Stirbt der Sachbearbeiter bald aus? Die Versicherungsbranche gilt als besonders gefährdet in Bezug auf Jobverluste im Zuge der Digitalisierung (Symbolfoto). © dpa - Report
  • Von Lorenz Klein
  • 02.07.2019 um 03:56
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In keiner anderen Branche sind die Jobs durch die Digitalisierung so stark gefährdet wie bei Banken und Versicherungen. Zu dieser Einschätzung kommt das Beratungsunternehmen Sopra Steria Consulting auf Basis mehrerer eigener Studien.

Die Sorgen vor Jobverlusten bei Banken und Versicherern sind deutlich größer als in anderen Branchen. Das berichtet das Beratungsunternehmen Sopra Steria Consulting und beruft sich auf die Ergebnisse von drei eigenen Studien (Potenzialanalyse „Transformation erfolgreich managen“, Branchenkompass Insurance 2019 sowie Branchenkompass Banking 2018).   

Demnach schätzen zwei Drittel der Manager von Banken und Versicherungen (67 Prozent), dass durch die Digitalisierung die Zahl der Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen langfristig sinken wird. Zum Vergleich: In der verarbeitenden Industrie erwartet nur jeder vierte Entscheider unter dem Strich einen Wegfall von Arbeitsplätzen, bei Energieversorgern sowie in Behörden ist es jeder dritte.

Der Finanzsektor ist den Unternehmensberatern zufolge stärker als andere Branchen von einer Automatisierungswelle durch neue Technologien wie Robotic Process Automation, Blockchain, Data Analytics und Künstliche Intelligenz betroffen. Nach Ansicht von zwei Dritteln der befragten Managern von Versicherern wird die Nachfrage nach vollautomatisierten, digitalen Beratungsangeboten steigen. 60 Prozent wollen das Direktgeschäft über Online-Kanäle im Massengeschäft ausweiten. Versicherer Ergo plane beispielsweise perspektivisch, verstärkt Policen über Sprachassistenten zu verkaufen, wie die Sopra-Steria-Berater anmerken. 

„Enormes Automatisierungspotenzial zu Lasten der Versicherungsvermittler“

Während 63 Prozent der Manager im verarbeitenden Gewerbe im Zuge des Umbaus in Richtung Industrie 4.0 nicht mit weniger Beschäftigten insgesamt rechneten, schaut die Finanzbranche deutlich skeptischer in die Zukunft – und das zurecht, wie die Sopra-Steria-Berater finden: 

„Das enorme Automatisierungspotenzial im Finanzsektor geht stark zu Lasten der Bankberater, Versicherungsvermittler sowie der Mitarbeiter im Backoffice. Im Privatkundengeschäft lohnt sich die persönliche Anlageberatung erst ab einer gewissen Summe, die Zahlen der bei den Handelskammern eingetragenen Versicherungsvermittler sind rückläufig“, heißt es.

Und weiter: Die gut geschulten Spezialisten wichen auf das beratungsintensive Geschäft wie Private Banking und Betriebsversicherungen aus. „Insgesamt herrscht die Sorge, dass unter dem Strich mehr Tätigkeiten wegfallen als neue hinzukommen werden“, fassen die Analysten zusammen. Jobabbau-Programme der Konzerne, teilweise im vierstelligen Bereich, beförderten die Bedenken zusätzlich.

Zugleich steige der Bedarf an neuen Fachkräften im Finanzsektor an anderen Stellen signifikant, vor allem, was IT-Jobs betreffe. Banken und Versicherer investierten in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in den digitalen Umbau und gründeten dafür Digitallabore und eigene Softwarefirmen. „In denen entwickeln hunderte Mitarbeiter nicht nur Apps für Schadensmeldungen und die automatisierte Kreditvergabe. Sie arbeiten zudem an datengetriebenen Vertriebsansätzen für mehr Wachstum“, so die Sopra-Steria-Berater.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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