Einkauf mit Kreditkarte: Manchmal hängt eine Restschuldversicherung mit dran © picture alliance / Fotostand / Gelhot
  • Von Andreas Harms
  • 06.10.2022 um 13:11
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Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa hat dem Treiben eine Weile zugesehen. Doch jetzt wird es ihr offenbar zu bunt. Wenn Versicherer und Banken ihre Vertriebspraxis für Restschuldversicherungen nicht überdenken und ändern, gibt es Ärger.

Kräftiger Warnschuss der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa in Richtung Versicherer und Banken. Sie sollen die Art ändern, wie sie Restschuldversicherungen verkaufen, andererseits riskierten sie „aufsichtsrechtliche Maßnahmen“. Heißt auf Deutsch: Sie könnten Ärger bekommen.

Dabei schreibt die Behörde von sogenannten Kreditschutzversicherungsprodukten, auf Englisch Credit Protection Insurance Products. Diese Restschuldversicherungen (RSV) treten meist dann auf den Plan, wenn Banken Kredite vergeben. Sollten derart versicherte Kreditnehmer dann während der Kreditlaufzeit sterben, zahlt die RSV den noch offenen Restbetrag.

Dagegen hat die Eiopa grundsätzlich nichts einzuwenden, die Vorteile liegen auf der Hand. Doch jetzt hat sie sich angesehen, wie das in der Europäischen Union (EU) bei Hypotheken, Verbraucherkrediten und Kreditkarten so läuft. Dabei habe sie eine Reihe von Praktiken gefunden, die den Verbrauchern schaden könnten, teilt die Behörde mit. Eine kurze Übersicht davon zeigt sie in diesem (englischsprachigen) Video.

Folgendes sind demnach die Hauptprobleme:

Geringe Auswahl

Die Auswahl ist für die Verbraucher zu stark eingeschränkt, weil 83 Prozent der Banken die RSV an ihren Kredit koppeln. Dabei könnten Kreditnehmer theoretisch den Kredit mit einer beliebigen RSV verbinden. Doch das erwähnt mehr als die Hälfte der Banken gegenüber ihren Kunden gar nicht erst.

Enorme Unterschiede bei Preis und Qualität

Die Unterschiede zwischen den Produkten in Bezug auf Schutz, Bedingungen, Ausschlüsse, Gestaltung und Merkmale sind groß. Deshalb können Kreditnehmer sie nur schwer vergleichen und auswählen. Ebenso stark weichen die Preise voneinander ab.

Knebel-Bedingungen

Die Anbieter machen es ihren Kunden enorm schwer zu kündigen oder zu wechseln. Laut Studie verlangen 43 Prozent der Versicherer in solchen Fällen, dass die kreditgebende Bank zustimmt und bestimmte Bedingungen erfüllt sind. 70 Prozent der Versicherer lehnen es ab, dass die Versicherten die RSV-Police für einen neuen Kredit bei einer anderen Bank weiter nutzen.

(Zu) hohe Gewinne

RSV sind wohl eine sehr lukrative Angelegenheit – zumindest für die Anbieter. Laut Eiopa behalten Banken und Versicherer zwischen 74 und 92 Prozent der von den Verbrauchern gezahlten Bruttoprämie für Kosten und Gewinn ein. Das führe aber „zu erheblichen und nachteiligen Interessenkonflikten und zu schlechten Geschäftspraktiken zur Gewinnmaximierung“.

Dazu ein paar Zahlen aus der Studie:

18 Prozent der Banken verdienen mehr Geld durch die RSV als durch den Kredit selbst. Bei den meisten RSV für Kreditkarten kassieren die vermittelnden Banken zwischen 40 und 90 Prozent der Prämien als Provision. Bei der Mehrheit der Konsumentenkredite (mehr als zwei Drittel) sind es 40 bis 80 Prozent der Beiträge. Und die meisten Versicherer (80 Prozent) zahlen weniger als 40 Prozent der Prämien für Schäden wieder aus.

Und wie geht es weiter?

Versicherer und Banken sollen nun dafür sorgen, dass sie die Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD), einschließlich der Anforderungen an die Produktaufsicht und -steuerung (POG), vollständig einhalten. Sie sollen die Probleme mit den hohen Provisionen lösen und Interessenkonflikte vermeiden. Die Branche soll sicherstellen, dass die RSV künftig dem Zielmarkt entsprechen.

Die Eiopa und die zuständigen nationalen Behörden wollen den europäischen Markt weiter überwachen. Bei Bedarf wollen sie Banken und Versicherern genauer auf die Finger schauen und wenn nötig sogar vor Ort nach dem Rechten sehen. Bei Verstößen müssten diejenigen mit Sanktionen und Verwaltungsmaßnahmen rechnen.

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Andreas Harms

Andreas Harms ist seit Januar 2022 Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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