Es ist ein ungeliebter Prozess: aufwendig, langwierig – und am Ende kommt nicht einmal garantiert etwas dabei rum. Die Rede ist von Risikovoranfragen in der Kranken- und Lebensversicherung sowie bei biometrischen Produkten wie der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).
An sich ist die Risikovoranfrage ein sinnvolles Instrument für Makler. Können sie auf diesem Wege doch erfahren, ob und zu welchen Konditionen ihre Kunden versicherbar sind. In der Praxis aber bedeutet es für alle Parteien viel Arbeit.



„Risikovoranfragen erreichen den Versicherer heute über vielfältige Kommunikationskanäle“, sagt Christoph Dittrich, Geschäftsführer der Softfair Analyse GmbH. Das Unternehmen bietet zusammen mit Levelnine die Risikovoranfrage-Plattform Riva an. „Die Sachbearbeiter erhalten zumeist Mails, in denen regelmäßig nur ausschnittsweise über den Gesundheitszustand des Versicherungsschutzsuchenden berichtet wird: ‚Ich habe hier einen Briefträger mit Rücken, nehmt ihr den?‘. Gleichzeitig sieht der Risikoprüfer in diesen Mails in der CC-Zeile häufig die Namen von Kollegen in 20 bis 30 Wettbewerbsunternehmen“, so Dittrich weiter. Das motiviere nicht gerade.

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Auch die Erfolgsbilanz der Risikovoranfragen ist nicht allzu rosig. Laut Angaben des Rückversicherers Munich Re bearbeiten alleine die Lebensversicherer pro Jahr durchschnittlich 20.000 bis 25.000 Voranfragen. Nur in rund 4 bis 10 Prozent der Fälle kommt es aber auch zu einem Abschluss. „Trotzdem kann der Versicherer hier nicht ausscheren und Annahme und Bearbeitung von Risikovoranfragen einfach einstellen“, sagt Dittrich. Das  Dilemma  lässt  sich  wohl  nie  ganz lösen, aber zumindest verbessern.

Gute Tools und Plattformen wie etwa Riva, Vers.diagnose oder E-Quot können dabei helfen, die Abläufe zumindest zu verschlanken. „Risikovoranfragen sind ein Prozess, bei dem viele Parameter fest sind. Jeder Makler weiß, welche Fragen zu stellen sind, wann zusätzliche Fragebögen notwendig werden, welche Versicherer er bei welchen Produkten anfragt“, sagt Versicherungsmakler Philip Wenzel. „Da kann eine Software schon helfen.“



Komplexe Fälle fallen raus

Wobei das tendenziell eher für die einfacheren Fälle gilt. „Wir nutzen diese Software extrem selten im Alltag“, meint Versicherungsmakler Tobias Bierl. „Der Grund liegt vor allem darin, dass wir vorzugsweise BU-Interessenten haben, die mit einer sehr umfangreichen Krankenakte zu uns kommen. Diese Anfragen kann man nicht mit ein paar Klicks beantworten.“

Auch die Versicherer haben Vorteile, berichtet Thomas Thomsen, Hauptabteilungsleiter Vertrag Barmenia Kranken und Leben: „Alle Angaben sind lesbar, die gewünschten Tarife sind korrekt vermerkt, Erkrankungen können hinreichend beschrieben werden, und Personen mit Ausschluss-Diagnosen werden nicht berücksichtigt. Rückfragen werden deutlich verringert und der Vertrieb produktiver.“