Ein Auto steht auf dem Parkplatz eines Carsharing-Anbieters: Mit Kurzzeitpolicen lässt sich unter anderem die Selbstbeteiligung bei Schäden an Carsharing-Autos versichern. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Hendrik Schmidt
  • Von Lorenz Klein
  • 24.01.2022 um 12:12
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Mal eben versichern nur für einen Tag? Das geht mithilfe sogenannter Kurzzeitversicherungen oder „situativer“ Policen. Welchen Schutz die Mini-Versicherungen bieten – und woran sich Kritiker stören.

Es sei das erste maßgeschneiderte Versicherungsprodukt für Fans des FC Bayern München, prieß die Allianz im Sommer 2014 ihren „einzigartigen Dreifach-Schutz“ an. Die Kurzzeitversicherung „Rund um den Arenabesuch“ erstattete den abschlusswilligen Fans die Hälfte des Ticketpreises, wenn sie eine halbe Stunde verspätet im Stadion eintrafen – selbstverständlich unverschuldet. Außerdem versprach die Allianz den versicherten Spielebesuchern bis zu 500 Euro für einen „im Trubel abhanden gekommenen“ Schlüssel – und drittens: Eine lebenslange monatliche Rente in Höhe von 250 Euro, wenn es nach einem „unachtsamem Stolpern“ im Gedränge zu einem Unfall mit schweren Folgen kommt. Kostenpunkt: 2 Euro pro Person und Spiel.

Das klingt nicht besonders teuer – doch ist das alles auch nützlich? Der Bund der Versicherten (BdV) hatte für ein derartiges Versicherungssammelsurium jedenfalls nur Spott übrig: „Der Verlust eines Schlüssels oder ein verpasstes Fußballspiel – selbst ein Spiel des FC Bayern München – sind ärgerlich. Versicherungsschutz ist dafür jedoch völlig überflüssig“, ulkte Laudator Peter Schütt vor sechs Jahren anlässlich der „Auszeichnung“ der Allianz mit dem Negativpreis „Versicherungskäse des Jahres“, der jedes Jahr vom BdV medienwirksam ausgelobt wird. Außerdem greife hier der Unfallschutz nur bei sehr schweren Verletzungsfolgen, monierte Schütt, und für derartige Fälle seien die Leistungen der Police „völlig unzureichend“. Ob die Kritik gewirkt hat? Der Link zum Produktabschluss führt heute jedenfalls ins Nirgendwo.

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Zuletzt sah sich mit der Bayerischen ein weiterer Versicherer aus München der Kritik von Verbraucherschützern ausgesetzt. Das Unternehmen hatte eine Unfallversicherung mit „kurzem Verfallsdatum“, wenn man so will, speziell im Hinblick auf das Oktoberfest und die Karnevalszeit vermarktet – jedenfalls bis das Coronavirus sein Unwesen trieb. Zu den Produktideen „Wiesn-Schutz“ und „Jecken-Schutz“ steht Andreas Buhre, Leiter Underwriting und Portfoliomanagement der Bayerischen, nach wie vor: „Grundsätzlich sind wir schon der Überzeugung, dass Kunden eine dauerhafte Unfallversicherung abschließen sollten – da dazu nicht jeder bereit ist, kann eine Kurzzeitversicherung aber ein guter Einstieg oder Übergang sein.“

Policen für Kurzentschlossene

Bei den Kurzzeitversicherungen der Bayerischen handle es sich um Angebote für Kurzentschlossene, „die sich unkompliziert und spontan via App direkt über ein Smartphone oder über eine Webseite für bestimmte tagesaktuelle Ereignisse absichern möchten“, erläutert Buhre das Konzept. Zwar habe man die erwähnten Event-Policen in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Pandemie und deren Auswirkungen nicht verkauft, anders sehe es aber beim Mobilitäts-Produkt „Mietwagen-Schutz“ aus.

Laut Bedingungswerk ist hier „die zu zahlende Selbstbeteiligung im Falle eines Haftpflicht- oder Kaskoschadens, bei der Nutzung eines Mietwagens zur Personenbeförderung (nur PKW!), bis maximal 1.000 Euro“ versichert. Beim „Drittfahrer-Schutz“ darf wiederum ein weiterer Fahrer für ein paar Tage ein fremdes Fahrzeug nutzen, ohne dass der Versicherungsnehmer diesen Fahrer in seiner Versicherungspolice angeben muss. „Der Absatz dieser Produkte wurde durch die Pandemie kaum beeinflusst“, sagt Buhre – ohne auf konkrete Verkaufszahlen einzugehen.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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