Riester GDV und ITA weisen Handelsblatt zurecht

Ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf falsche Rieste-Zahlen hereingefallen?
Ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf falsche Rieste-Zahlen hereingefallen?

Das Handelsblatt erklärt in seinem Artikel „Studie mit Fehlern“ dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf geschönte Riester-Zahlen herein gefallen ist. Hat die Zeitung nun selbst Fehler gemacht? Das meint zumindest das Institut für Transparenz (ITA), das die Studie zu Riester-Renditen erstellt hat. Es wirft dem Blatt „zum Teil falsche Aussagen“.

| , aktualisiert am 12.11.2014 10:46  Drucken

„Studie mit Fehlern: Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein“, so titelte das Handelsblatt Online seinen Artikel über eine Riester-Studie des Instituts für Transparenz (ITA). Darin werfen die Autoren dem ITA eine „fehlerhafte Kalkulation zur Rendite bei der staatlich geförderten Rentenversicherung“ vor, die sie aufgedeckt haben wollen. „Die tatsächlichen jährlichen Erträge des Altersvorsorgeprodukts sollen nach Kosten deutlich unter den 3,6 Prozent und mehr liegen, die im Dokument offiziell genannt werden“, schreiben die Journalisten. Auf den Fehler angesprochen, habe das ITA die Studie zurückgezogen und neue Zahlen präsentiert.

Stimmt nicht, meint das ITA. In seiner Stellungnahme wirft das Institut dem Handelsblatt „zum Teil falsche Aussagen“ vor und verlangt eine Gegendarstellung. Das Blatt habe die Schlussfolgerungen des Forschungsgutachtens „verschleiert und verdreht“.

Versehentlich vertauscht

„In der Studie wurde nichts schön gerechnet“, schreibt das Forschungsinstitut. Es seien lediglich ein paar Tabellen versehentlich vertauscht worden. Da aber keine Absicht dahinter stecke, sei die Bezeichnung „schön rechnen“ nicht angebracht.

„Die ursprünglichen Tabellen enthielten die Renditen berechnet auf die Eigenbeiträge, bei allen anderen Tabellen wurden die Renditen berechnet auf Eigenbeiträge und Zulagen dargestellt“, so das ITA weiter. Die Rendite auf die Eigenbeiträge beschreibe die Perspektive des Sparers. Von daher seien die berechneten Renditen nicht falsch, sondern lediglich aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Aus Sicht des Sparers, die nur die Eigenbeiträge berücksichtigt, liege die Rendite tatsächlich bei 3,6 Prozent, erklärt das ITA. Aus der Sicht des Staates hingegen, die auch die Zulagen berücksichtigt, sei es tatsächlich weniger, nämlich 2,89 Prozent.

ITA-Mitarbeiter haben den Fehler entdeckt

Des Weiteren bestreitet das ITA die Aussage, das Handelsblatt habe den Fehler aufgedeckt. So sollen Mitarbeiter des ITA den Fehler auf einen anderen Hinweis hin vorher entdeckt haben. Daraufhin hätten sie alles überprüft und die Tabellen ausgetauscht. Darüber habe das ITA die Handelsblatt-Journalisten vor Erscheinen des Artikels informiert.

Außerdem wehrt sich das ITA gegen die Behauptung, Institut und Finanzministerium hätten die Studie zurückgezogen, nachdem sie vom Handelsblatt auf den Fehler angesprochen wurden. Das ITA habe die Studie nicht zurückgezogen, sondern nur eine überarbeitete Fassung online gestellt, „in der lediglich Teilergebnisse in fünf Tabellen ausgetauscht wurden“. Es wurden laut ITA weder textliche Änderungen vorgenommen noch das Gesamtergebnis geändert.

Handelsblatt prüft den Gegendarstellungsanspruch des ITA

Nach dem ITA schaltete sich auch der Versicherungsverband GDV in den Streit ein. Ähnlich wie ITA verwies der Verband auf die unterschiedliche Berechnungsmethoden. Für den Verbraucher sei die Rendite auf seinen Sparbeitrag entscheidend, so der GDV. Diese liege bei 3,6 Prozent. Die andere, niedrigere Kennzahl, sei lediglich für den Staat interessant, der über eine Deckelung der Riester-Kosten entscheiden müsse.

Das Handelsblatt unterdessen zeigt sich von den Reaktionen wenig beeindruckt. „Wir prüfen derzeit formal den Gegendarstellungsanspruch des ITA“, erklärte der Chefredakteur auf Nachfrage. „Davon unabhängig halten wir inhaltlich in vollem Umfang an unserer Darstellung fest“.

Sollte sich das Handelsblatt für eine Gegendarstellung entscheiden, wäre es bereits das zweite Mal in diesem Monat. Schon Anfang August ruderte das Blatt bei seinem Artikel über das „geheime System“ der Debeka zurück.

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