Ein Krankenpfleger gipst den Arm Handgelenk einer Frau ein. © Maurizio Gambarini dpa/lno
  • Von Lorenz Klein
  • 31.01.2020 um 12:37
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Bei langer Krankheit kann eine Krankentagegeldversicherung als „kleine Schwester“ der Berufsunfähigkeitsversicherung für finanzielle Sicherheit sorgen – doch beim Übergang der Produkte ist Vorsicht geboten.

Auf A folgt zum Glück nicht immer auch B – im Klartext: Eine Arbeitsunfähigkeit (AU) mündet nur selten in eine Berufsunfähigkeit (BU). Zugleich gilt: „Dauerhaft kann man nicht arbeitsunfähig bleiben: Entweder man wird wieder gesund genug zum Arbeiten oder mindestens berufsunfähig. Deshalb kann man nicht gleichzeitig arbeitsunfähig und berufsunfähig sein“, erklärt Versicherungsmakler Matthias Helberg.

Klar ist aber: Beide Situationen können zu finanziellen Notlagen führen. Daher gehöre zur Arbeitskraftabsicherung von Arbeitnehmern und Selbstständigen normalerweise beides, betont der Makler: eine Krankentagegeldversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Welchen Nutzen hat ein Krankentagegeld (KTG) nun konkret? Dazu muss man wissen, dass Arbeitnehmer ab der siebten Krankheitswoche nicht mehr ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber erhalten – es sei denn, dieser zahlt freiwillig länger, was aber eine große Ausnahme ist. Eine privat abgeschlossene Krankentagegeldversicherung verhilft Betroffenen dann dazu, die Differenz zwischen dem dann fälligen Krankengeld und dem bisherigen Nettoeinkommen zu schließen.

Und solch eine Lücke kann durchaus wehtun: „Das Krankengeld der Krankenkassen beträgt 70 Prozent vom Bruttoeinkommen, jedoch maximal 90 Prozent vom Nettoeinkommen. Hiervon werden noch Sozialversicherungsbeiträge für die Arbeitslosen-, Pflegepflicht- und Rentenversicherung abgezogen, sodass unter dem Strich noch etwa 75 Prozent des letzten Nettoeinkommens stehen“, schildert Helberg. Die Zahlung des Krankengelds endet spätestens nach 78 Wochen einer Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gleichen Erkrankung.

Das private Krankentagegeld wird von Experten oft als Bindeglied zur Berufsunfähigkeitsversicherung gesehen, denn sollte die Krankheit oder der Unfall dauerhaft dazu führen, dass man nicht mehr in seinem derzeitigen Beruf arbeiten kann, ist man nicht mehr arbeitsunfähig, sondern gilt als berufsunfähig – man wird also ein Fall für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Was gilt es hier für einen reibungslosen Übergang zwischen AU und BU zu beachten?

Den Übergang nahtlos gestalten

„In diesem Fall ist es wichtig, dass den Kunden auch im Übergang von der Arbeits- zur Berufsunfähigkeit keine Lücke entsteht. Das ist jedoch nicht selbstverständlich, da sich die Definition der Berufsunfähigkeit in der Krankentagegeldversicherung mitunter von der in der Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheidet“, sagt Stephan Schinnenburg, Vertriebsvorstand der Deutschen Familienversicherung (DFV).

So könne es passieren, dass die Krankenversicherung nicht mehr zahlt, da nach ihren Bedingungen bereits eine Berufsunfähigkeit eingetreten ist, erklärt der Manager. Gleichzeitig sei die Berufsunfähigkeit nach den Bedingungen des BU-Versicherers womöglich anders definiert und daher noch nicht eingetreten. Kurzum: In der Zeit dazwischen zahlt womöglich keiner der beiden Versicherer.

Claudia Willeke, zuständig für Vorsorge-Management KV beim Maklerpool Maxpool, kennt diese Problematik nur allzu gut und erklärt, wie eine Option zur Lösung aussehen kann: „Es gibt diverse Kranken- und Lebensversicherer, bei denen wir jeweils konzernintern ein sogenanntes KTG-BU-Modell anbieten und versichern können. In diesem Modell verspricht der Versicherungskonzern dem Versicherungsnehmer, dass er im Ernstfall eine lückenlose Zahlung zunächst von Krankentagegeld und bei eintretender Berufsunfähigkeit dann von Berufsunfähigkeitsrente erwarten kann.“

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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