IVFP-Geschäftsführer Michael Hauer präsentierte am Montag in Berlin die Ergebnisse der Studie „Die Renditechancen der (fondsgebundenen) Riester-Rente im aktuellen Marktumfeld“. © IVFP
  • Von Lorenz Klein
  • 23.04.2018 um 17:20
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Die verpflichtende Beitragsgarantie bei Riester-Produkten sollte abgeschafft oder zumindest flexibilisiert werden. Das fordert eine aktuelle Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Der Grund: Die Beitragsgarantie reduziere das Angebot chancenreicher Produkte „dramatisch“, wie es heißt.

Auf den zweiten entscheidenden Faktor für die Renditechancen, das Zinsniveau, haben die Anbieter laut der Autoren keinen Einfluss. Einen Ausweg böte demnach der Verzicht auf die Garantie. Daher haben die Studienautoren in Simulationsverfahren mit 10.000 Kapitalmarktszenarien die Chance- und Risikokennzahlen für generische Riester-Produkte berechnet. Einmal für einen Riester-Tarif mit Garantie und einmal ohne. Das Resultat: Für eine 30-jährige Anspardauer brachte ein Tarif mit Garantie bei den Berechnungen nach den Standards der Produktinformationsstelle Altersvorsorge im derzeitigen Marktumfeld oftmals nur Ablaufleistungen, die knapp oberhalb der Garantiesumme lagen. Garantiefreie Tarife dagegen erzielten im Mittel ein um bis zu 64 Prozent höheres Kapital. „Ein Verzicht auf die Garantie erhöht demzufolge die Renditechancen stark“, fassen die Autoren zusammen.

Auch bei Produkten ohne Garantie sehen die Autoren eine (beherrschbare) Gefahr

Allerdings droht auch hier Ungemach: So bestehe auch bei Produkten ohne Garantie die Gefahr, dass am Ende weniger als die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Zugleich geben die Autoren in dieser Frage etwas Entwarnung: „Berechnungen mit Vergangenheitsdaten zeigten aber, dass die sehr schlechten Fälle aus den Simulationen in der Realität noch gar nicht vorgekommen sind“, heißt es. Das sei vor allem dann der Fall, wenn die Kapitalanlage weit gestreut werde, zum Beispiel durch ein globales Investment. Demnach gab es in der Vergangenheitsbetrachtung bei einem 30-jährigen Anlagezeitraum – mit Ausnahme von Japan, wie die Autoren ergänzen – keinen Fall, bei dem die Ablaufleistung geringer ausfiel als die eingezahlten Beiträge. „Eine Beitragsgarantie wurde also de facto gar nicht benötigt“, betonen die Wissenschaftler. Auch bei dem kürzeren Anlagehorizont von 20 Jahren seien in der Vergangenheit kaum Zeiträume aufgetreten, die zu einer negativen Rendite und damit zu einem teilweisen Verlust der eingezahlten Beiträge führten.

Im Ergebnis ihrer Untersuchungen schlagen die Studienautoren daher vor, die Beitragsgarantie auch bei der Riester-Rente flexibel zu gestalten. Dadurch würde ein Produktspektrum mit unterschiedlichen Chance-Risiko-Profilen entstehen. Die Altersvorsorgesparer könnten dann selbst entscheiden, ob sie für eine Beitragsgarantie erhebliche Einschränkungen bei der späteren Ablaufleistung in Kauf nehmen oder lieber ein Produkt mit einer höheren Rendite ohne Garantie wählen.

Durch diese Veränderung an der Produktgestaltung, so die Autoren, werde die Riester-Rente zukunftsfähig bleiben. Außerdem empfehlen sie laut DIA eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes. Mit beiden Maßnahmen könne einem weiteren Rückgang der Riester-Anbieter entgegengewirkt und die Wettbewerbsfähigkeit der Riester-Rente verbessert werden. Das komme letztendlich den Altersvorsorgesparern zugute, heißt es abschließend.

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Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

kommentare
Riestern lohnt sich wirklich nicht mehr
Vor 4 Monaten

[…] wurde die Studie deswegen von der Deutsche-Bank-Tochter DWS in Auftrag gegeben, die natürlich die Abschaffung der Beitragsgarantie fordert. Die Frage ist aber vielmehr, ob Riester nicht insgesamt eine Totgeburt ist. Die jüngsten […]

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[…] wurde die Studie deswegen von der Deutsche-Bank-Tochter DWS in Auftrag gegeben, die natürlich die Abschaffung der Beitragsgarantie fordert. Die Frage ist aber vielmehr, ob Riester nicht insgesamt eine Totgeburt ist. Die jüngsten […]

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