Kennen Sie noch diesen Werbe-Gag: Mit geht’s es blendend. Mein Haus. Mein Boot. Mein Auto. Comedians nahmen damals Finanzberater und ihr Ego aufs Korn. Stellt sich die Frage, ob die Höhe von Umsätzen oder Gewinnen schon alles über den Erfolg aussagt.

Natürlich ist es sehr positiv, wenn eine Maklerfirma gute Gewinne erzielt. Gewinne sichern das Einkommen des Maklers als  Unternehmer, seiner Mitarbeiter und ermöglichen auch Rückstellungen für Investitionen.



Aber auch für den Fall des Verkaufs einer Maklerfirma oder eines Kundenbestands kann die Betrachtung der Erträge eine wichtige Verhandlungsposition zwischen Käufer und Verkäufer werden. Denn besonders bei renditeorientierten Käufern spielt der Ertrag beziehungsweise die Gewinnmarge eine bedeutende Rolle bei der Kaufpreisfindung.

Aus Gesprächen mit Maklern zu Gewinn, Ertrag und Marge sind aber immer wieder Unsicherheiten und Fragen zu diesem Themenkomplex zu erkennen. Deshalb soll diese Kolumne dazu etwas mehr Klarheit und Problembewusstsein bringen.

Reingewinn oder Gewinnmarge?

Natürlich ist ein hoher Gewinn zunächst etwas Positives. Aber die Höhe des Gewinns einer Maklerfirma wird immer in den Kontext anderer Kriterien zu bringen sein. Dazu gehören die Entwicklung der vergangenen Jahre, Faktoren zum Kundenbestand und auch betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Unternehmensgröße, Geschäftsmodell oder Kosten.  Was ist nun aber der Unterschied zwischen Reingewinn (Ertrag, Gewinn)  und einer Gewinnmarge?

In der Buchführung und der Finanzanalyse gibt es oft mehrere Arten, um ähnliche Konzepte oder Sachverhalte zu beschreiben. Es sind verschiedene Analyse-Ansätze, die von derselben Kennzahl ausgehen und zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Dem Analysten eröffnen sich aus den Kennziffern verschiedene Perspektiven auf das Unternehmen.

Der Kontext ist entscheidend

Für die Finanzanalyse ist ein höherer Reingewinn zunächst etwas Positives zum Unternehmen. Ein Maklerunternehmen mit 100.000 Euro Reingewinn generiert ganz offensichtlich höhere Gewinne als ein Unternehmen mit einem Reingewinn von 10.000 Euro. Aber das ist eben noch nicht alles.

Das Problem bei der Bewertung eines Reingewinns ist, dass es keinen Kontext zur Unternehmensgröße, der Effizienz oder den Kosten gibt. Deshalb ist es auch nicht zielführend, nur den Umsatz oder den Gewinn mit irgendeinem intransparenten Faktor zu multiplizieren und daraus dann einen Preis für den Kauf oder Verkauf zu bilden.

Daraus wird deutlich, dass weiterer Faktoren bedarf, um ein Unternehmen oder einen Bestand mit dem eines Konkurrenten oder etwa dem Branchendurchschnitt zu vergleichen. Einer dieser Faktoren kann die Analyse und Bewertung der „Gewinnmarge“ sein.