weiter: „Es ist ein Angriff auf Freiheit und Demokratie. Die Invasion bedeutet Krieg mitten in Europa und großes Leid für die Bevölkerung. Solidarität, Vertrauen und Zusammenhalt sind die wichtigsten Werte in Europa. Für unsere Versicherungsbranche gilt: We #standwithUkraine.“

Um das zu untermauern, verwies Weiler auf „zahlreiche Initiativen an Hilfsaktionen für die Menschen in der Ukraine“, an der sich die deutschen Versicherer und ihre Beschäftigten beteiligten. So hätten zahlreiche Unternehmen „bereits selbst gespendet und/oder Sammelaktionen unter ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gestartet. Das Volumen geht bereits jetzt in den zweistelligen Millionenbereich“, wie es seitens des GDV hieß.

Dazu Weiler: „Die Hilfsbereitschaft der Versicherer und ihrer Beschäftigten beeindruckt mich sehr. Die Ukrainer und Ukrainerinnen verdienen in dieser für sie schweren Stunde jede Unterstützung.“ Und: Der Verband habe unter seinen Mitarbeitern ebenfalls eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Zugleich rief der GDV dazu auf, Hilfsaktionen der Branche auch über die sozialen Kanäle unter dem Motto „We #standwithukraine“ zu teilen.

Und auch Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen griff die Äußerungen Weilers auf Twitter auf – man darf auch diesmal gespannt sein auf die Reaktionen.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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