PKV Lauterbach versus die Aktuare

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Randale um jeden Preis. Wenn es um sein Lieblingsprojekt geht, die Bürgerversicherung, ist Karl Lauterbach gern der Mann fürs Grobe. Unverdrossen keilt er gegen die PKV. Und wenn dabei die Fakten verloren gehen, ist ihm das auch schnuppe. Im jüngsten Beispiel geht es um Beitragssteigerungen.

„Die PKV in der jetzigen Form ist von der Systeminsolvenz bedroht“, lederte der Professor in Steinbrücks Kompetenzteam los und legte noch nach: Einige große Versicherer müssten mit Beitragserhöhungen von 10 Prozent kalkulieren – pro Jahr, so Lauterbach gegenüber der "dpa".

Tatsächlich machen die anhaltend niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt den Anbietern schon lange zu schaffen. Ihre Tarifkalkulation geht in der Regel von 3,5-prozentiger Verzinsung der Alterungsrückstellungen aus. Solche Renditen gibt der Geldmarkt jedoch kaum noch her. Einige Anbieter haben ihren Rechnungszins deswegen bereits auf 2,5 Prozent gesenkt. Die Folge könnten tatsächlich höhere Beiträge sein.

"Professoraler Unsinn"

Sicher ist das aber nicht, wie Stefan Reker, Sprecher des PKV-Verbands betont. Es stehe noch längst nicht fest, ob und in welchem Umfang die Kunden mehr zahlen müssten. Denn die Krankenversicherer verdienen mit ihren Kapitalanlagen gar nicht so schlecht. Laut KVpro.de erreichten 16 von 17 bis zum 21. Juni ausgewerteten Unternehmen eine Nettoverzinsung von über 3,5 Prozent.

Verärgert auf Lauterbachs neuesten Vorstoß reagiert nun die honorige Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Deren Vorstand Roland Weber attestierte dem Kölner Gesundheitsökonom kurz und knapp „professoralen Unsinn“. Aus einer Rechnungszinsabsenkung das Ende der PKV abzuleiten, sei abwegig. Die PKV habe 180 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen gebildet.

Einmalige Steigerung von 2,5 Prozent ausreichend

Erzielten die Versicherer nur 3 Prozent Zinsen, entstehe eine Lücke von 900 Millionen Euro – bezogen auf den bisherigen Rechnungszins von 3,5 Prozent. Angesichts der Beitragseinnahmen von insgesamt 35,7 Milliarden Euro würde dies zu einer einmaligen Beitragserhöhung von 2,5 Prozent führen. Und damit weniger, als Kassenmitglieder wegen ihrer individuellen Gehaltserhöhungen jährlich mehr an die GKV abführen müssten.

Nach Erkenntnissen der DAV hat die durchschnittliche Verzinsung in der PKV im vergangenen Jahr bei 4,2 Prozent gelegen. Lauterbachs Aussage sei, so Weber, absurd und polemisch. Der jedoch dürfte sein Ziel erreicht haben. Die Bürgerversicherung und eine vermeintlich marode PKV sind wieder mal in aller Munde. So geht Wahlkampf.

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