Pro & Contra Sollte man jetzt die Finger von Lebensversicherungen lassen?

Tanzende Seniorinnen: Ob der Ruhestand entspannt oder verkniffen wird, liegt nicht unwesentlich an der privaten Altersvorsorge. Ist die Lebensversicherung ein Segen oder ein Fluch?
Tanzende Seniorinnen: Ob der Ruhestand entspannt oder verkniffen wird, liegt nicht unwesentlich an der privaten Altersvorsorge. Ist die Lebensversicherung ein Segen oder ein Fluch? © Getty Images

„Finger weg von neuen Lebens- und Rentenversicherungen“ hieß es jüngst in einer Pressemitteilung des Online-Verbrauchermagazins Finanztip, die dann auch Argumente gegen die Produkte auflistete. Pfefferminzia war das zu einseitig und holte eine Gegenmeinung ein. Nun heißt es „Ring frei“ für Saidi Sulilatu von Finanztip und Ralf Berndt von der Stuttgarter.

| , aktualisiert um 10:16  Drucken
Sollte man jetzt die Finger von Lebensversicherungen lassen?

JA, heißt es von Saidi Sulilatu, Versicherungsexperte bei Finanztip. Hier die Argumente:

Die niedrigen Zinsen und die hohen Kosten sorgen dafür, dass sich neue Lebens- und Rentenversicherungen nicht mehr lohnen. Von 1,25 Prozent Garantiezins verbleiben im Durchschnitt nur 0,42 Prozent. Und auch das nur, wenn man 25 Jahre durchhält. Darüber hinaus sind kaum Überschussbeteiligungen zu erwarten, weil die Versicherer das Geld für ältere, hochverzinste Verträge brauchen.

Obwohl es unrentabel ist, wurden im Jahr 2013 laut Branchenverband GDV mehr als 1,5 Millionen klassische Lebens- und Rentenversicherungen neu abgeschlossen. „Das Thema Altersvorsorge ist eines der drängendsten Themen unserer Zeit“, sagt Versicherungsexperte Saidi Sulilatu von Finanztip. „Wenn Verbraucher dieses Thema bei ihrem Versicherungsvermittler ansprechen, kommt wie selbstverständlich die Lebens- oder Rentenversicherung als vermeintlich sichere langfristige Absicherung auf den Tisch. Heute ist das aber keine empfehlenswerte Altersvorsorge mehr und wir raten davon ab.“

Kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen haben eine garantierte Mindestverzinsung, die branchenweit einheitlich ist und in den vergangenen Jahren stetig gesunken ist. Während im Juli 2000 noch 3,25 Prozent garantiert wurden, sind es heute nur noch 1,25 Prozent. Diese Rendite gibt es allerdings nur auf den Sparteil. Die Abschlussprovision sowie Kosten für Verwaltung und Todesfallschutz werden abgezogen.

Die Ratingagentur Assekurata hat für eine Rentenversicherung errechnet, dass im Durchschnitt von den vermeintlichen 1,25 Prozent nur 0,42 Prozent bleiben. „Die Garantieverzinsung ist also sehr mager. Großen Anteil daran haben die Abschlusskosten, die oft mehr als 1.000 Euro betragen. Beim schlechtesten Anbieter ist die Garantieverzinsung sogar negativ. Dort bekommt man also noch nicht mal garantiert raus, was man einbezahlt hat“, sagt Finanztip-Experte Sulilatu.

Über die Garantieverzinsung hinaus beteiligt der Lebensversicherer seine Kunden an den laufenden Gewinnen. „Auch diese Überschussbeteiligung ist seit Jahren im Sinkflug und Neukunden sollten besser nur mit geringen Überschüssen rechnen“, erklärt Sulilatu. Der Grund: Die Lebensversicherer brauchen große Teile der Überschüsse, um die hohe Garantieverzinsung zu erfüllen, die für alte Verträge versprochen ist.

Nur Sonderformen der Lebensversicherung wie Riester und betriebliche Altersvorsorge können durch die staatliche Förderung sinnvoll sein, man sollte aber unbedingt auf die Kosten achten. Die Förderung selbst liegt meist deutlich höher als die garantierten Renditen. Alternativ: Ohne Förderung monatlich vernünftig fürs Alter sparen, kann man laut Finanztip mit ETF-Sparplänen für Aktienfonds. Dort sind die Renditen zwar nicht garantiert, aber höhere Renditen sind möglich und Sparer haben niedrige Kosten sowie hohe Flexibilität.

NEIN, findet Ralf Berndt, Vertriebs- und Marketingvorstand der Stuttgarter:

Tatsache ist: Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. Der Bedarf an einer verlässlichen Altersvorsorge ist vorhanden und bekannt – sowohl bei den Betroffenen selbst als auch in Politik und Wirtschaft. Gerade erst hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal auf die Notwendigkeit ergänzender privater Altersvorsorge aufmerksam gemacht.

Die private Altersvorsorge ist alternativlos. Und da die Deutschen eher risikoscheu sind, spielt unseres Erachtens die klassische Lebens- und Rentenversicherung als sicherheitsorientiertes Produkt auch in Zukunft eine zentrale Rolle. Das ändert sich auch in Zeiten niedriger Zinsen nicht. Was ist denn das Wesentliche der Lebens- und Rentenversicherung? Egal, ob jemand 70, 90 oder über 100 Jahre alt wird, sie sichert das Langlebigkeitsrisiko durch die Zahlung einer lebenslangen Rente verlässlich ab.

Ob klassisch, fondsgebunden oder hybrid, der Markt bietet verschiedene Varianten der Lebens- und Rentenversicherung. Abhängig von der individuellen Risikobereitschaft hat jeder die Möglichkeit, das für ihn passende Vorsorgeprodukt zu wählen. Da es neben den sicherheitsorientierten Kunden auch solche mit anderen Risikoneigungen gibt, beschäftigen wir uns mit möglichen Produktinnovationen als wichtigem Wachstumsmotor und bieten diese bereits an.

So haben wir mit unserem Hybridprodukt, der FlexRente performance-safe, bereits neue Maßstäbe gesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus einer fondsgebundenen Rentenversicherung und dem klassischen Deckungsstock der Stuttgarter. Mit diesem Produkt haben wir erreicht, dass sich Sparanteile auch tatsächlich ständig in den freien Fonds befinden und der Kunde somit Chancen auf eine höhere Rendite hat.

Aus unserer Sicht bleibt die Lebens- und Rentenversicherung weiterhin ein wichtiges Element einer verlässlichen Altersvorsorge. Nach wie vor setzen die Deutschen auf dieses Produkt und das werden sie auch in Zukunft tun.
Pfefferminzia HIGHNOON