Eine Pflegerin kümmert sich um eine ältere Frau: Experten sprechen sie dafür aus, Assistenzkräfte in Altersheimen stärker einzubinden. © dpa/picture alliance
  • Von Juliana Demski
  • 26.02.2020 um 13:38
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Der demografische Wandel in Kombination mit dem Fachkräftemangel stellt die Pflegebranche vor große Herausforderungen. Laut einem aktuellen Gutachten gibt es in den Altenheimen Deutschlands bereits jetzt rund 120.000 Pflegekräfte zu wenig. Nun sollen Assistenzkräfte der Schlüssel zur Besserung sein.

In den deutschen Altenpflegeheimen wird der Fachkräftemangel immer stärker spürbar. Bereits jetzt wären eigentlich rund 120.000 zusätzliche Pfleger nötig, um eine angemessene Versorgung zu ermöglichen. Das zeigt ein Gutachten der Universität Bremen im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, über das „die Zeit“ berichtet.

Die genauen Zahlen der Untersuchung: Derzeit gebe es rund 320.000 Pflegekräfte in Deutschland – es bräuchte aber mindestens 440.000 von ihnen. Die Uni Bremen schätzt die jährlichen Kosten dafür auf rund 4 Milliarden Euro. Die Wissenschaftler hätten zum ersten Mal den in Pflegeheimen benötigten Personalschlüssel berechnet, berichtet die Zeitung.

Laut Gutachten ist die Großzahl der Pflegekräfte hierzulande überlastet. Die Folgen: erhöhter Krankenstand, mehr Teilzeitarbeit und ein verfrühter Ausstieg aus dem Beruf. Darunter leide auch die Pflegequalität, so die Wissenschaftler. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssten vor allem die Arbeitsbedingungen verbessert werden. „Wichtigstes Instrument hierfür ist die Anhebung der Pflegeschlüssel, um die Zahl der Beschäftigten pro pflegebedürftige Person zu erhöhen“, zitiert der Bericht aus dem Gutachten.

Die Wissenschaftler schlagen vor, dass eine Pflegekraft zukünftig im Schnitt für 1,8 Pflegebedürftige zuständig sein sollte. Bisher betrage die Quote 1 zu 2,5. Gehe man also von einem Heim mit 100 Bewohnern aus, dann müssten dort in Zukunft 55 statt der bisherigen 40 Pfleger arbeiten.

Assistenzkräfte stärker einbinden

Der Vize-Chef des Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, Gernot Kiefer, und der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sind laut der Zeitung trotzdem zuversichtlich gestimmt – zumindest was die Gewinnung von Assistenzkräften betrifft, deren Arbeit auf einfachere Tätigkeiten wie Hilfe beim Waschen oder Essen beschränkt wären. Hier gebe es noch keinen Mangel am Arbeitsmarkt, das gelte es auszunutzen.

Auf 100 gemeldete Stellen kämen statistisch gesehen 322 Bewerber. Zum Vergleich: Auf dieselbe Zahl an Stellenanzeigen für Pflegekräfte würden sich nur 38 Menschen bewerben. Die Verbandschefs fordern daher von der Regierung, die starren Vorgaben zum Anteil an Fachkräften in Pflegeeinrichtungen zu lockern.

Auch der Chef des Arbeitgeberverbands Pflege, Thomas Greiner, betonte laut Bericht: „Wir müssen die Vergeudung von Fachkompetenz schnell stoppen.“ Pflegefachkräfte sollten sich nicht mit einfachen Aufgaben wie der Hilfe beim Waschen oder Essen aufhalten. Diese könnten auch Assistenzkräfte erledigen.

Die Präsidentin des Sozialverbands VDK, Verena Bentele, warnte gegenüber der Redaktion der Zeit davor, dass zusätzliches Personal die Pflegebedürftigen noch stärker finanziell belasten könnte. „Pflege darf nicht überfordern und schon gar nicht arm machen“, so die VDK-Chefin. „Der Anstieg der Eigenanteile in der Pflege muss dringend gestoppt werden.“

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Juliana Demski

Juliana Demski ist Werksstudentin bei Pfefferminzia und unterstützt die Redaktion in der täglichen Berichterstattung.

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