Offener Brief an Robert Geiss „Ich sorge mich nur, dass Ihre Euphorie in Ernüchterung umschlagen könnte“

Robert Geiss mit seiner Frau Carmen.
Robert Geiss mit seiner Frau Carmen. © Getty Images

Robert Geiss weiß, wie’s geht: Einmal in einen Dividendenfonds anlegen und anschließend alle 90 Tage Ausschüttungen kassieren. Weil er das für etwas blauäugig hält, wendet sich der Chefredakteur unseres Schwestermagazins DER FONDS, Egon Wachtendorf, direkt an den RTL-Star.

| , aktualisiert am 19.03.2015 12:43  Drucken
Lieber Robert Geiss,

wir kennen uns nicht persönlich; ich habe mir nur sagen lassen, dass Sie bei einem Fernsehsender, der vor 40 Jahren einmal ein richtig gutes Radioprogramm gemacht hat, eine echt große Nummer sind. Dieselben Leute meinten übrigens auch, dass es eine Menge anderer Leute bestimmt wahnsinnig gern sähen, wenn Sie mit Ihren Geldgeschichten – entschuldigen Sie den Ausdruck – mal so richtig auf die Schnauze fallen würden.

Genau das ist der Grund, warum ich mich heute an Sie wende. Ich habe nämlich gesehen, dass Sie die Fondsanlage für sich entdeckt haben. Also ehrlich, finde ich klasse – vor allem den Slogan, mit dem Sie all den Draghis, Yellens und Schäubles dieser Welt breit grinsend den verbalen Stinkefinger zeigen: „Null Zinsen – nicht mit mir!" Mit dieser Haltung sind wir gewissermaßen Brüder im Geiste, und so etwas verbindet natürlich.

Weil das so ist und weil ich nach einem Blick auf Ihre neue Homepage den Eindruck habe, dass Sie mit dem Fondsgeschäft noch nicht so vertraut sind, lässt mir der Gedanke, Sie könnten mit der von Ihnen gewählten Anlage Patriarch Classic Dividende 4 Plus womöglich schlechte Erfahrungen machen, auch keine Ruhe. Fassen Sie es deshalb bitte nicht als Bevormundung auf, wenn ich Ihnen im Folgenden ein paar grundlegende Dinge zu erklären versuche.

Zunächst einmal: Natürlich ist es schön, alle drei Monate eine Ausschüttung zu kassieren, die sich aufs Jahr hochgerechnet auf 4,8 Prozent summiert. Ich muss Ihnen jedoch leider sagen, dass weder die Höhe noch die Häufigkeit einer solchen Ausschüttung irgendetwas über den Erfolg eines Investmentfonds aussagt. Sehen Sie es doch einmal so: Wenn Sie Ihrer Frau 1.500 Euro in die Hand drücken, damit sie sich davon einen netten Nachmittag in der Stadt machen kann, und sie Ihnen anschließend 50 Euro zurückgibt, sind Sie auch kein Stückchen reicher geworden.

Das führt mich direkt zu einem weiteren relevanten Punkt, den Kosten. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass dieses Thema für einen Mann in Ihrer Position keine Rolle spielt. Aber wenn Sie es als Familienoberhaupt wirklich darauf anlegen, Ihr Geld und das Geld Ihrer Lieben mit Investmentfonds langfristig und nachhaltig zu vermehren, sollten Sie nicht unbedingt auf einen Fonds setzen, der Ihnen pro Jahr eine Managementgebühr von 2,15 Prozent abknöpft und obendrein noch eine Erfolgsbeteiligung enthält, die auf zuvor eingefahrene Verluste keinerlei Rücksicht nimmt. Vielleicht rufen Sie mich einmal an, ich könnte Ihnen aus dem Stand ein Dutzend vergleichbarer Produkte nennen, mit denen Sie wesentlich günstiger fahren würden.

Kommen wir zum vielleicht wichtigsten Punkt. Sie rühmen sich, über den von Ihnen beworbenen Fonds mit den „besten Experten und Finanzfachleuten“ in Verbindung zu stehen. Entschuldigung, aber daran habe ich meine berechtigten Zweifel. Schließlich steht hinter dem Patriarch Classic Dividende 4 Plus die Kulmbacher Börsenmedien AG. Deren Vorsitzender Bernd Förtsch war in den vergangenen 15 Jahren als Berater für diverse Investmentfonds tätig, mit denen so mancher Anleger totalen Schiffbruch erlitten hat. Die meisten davon existieren heute nicht mehr, aber wenn Sie sich einmal die Wertentwicklung des Vermögensaufbau-Fonds HAIG zwischen Sommer 2007 und Frühjahr 2009 ansehen, dann wissen Sie in etwa, was ich meine.

Klar, wenn Sie mit Herrn Förtsch sprechen, wird der Ihnen etwas ganz anderes erzählen. Es kann auch sein, dass er sich durch meine Ausführungen und insbesondere durch die Formulierung „totaler Schiffbruch“ in seiner Ehre gekränkt fühlt und rechtliche Schritte gegen mich erwägt. Sollten Sie davon etwas mitbekommen, erinnern Sie ihn doch bitte daran, dass er damit vor dem Landgericht Hamburg schon einmal gescheitert ist.

Ich sage auch nicht, dass der Patriarch Classic Dividende 4 Plus ein ähnliches Ende nimmt wie der DAC-Fonds UI oder der DAC-Kontrast-Universal. Ich sorge mich nur, dass Ihre augenblickliche Euphorie für die Fondsanlage irgendwann in Ernüchterung umschlagen könnte, wenn es an der Börse einmal nicht mehr so gut läuft wie in den vergangenen Monaten. Und das muss ja nicht sein, denn eines möchte ich Ihnen und Ihren zahlreichen Fans, die Sie durch Ihr Vorbild vielleicht zum erstmaligen Fondssparen animieren, noch einmal mit allem Nachdruck versichern: Dividendenfonds sind eine tolle Sache. Wenn die Erwartungen und die Zutaten stimmen.

Mit herzlichen Grüßen, auch an Ihre bezaubernde Frau

Egon Wachtendorf
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