Pfefferminzia: Seit 2006 wurde nur der allgemeine Beitragssatz in der GKV paritätisch finanziert, den Zusatzbeitrag berappten die Versicherten allein. Was bedeutet die Rückkehr zur kompletten Parität für gesetzlich Versicherte?

Michael Schmahl: Die Zusatzbeträge liegen derzeit im Schnitt bei einem Prozent. Sie werden künftig jeweils hälftig von Arbeitgebern beziehungsweise der Rentenversicherung mitgetragen. Bei einer Krankenkasse mit einem Zusatzbeitrag von einem Prozent bedeutet das: Die Beitragsbelastung für Arbeitgeber und Mitglied beträgt jeweils 7,3 Prozent plus 0,5 Prozent, also in der Summe 7,8 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens. Den Mitgliedern der GKV bringt dies eine erhebliche finanzielle Entlastung von jährlich rund 7 Milliarden Euro. Einen Teil dieses Geldes werden sie sicherlich auch für private Investitionen in ihre Gesundheit nutzen. Künftige Kostensteigerungen im Gesundheitswesen gehen nicht mehr nur zu Lasten der Arbeitnehmer.

Wie viel Euro haben die Menschen dann netto monatlich mehr zur Verfügung?

Ein Mitglied mit einem Monatsbruttoeinkommen von 3.000 Euro, das bei einer Kasse mit einem Zusatzbeitrag von einem Prozent versichert ist, hat ab dem 1. Januar 2019 monatlich 15 Euro Unterschied im Bruttolohn. Bei den allermeisten Konstellationen werden netto mehr als die Hälfte davon im Portemonnaie übrigbleiben. Wer Mitglied einer der aktuell teuersten Krankenkassen mit einem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent ist und den Höchstbetrag zahlt, hat ein Plus von sogar 37,61 Euro brutto monatlich, zahlt dann aber immer noch den höchsten Beitrag innerhalb der GKV.

Hat diese Änderung auch Einfluss auf die je nach Kasse individuellen Zusatzbeiträge?

Die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung ist ja eine Umverteilung der Beitragslast und wirkt sich nicht auf die Finanzsituation der einzelnen Kassen aus. Auch der Kostenanstieg im Gesundheitswesen wird dadurch nicht gebremst. Beitragssatzunterschiede zwischen den Krankenkassen wird es also weiterhin geben und es wird auch nach wie vor Mitglieder geben, die deswegen ihre Krankenkasse wechseln.

Wie kann ein Makler die Rückkehr zur Parität für neue Vertriebschancen nutzen?

Durch die Beitragsentlastung in Milliardenhöhe stehen den gesetzlich Krankenversicherten nun finanzielle Mittel zur Verfügung, die gut und sinnvoll in einen zusätzlichen privaten Versicherungsschutz investiert werden können. Versicherungen zu den Themen Krankentagegeld, Auslandsreisekrankenversicherung, Zahnzusatzversicherung oder Pflegezusatzversicherung bieten sich hier an. Auch mit Wahltarifen der einzelnen Krankenkassen können gut individuelle Ansprüche erfüllt werden – und das meist zum überschaubaren Preis.