Die Krankheitskosten steigen insbesondere in der Krankenhausversorgung teils massiv. Bereitet Ihnen das Sorge?

Hildebrandt: Nein. Es ist nun mal Teil des Leistungsversprechens der PKV, dass der medizinische Fortschritt automatisch mitversichert ist. Wenn dann noch eine neue Gebührenordnung für Ärzte hinzukommt, wird man sehen, welche Bereiche eine Auf- oder Abwertung erfahren. So ist zu erwarten, dass die Kosten in der Labortechnik runtergehen, bei ärztlichen Leistungen hingegen raufgehen. In Summe wird es wohl etwas teurer, aber das kann das System verkraften.

Bussert: Kosten sind  für alle Krankenversicherer ein Thema. Wir haben zum Beispiel eine sehr hohe Generika-Quote – und viele Versicherte mit chronischen Erkrankungen sind uns dankbar, wenn wir sie darauf hinweisen, dass es Medikamente gibt, die deutlich günstiger als die Originalpräparate sind, aber dieselben Wirkstoffe enthalten. Das kommt auch dem Versichertenkollektiv zugute. Wir fördern auch ganz entschieden den medizinischen Fortschritt – und dieser wird sich infolge der Digitalisierung sprunghaft weiterentwickeln. Dies wird die Kosten sicherlich erhöhen, sodass wir zusammen mit Krankenhäusern und Ärzten schauen müssen, wie wir die Kostenentwicklung auf einem vernünftigen Niveau steuern können.

Können E-Health-Angebote dazu beitragen, die Mehrausgaben zu dämpfen?

Bussert: Defintiv. Viele Erkrankungen, wie beispielsweise eine einfache Erkältung könnte man in Zukunft auch in einer Online-Sprechstunde behandeln. Dieser Hebel führt natürlich zu einer weiteren Effizienzsteigerung.

Taube: Die PKV-Unternehmen müssen sich schlichtweg zu Gesundheitsdienstleistern weiterentwickeln. Die Digitalisierung kann dabei auch zu einem engeren Kundenkontakt beitragen. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass wir als Branche in der Leistungsabrechnung bestimmte Bearbeitungsstandards einrichten und auch vermehrt Rechnungen dunkelverarbeiten ohne Zutun eines Sachbearbeiters. Das geht natürlich nicht mit jeder Rechnung, zum Beispiel dann nicht, wenn es um komplexe Behandlungen geht.

Wie hoch ist die Dunkelverarbeitungsquote bei der Gothaer?

Taube: Wir sind hier noch in den Anfängen. Es laufen aber bereits einige Projekte an. Unsere erfolgreich eingeführte Rechnungs-App ist hier ein wichtiger Baustein, und wir sind dabei, diese noch effektiver und kundenfreundlicher zu gestalten.

Bussert: Auch wir werden unsere Rechnungs-App noch in diesem Jahr erweitern, sodass dem Kunden die gesamte Leistungsabrechnung digital und auch datengesichert zur Verfügung gestellt werden kann. Ich finde es sehr spannend, dass bereits über 20 Prozent der Rechnungen über die App eingereicht werden. Und speziell bei der Dunkelverarbeitung sehe ich einen Riesenhebel: Über alle Krankenbereiche hinweg haben wir einen Automatisierungsgrad in der Leistungsabrechnung von 60 Prozent erreicht. Im Zahnzusatzbereich sind es sogar 80 Prozent. Dies birgt ungeheure Skaleneffekte, sodass man sich in Zukunft auch personalseitig ganz anders aufstellen kann.

Hertwig: Eine Rechnungs-App bietet Chancen und Risiken zugleich. Der Kunde erlebt dadurch seine Krankenversicherung viel direkter. Denn wenn Daten in eine App integriert werden können, dann werden unnötige Doppeluntersuchungen, wie mehrere Röntgenuntersuchungen, kaum noch auftreten.