Es diskutierten: Martin Bockelmann, xbAV; Henriette Meissner, Stuttgarter; Fabian von Löbbecke, HDI; Stefanie Alt, Nürnberger; Thomas Vietze, Continentale

Pfefferminzia: Inwieweit werden vertriebliche Belange in der neuen bAV-Welt berücksichtigt?

Henriette Meissner: Wer die Äußerungen von Arbeitsministerin Andrea Nahles aufmerksam verfolgt hat, wird den Eindruck haben, dass das Sozialpartnermodell als so attraktiv eingestuft wird, dass vertriebliche Anstrengungen kaum notwendig sein werden. Und eine Opting-out-Lösung, die ja nur im tariflichen Umfeld rechtssicher installiert werden soll, gibt ja einen Fingerzeig, wie man sich die Verbreitung der bAV in der Koalition vorstellt. Kurzum: Die neue bAV-Welt ist gedanklich so konzipiert, dass es keiner vertrieblichen Anstrengungen mehr bedarf – aber dahinter würde ich mal ein Fragezeichen machen.

Was würden Sie sich von den Tarifparteien künftig wünschen, Herr Bockelmann?

Martin Bockelmann: Es ist umgekehrt: Wir fragen die Tarifparteien, wie ihre Wünsche aussehen, um die Versorgungseinrichtung erfolgreich etablieren und verwalten zu können. Genau hierfür werden wir digitale Lösungen vorhalten. Dass sich die neuen bAV-Produkte durch niedrige Provisionen auszeichnen sollen, kündigte die SPD-Bundestagsfraktion im Dezember 2016 an. Wir gehen deshalb von weniger komplexen, dafür aber digital erlebbaren, zeitgemäßen Produkten aus. Wirtschaftlich gesehen, ergibt es Sinn, auf einfache Produkte mit weniger Optionen zu setzen.

Meissner: Dazu noch eine Anmerkung: Die ersten großen Unternehmen überlegen bereits, was sie tun müssten, um aus den Pensionszusagen herauszukommen, die sie ab 1. Januar 2018 neu gewähren müssen, das heißt, wie sie auf die neue garantiefreie bAV-Welt umstellen können – das „race to the bottom“ ist gewissermaßen bereits gestartet. Für den Arbeitnehmer ist das keine gute Nachricht.