Wer für sein Alter vorsorgen möchte, ist mit der anhaltenden Niedrigzinsphase konfrontiert, die viele klassische Sparformen unrentabel werden lässt. Die im Jahr 2002 im Zuge des Altersvermögensgesetzes eingeführte Riester-Rente lockt hingegen mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen und lässt sich in verschiedenen Formen abschließen.

Doch die Riester-Rente ist seit Jahren schwer unter Beschuss: Zu hohe Kosten und viel zu viel Verwaltungsaufwand sind nur zwei der typischen Kritikpunkte. Und die Dauer-Kritik zeigt Wirkung: Die Zahl der abgeschlossenen Riester-Verträge stagniert bei 16 Millionen Stück. In Deutschland gibt es folglich mehr Menschen, die nicht riestern, als Menschen, die riestern.

Pfefferminzia befragte Malte Wolter, Gruppenleiter Produktmanagement der Condor Leben, zu den Vorurteilen, die Makler zur Riester-Rente besonders häufig hören und bat ihn um eine Stellungnahme.

Vorurteil 1: Riester ist zu teuer konzipiert. Die Provisionen der ersten zehn Jahre fressen die Zulagen komplett auf.

„Nein, das ist zu pauschal. Dass Riester teuer ist, hat weniger mit den Provisionen als mit der Komplexität zu tun. Beratung muss auch bezahlt werden. Zulagen hängen von der Höhe des Beitrags ab. Wenn Sie hohe Zulagen bekommen, trifft die Aussage nicht zu. Riester ist aber relativ komplex in seiner Gesamtausrichtung, weil man versucht hat, alles Mögliche an Gerechtigkeit hineinzupacken. Das macht Riester in der Handhabung wirklich nicht einfach.“

Vorurteil 2: Riester ist nicht flexibel: Wer kündigt verliert immer.

„Das ist nicht wahr. Sie haben bei der Riester-Rente eine Beitragsgarantie. Das heißt, alles, was je hineingegangen ist, bekommen Sie am Ende auch wieder heraus. Man kann dort nichts verlieren. Anderswo kann man vielleicht mehr gewinnen und hat dann Opportunitätskosten und höhere Risiken, aber verlieren kann man mit der Riester-Rente nichts.“

Vorurteil 3: Die Garantie kostet Performance: Die Niedrigzinsen verhindern attraktive Aktienrenditen.

„In der Tat, Garantien kosten Geld und in der Regel bezahlt man sie damit, dass man nicht vollständig am Aktienmarkt investiert ist. Das ist auch bei der Riester-Rente so. Durch die Beitragsgarantie kann ich nicht voll in Aktien gehen. Aber wenn Geld in 20 Jahren vorhanden sein soll, kann ich auch nicht mit meinem ganzen Vermögen ins Spielcasino gehen. Die Riester-Rente hat schon die richtige Mischung aus Chance und Garantie.“

Vorurteil 4: Die Vererbbarkeit ist eingeschränkt: Der Tod des Sparers vernichtet das Sparguthaben.

„Nein, bei der Riester-Rente gibt es einen Übergang an berechtigte Hinterbliebene genauso wie bei der gesetzlichen Rente auch. Einzig wenn Sie „frei vererben“ möchten ist die staatliche Förderung dann weg, sie wird im Nachgang abgezogen. Wenn Sie Riester schädlich verwenden, und ein Erbfall gilt als solche schädliche Verwendung, müssen Sie den Steuervorteil zurückgeben. Der Staat zahlt nur bedingt für die Angehörigen. Das ist fair.“

Vorurteil 5: Nur für den, der steinalt wird, rechnet sich die Riester-Rente wirklich.

„Das ist zu pauschal. Was ist steinalt? Prinzipiell ist es aber richtig, dass bei einer Rentenversicherung diejenigen profitieren, die lange leben, gegenüber denen, die früh sterben.“ Von der Sicherheit, auch in sehr hohem Alter abgesichert zu sein profitieren alle gleichermaßen.

So viel zu den Vorurteilen. Manche treffen zu, und manche nicht. Wie könnte man das Riester-Produkt nun verbessern?

Zum 1. Januar 2018 sind erstmals seit der Einführung der Riester-Rente Reformen in Kraft getreten. Sparer erhalten neben der Erhöhung der Grundzulage und einem neuen Freibetrag in der Grundsicherung auch den Verzicht auf die bisher übliche Doppelverbeitragung in der GKV. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil man dadurch den Bedarf an Altersversorgung anpassen kann. Aber das ist noch nicht genug“, sagt Produktmanager Wolter. Es fehle die Möglichkeit, Förderhöhen und -möglichkeiten zu dynamisieren. Auch die Beitragsgarantie – ein Eckpunkt der Riester-Rente – sieht Wolter nicht in Stein gemeißelt.

„Wenn sich an den Zinsen nichts ändert, werden die Garantiekosten mit der Zeit einfach zu teuer.“ Sein Vorschlag: Die Beitragsgarantie für die Ansparphase verringern, dafür für die Rentenphase feste Garantien einzuziehen. „Diese Garantien müssen dann so ausgestaltet sein, dass der Kunde eine echte Absicherung seiner Langlebigkeit erhält.“